ImmobilienWo es erschwingliche Ferienimmobilien gibt

Häuschen auf der Halbinsel Graswarder bei Heiligenhafen
Wellen, Wind, Strand: Das Häuschen auf der Halbinsel Graswarder bei Heiligenhafen trifft den Traum gestresster Großstädter
© Getty Images

Börgerende? Börger… wie? Von einem Ort dieses Namens hatte Torsten Meiwald noch nie gehört. Als sein Immobilienmakler ihm vorschlug, ebendort nach einem Feriendomizil zu suchen, kramte der Hamburger erst einmal den Schulatlas seines Sohnes heraus. „Ich hatte keine Ahnung, wo Börgerende sein sollte“, sagt der 48-Jährige. Er fand die Gemeinde zwischen Heiligendamm und Nienhagen. Meiwald war skeptisch: „Wir hatten eher Boltenhagen, Warnemünde oder Rügen im Sinn.“ Also einen netten Ort an der Ostsee, wo ein bisschen was los ist. Wo man selbst Urlaub macht und den Rest der Zeit an andere vermietet.

Gut ein Jahr lang fahndete Meiwald nach einem Objekt – mal ohne Hilfe des Maklers, mal mit. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig sein würde, etwas Passendes zu finden“, sagt der Mann, der ein Erbe zügig in Steinen anlegen wollte. Was er fand, passte nicht ins Profil: Es gab „entweder unsanierte Kaschemmen aus DDR-Zeiten oder sündhaft teure Objekte“. Sonst nichts.

Und dann: Börgerende – ein Straßendorf, das sich weit ins Landesinnere zieht. Fast vergessen. Noch vor zehn Jahren gammelte hier das leere FDGB-Ferienheim Hotel Waterkant vor sich hin. Urlaub machte man woanders.

Grafik Lagen von Ferienimmobilien
Quelle: Marktstudie 2016 Fewo-Direkt

Mit dem Boom an den deutschen Küsten kamen jedoch immer mehr Immobilienentwickler in das Provinznest. Heute zählt die Gemeinde stolze 1800 Einwohner; Hunderte neue Apartments sind entstanden, reetgedeckte Häuser und exklusive Strandvillen.

Auch Meiwald ist dort seit drei Jahren Besitzer einer Ferienwohnung mit gut 90 Quadratmetern. Rund 240.000 Euro hat ihn das gekostet. Nicht gerade ein Schnäppchen, dachte er damals. Doch seither sind die Preise sogar noch gestiegen. Der Familienvater ist vollauf zufrieden: „Für den Preis hätte ich auf Rügen oder in Warnemünde schon damals nichts Vergleichbares bekommen.“ Von Hamburg aus sei er in zwei Stunden an der Küste: „Was will man mehr?“

Ein eigenes Haus am Wasser steht auf der Wunschliste der Deutschen ganz oben. Sie träumen vom Blick auf die Wellen oder den glatten See, wenigstens im Urlaub. Rund die Hälfte aller Käufer peilen solche Objekte an – am liebsten in Deutschland. Die Favoriten liegen in der Holsteinischen Schweiz, an der Mecklenburgischen Seenplatte, am Königssee oder am Bodensee und an Ost- und Nordsee. Und weil die klassischen Ferienregionen immer teurer werden, lohnt oft ein Blick in die zweite Reihe.

Ost- und Nordsee sind Spitze

Viele Großstädter verwirklichen ihren Traum an den deutschen Küsten. Schon heute liegt jede vierte Ferienimmobilie in Strandnähe, fast jede zweite zumindest am Wasser, ermittelte jüngst Fewo-Direkt. Alljährlich befragt das Ferienhausportal Tausende Käufer nach ihren Motiven für den Immobilienerwerb und Vorlieben bei der Standortwahl. Ergebnis: Nord- und Ostseeküste sind erste Wahl.

Der neue Capital-Immobilien-Kompass: Hier finden Sie detaillierte Informationen zu rund 11.000 Orten in ganz Deutschland, die laufend aktualisert werden.

Aktuelle Immobilienpreise und detaillierte Karten für alle Wohnviertel Deutschlands finden Sie im Capital Immobilien-Kompass:

immobilien-kompass.capital.de

Der Trend zum Urlaub in Deutschland, am liebsten im eigenen Feriendomizil, hält seit Jahren an und nimmt weiter zu. Die Folge sind teils enorme Preissteigerungen für begehrtes Wohneigentum: Seit 2011 sind Eigenheime etwa auf der Nordseeinsel Föhr oder in Sankt Peter-Ording um mehr als 40 Prozent teurer geworden, ergab eine Studie der LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg. Auch in der Lübecker Bucht, beispielsweise in Scharbeutz oder Travemünde kletterten die Hauspreise enorm.

Bei Eigentumswohnungen sieht es kaum besser aus: Auf Norderney und Sylt sind mehr als 5000 Euro pro Quadratmeter absolut üblich. Der Makler Engel & Völkers registriert Quadratmeterpreise von 10.000 Euro für Neubauten – nicht nur in der ersten Reihe, sondern auch in Lagen, wo man das Wasser nur von Weitem sehen kann. Damit übertreffen die Inseln selbst traditionell kostspielige Reiseziele wie den Tegernsee.

Der neue Richtwert für eine moderne Ferienwohnung in sehr guter Lage ist in vielen klassischen Ferien orten rund 4000 Euro pro Quadratmeter. „An den Top-Standorten haben die Kaufpreise bereits ein Niveau erreicht, das mit den Spitzenpreisen in deutschen Metropolen vergleichbar ist“, sagt Maike Brammer, Chefin des Wohnimmobilien-Researchs bei Engel & Völkers. Wer weniger ausgeben will oder kann, hat es schwer. Für diesen Kurs ist am ehesten noch in Grömitz oder auf der Ostseeinsel Fehmarn etwas zu haben.