KolumneObamas glanzloser Abgang

Christoph Bruns
Christoph Bruns

Selten hat die Gedichtzeile „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ des Hermann Hesse besser zugetroffen als auf die Inauguration von Barack Obama vor acht Jahren. Der Wahlsieg Obamas war zwar auch ein Scherbengericht über Georg W. Bush, der die Vereinigten Staaten in zwei heillose Kriege zerrte und dann die größte Wirtschaftskrise seit der großen Depression erlebte, aber die Ausstrahlung des dunkelhäutigen und jugendlich wirkenden Verfassungsjuristen aus Chicago besaß damals viele eigene Attribute. Der versprochene Wandel, der mit „Change we can believe in!“ oder „Yes we can“ von einer sehr gut geölten Wahlkampfmaschine betrieben wurde, elektrisierte Millionen Menschen in der ganzen Welt. Nicht zuletzt lagen ihm die Menschen in Deutschland bereits zu Füßen, als er Wochen vor der Wahl in Berlin eine flammende Wahlkampfrede hielt. Seinerzeit machte sich Aufbruchstimmung breit und man konnte diesen Geist am lebhaftesten in den geschundenen Ländern des Maghreb und Arabiens beobachten. Mit kühnen Reden über die vielzitierten Gründungswerte Amerikas heizte Obama, der vorauseilend den Friedensnobelpreis verliehen bekam, die Hoffnungen der Jugend in vielen Ländern an.

Es gehört zur Tragik seiner Präsidentschaft, seinen Idealismus so krachend scheitern gesehen zu haben wie etwa in Ägypten. Heute ist das größte Land Afrikas eine Militärdiktatur und im Maghreb versuchen vor allem junge Männer massenhaft nach Europa und vor allem Deutschland zu fliehen, während der arabische Raum beziehungsweise das ehemalige osmanische Reich nachgerade in Flammen steht.

Überhaupt hatte Obama außenpolitisch kein glückliches Händchen. Sein größter Erfolg auf diesem Gebiet dürfte die Normalisierung der Beziehungen zu Kuba sein, nachdem das kleine unbedeutende Land Jahrzehnte lang unter unverhältnismäßigen amerikanischen Wirtschaftssanktionen hatte leiden müssen. Weit weniger günstig entwickelten sich unter Obama die Beziehungen zu China, den Philippinen und Russland.

Innenpolitische Rückschläge

Innenpolitisch hinterlässt Obama eine sehr gemischte Bilanz. Sein großer Fehler war es, die ersten sechs Monate seiner Präsidentschaft nicht konsequent für Veränderungen genutzt zu haben. Diesen Fehler scheint sein Amtsnachfolger unbedingt vermeiden zu wollen. Immerhin besaß Obama ein klares Mandat und seine demokratische Partei Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses. So musste Obama im Laufe der Zeit mit ansehen, wie seine großen Vorhaben zunehmend von der republikanischen Opposition torpediert und sogar gänzlich verhindert wurden. Seine Gesundheitsreform ist deshalb nur unzureichendes Stückwerk geblieben, wenngleich es gelungen ist, weiteren 20 Millionen Amerikanern Krankenversicherungsschutz zu verschaffen. Unter Präsident Obama sind die Rassenkonflikte Amerikas durchaus nicht entschärft worden.

Man muss Obama jedoch zugutehalten, dass er sein Amt in einem Moment übernahm, als die USA in einer gefährlichen Wirtschaftskrise durch den Zusammenbruch des Häusermarktes und vor allem der ihn finanzierenden Banken steckte. In gewisser Weise waren ihm durch die Finanzkrise die Händen gebunden, denn anstatt eigene Visionen voran zu treiben, sah er sich gezwungen, gemeinsam mit der Notenbank Fed Krisenmanagement z.B. in Form der Teilverstaatlichung der Automobilindustrie zu betreiben. Hier liegt auch der Hauptgrund dafür, dass die USA heute eine wesentlich höhere Verschuldung aufweisen als noch vor acht Jahren.

Ohrfeige für Obama

Das Ende der Präsidentschaft Obamas steht in einem starken Kontrast zu dessen splendiden Beginn. Der Weihrauch des Anfangs mit seinen zu hohen Erwartungen ist verloren gegangen und die Niederlage Hillary Clintons ist ein Stück weit auch seine Niederlage. Schlimmer noch: Die Wahl Donald Trumps, den er jahrelang rhetorisch bekämpfte, ist zum Teil auch eine Ohrfeige der Wähler für die Amtszeit Obamas, besonders hinsichtlich seiner Wirtschaftspolitik.

Bleiben wird freilich die Erinnerung an einen großartigen Redner, der auch heute noch mit seinem Idealismus, seiner Diplomatie, seinem Humanismus, seinem Intellektualismus und nicht zuletzt seiner jugendlichen Frische ein Publikum begeistern kann. Überdies wird man Barack Obama, der dem Sog des Zynismus nie nachgab, als echten Gentleman erinnern, womit er im schroffen Gegensatz zu seinem proletarisch anmutenden Amtsnachfolger steht. Letztlich wird das Buch der Geschichte ihm vor allem den Platz als ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten zuweisen.

Aus Chicago
Ihr

Dr. Christoph Bruns


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Teilhaber der Fondsgesellschaft Loys AG.


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