VorsorgeSo bleibt das Haus im Alter erschwinglich

Das eigene Haus gilt vielen Deutschen als die beste Altersvorsorge
Das eigene Haus gilt vielen Deutschen als die beste Altersvorsorge dpa

Die gesetzliche Rente schmilzt dahin. Wenn die heute 30-Jährigen in den Ruhestand gehen, bekommen sie durchschnittlich nur noch gut 65 Prozent ihres Nettoeinkommens als Rente, zeigt eine Studie der Fondsgesellschaft Schroders. Hinzu kommen hohe Ausgaben: Ruheständler wenden hierzulande im Schnitt rund die Hälfte ihrer monatlichen Bezüge allein für die Lebenshaltung auf, also für Essen, Kleidung oder Miete. Für die angenehmen Seiten des Lebens – Hobbys, Fernreisen oder schlicht ein Besuch beim Lieblingsitaliener – bleibt kaum Spielraum. Viele Deutsche werden im Ruhestand nicht genug Geld haben, um ihren gewohnten Lebensstandard zu halten, geschweige denn, um sich jenen Luxus zu leisten, den sie sich während ihrer berufstätigen Zeit verkniffen haben. „Um dem entgegenzuwirken, ist rechtzeitiges Handeln erforderlich“, sagt Charles Neus, Experte für Altersvorsorge bei Schroders.

Ein abbezahltes Haus gilt vielen Deutschen als Garant für einen sorgenfreien Lebensabend. Das zeigt unter anderem das aktuelle Vermögensbarometer des Sparkassen- und Giroverbandes, das einmal jährlich erhoben wird. Darin gibt über die Hälfte der Befragten an, dass sich das Eigenheim von allen Vorsorgearten am besten für den Vermögensaufbau eigne. Im Jahr 2007 sahen das nur 27 Prozent der Befragten so. Eine Studie des Marktforschungsinstituts TNS kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach ist das eigene Haus für zwei von drei Deutschen die beste Altersvorsorge.

In der Theorie ist das nur logisch: Ist das Häuschen erst einmal abbezahlt, können Eigentümer mietfrei wohnen. Der größte Batzen an monatlichen Ausgaben fällt weg. Das Problem: Diese Rechnung geht nicht immer auf. Damit der Traum vom Eigenheim im Ruhestand nicht zum Alptraum wird, bedarf es sorgfältiger Planung, sagt Alexander Krolzik, Experte für Immobilienfinanzierung bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Im Prinzip müssen Eigentümer schon beim Kauf genau hinschauen, damit das Kalkül eines sorgenfreien Lebensabends ohne Mietkosten aufgeht.

Größe ist nicht immer ratsam

Die Ruhestandsplanung beginnt mit der Wahl des Wohnortes. Ähnlich wie bei Immobilien, die der Kapitalanlage dienen und vom Eigentümer vermietet werden, gilt nämlich auch beim selbstgenutzten Eigenheim die alte Immobilien-Weisheit: Lage, Lage, Lage. „Kaufinteressenten sollten darauf achten, dass Einkaufsmöglichkeiten fußläufig erreichbar sind, genauso wie alle wichtigen Ärzte und die nächste U-Bahn-Station“, sagt Krolzik. Wer ein Haus in guter Lage kauft, sichert sich im Alter gleich doppelt ab. Er sorgt dafür, dass er seinen Alltag selbstständig bestreiten kann, selbst wenn Autofahren nicht mehr möglich ist. Und er hält sich die Möglichkeit offen, die Immobilie ohne Verluste zu verkaufen oder zu vermieten, sollten ihn die Umstände dazu zwingen. Das geht manchmal ganz schnell, sagt der Verbraucherschützer. Etwa, wenn eine schwere Krankheit einen Umzug ins Pflegeheim nötig macht.

Neben der Lage spielt die Ausstattung der Immobilie eine wichtige Rolle. Die meisten Menschen, die von einer Mietwohnung erstmals in die eigenen vier Wände umziehen, wollen sich vergrößern, sagt Andreas Görler, Vermögensberater bei der Berliner Anlageberatung Wellinvest. Das ist aber nicht immer ratsam, vor allem wenn das selbstgenutzte Eigenheim auch der Altersvorsorge dienen soll. Ein Haus mit drei Stockwerken und 250 Quadratmetern Wohnfläche wird im Alter schnell zur Last, wenn irgendwann jede Treppenstufe schmerzt und die Hälfte der Wohnung daher de facto leer steht. „Kaufinteressenten sollten ihren Fokus nicht allein auf die Größe, sondern auf eine moderne Ausstattung und barrierefreies Wohnen richten“, rät Görler.

Haben sich Hauskäufer für eine Immobilie entschieden, sollten sie sich Gedanken über die passende Finanzierung machen. Die meisten Käufer finanzieren ihr Eigenheim über einen Bankkredit. Hier gilt als Faustregel unabhängig vom Einsatzzweck: 70 Prozent darf sich der Eigentümer von der Bank leihen, 30 Prozent sollte er aus eigener Tasche zahlen. Wer sich eine Immobilie als Altersvorsorge anschafft, sollte die Konditionen so wählen, dass der Kredit bis zum Ende des Arbeitslebens abbezahlt ist, sagt Verbraucherschützer Krolzik. Er empfiehlt dafür eine Tilgung von mindestens zwei, besser drei Prozent sowie eine Zinsbindung von mindestens 15 Jahren. Angehende Eigenheimbesitzer können auch eine niedrigere Rate wählen und dafür zusätzliche Sondertilgungen vereinbaren. Der Vorteil: In Jahren, in denen man gut verdient, tilgt man den Kredit über die Sonderzahlungen schneller. In mageren Jahren muss man nicht so weit zurückstecken.

Vorsorgesparer sollten den positiven Effekt des Eigenheims allerdings nicht überschätzen, mahnt der Verbraucherschützer. Viele Rentner leben zwar im eigenen Haus und zahlen keine Miete. Doch auch im Eigenheim fallen laufend Ausgaben an, etwa Grundsteuer, Abfallgebühren, Wasser, Strom und Heizung. Hinzu kommen Kosten für die Instandhaltung, die gerade bei älteren Gebäuden schnell den Wert mehrerer Jahresmieten erreichen können. Das Eigenheim sollte aus diesem Grund nie der einzige Baustein der Altersvorsorge sein, sagt Krolzik.

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