ImmobilienWie der Hauskauf in jedem Alter gelingt

Neubauwohnungen in Feldkirchen bei München
Neubauwohnungen in Feldkirchen bei Münchenimago images / Sven Simon

Gibt es das perfekte Alter für den Immobilienkauf? Schaut man allein auf die Statistik, scheint die Antwort klar. Wer in Deutschland das erste Mal ein Haus oder eine Wohnung kauft, ist im Schnitt 39 Jahre alt, geht aus der Datenbank des Baufinanzierungsvermittlers Dr. Klein hervor. Die meisten Käufer entscheiden sich zwischen 30 und 50 Jahren für eine Immobilie. Das überrascht wenig: Das Eigenheim gehört in der Regel zu den größten Investitionen des Lebens – die meisten Menschen lassen sich daher für diese Entscheidung Zeit.

Für den Kauf mit Ende 30 spricht, dass das Leben in diesem Alter meist in geordneten Bahnen verläuft. Man hat in der Regel einen festen Arbeitsplatz und Lebensmittelpunkt gefunden, an dem man sich etwas aufbauen will. Das Geld reicht, um nicht mehr von der Hand in den Mund zu leben. Häufig wird die Mietwohnung in diesem Alter auch schlicht zu eng, weil Nachwuchs unterwegs ist. Das eigene Haus erscheint dann als der nächste logische Schritt.

Jede Immobilienfinanzierung ist individuell

Manchmal spielt das Leben aber auch anders und der Wunsch nach den eigenen vier Wänden erwacht erst jenseits der 50. Oder viel früher, in den Zwanzigern. Während junge Käufer sich fragen, ob sie eine solche Investition überhaupt tragen können, quält Menschen kurz vor der Rente oft der Gedanke, den richtigen Zeitpunkt für den Hauskauf bereits verpasst zu haben. Dabei gilt: „Das perfekte Alter bei der Eigenheimfinanzierung gibt es schlicht nicht“, sagt Henrik Prüß, Dr.-Klein-Spezialist für Baufinanzierungen. Dafür sei jede Immobilienfinanzierung zu individuell. Gleichwohl gebe es in den unterschiedlichen Lebensphasen durchaus Besonderheiten, die Hauskäufer bei der Planung berücksichtigen sollten.

In jungen Jahren ein Haus zu kaufen, hat durchaus seinen Charme. Wer in seinen Zwanzigern ein Haus kauft, hat die Immobilie meist noch vor der Rente abbezahlt und kann länger mietfrei wohnen. In der Praxis scheitert der Traum vom Eigenheim in der Jugend aber vor allem am nötigen Eigenkapital. Als Faustregel gilt: Mindestens die Nebenkosten etwa für Makler, Grundbucheintrag und Notar sollten Käufer aus eigener Tasche stemmen können. Sie betragen in der Regel 10 bis 15 Prozent der Gesamtsumme. Bei einem Kaufpreis von 500.000 Euro sind das bereits 50.000 Euro, die der Käufer aufbringen muss – und dann ist immer noch kein Cent der Immobilie abbezahlt. „Nur die wenigsten Interessenten haben in der Regel in diesem Alter schon einen ausreichenden Betrag angespart. In der Konsequenz kann der Traum vom Eigenheim dann aufgrund schlechterer Konditionen deutlich teurer werden“, sagt Prüß. Junge Käufer sollten daher nicht zu voreilig sein und lieber erstmal etwas ansparen, bevor sie sich ihren Traum erfüllen.

Höhere Tilgungsraten bei älteren Käufern

Kreditnehmer, die sich mit rund 50 Jahren den Traum von der eigenen Immobilie erfüllen wollen, haben zwar meistens mehr Geld auf der hohen Kante, stehen aber zugleich unter besonderem Druck: Rein rechnerisch haben sie nämlich weniger Zeit, das Baudarlehen zu tilgen. Deshalb müssen sie deutlich mehr Eigenkapital aufbringen, um neben den Kaufnebenkosten einen größeren Teil des Kaufpreises begleichen zu können. Unabhängig vom Alter des Käufers gilt: Bis zum Ruhestand sollte nur noch eine überschaubare Restschuld vorhanden sein. Wer im fortgeschrittenen Alter ein Haus oder eine Wohnung kaufen will, muss sich daher zusätzlich oft auf deutlich höhere Tilgungsraten einstellen, sagt Dr.-Klein-Experte Prüß.

Viel entscheidender als der Zeitpunkt für den Immobilienkauf sei jedoch die persönliche Lebensplanung und die jeweiligen finanziellen Sicherheiten, betont Prüß. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Kauf sollten Interessenten zudem auch das aktuelle Zinsniveau und die Marktpreise in der jeweiligen Region im Blick haben. „Dies sind stets verläss­liche Indikatoren, die für jede Lebensphase funktionieren und dem Kunden eine gute Orientierung bieten, ob sich ein Immobilienerwerb aktuell lohnt.“

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden