GeldanlageDie Oster-Überraschung für Anleger

Kurstafel an der Frankfurter Börse
Kurstafel an der Frankfurter BörseGetty Images

Kurz vor Ostern legte die Börse diese Woche vielen Anlegern noch ein Überraschungs-Ei. Und es war eine schöne Überraschung, damit hatten sicher die wenigsten gerechnet: In diesen Tagen werden nämlich nicht nur die Bäume wieder grün, sondern auch die allermeisten Aktienindizes. Die Kurse drehen schon seit einigen Wochen verbreitet nach oben, das deutete sich also nach der Hängepartie zu Jahresanfang schon an. Aber: Inzwischen haben etliche Indizes auch auf Jahressicht wieder in den grünen Bereich gedreht – und das ist die große Überraschung. Denn fast alle Anleger haben noch die Zahlen von 2018 im Kopf, die das Jahr auch völlig ohne Großabsturz oder Crash zu einem der wirklich schlechten Aktienjahre machten: Ein rund 20-prozentiges Minus stand am Ende auf den Kurszetteln. Und das soll sich nun wieder in Frühlingsluft aufgelöst haben?

Noch nicht ganz, wenn wir ehrlich sind, aber die großen Leitindizes haben es schon fast geschafft: Der Dax legte auf Dreimonatssicht frische 11 Prozent zu, der amerikanische S&P500 ebenfalls rund 10 Prozent und der Eurostoxx immerhin beachtliche 13 Prozent. Obwohl gerade die europäischen Aktien zuletzt jahrelang nicht gerade durch Wachstum glänzten. Wohl aber durch ihre Winterhärte: Wer sich den Europaindex auf fünf Jahressicht anschaut, der sieht ihn eher seitwärts taumeln – und pünktlich zu jedem Jahresende mit der Winterzeit kräftig eingehen. Immerhin erholte sich der Eurostoxx aber dann auch mit fast jedem Frühjahr wieder kräftig und strebte ans Licht. Insgesamt aber schwächeln die europäischen Werte nun im Grunde schon seit 2011 und kommen im Gegensatz zu vielen anderen Indizes nicht nennenswert nach oben voran. Auch nach diesem Winter sieht die Jahresperformance des Eurostoxx noch nicht positiv aus: Er schoss zwar seit dem Jahresende geradezu in die Höhe, bringt es aber zurzeit bloß auf Null Prozent Rendite auf Zwölfmonatssicht. Das ist noch nicht im grünen Bereich, aber es könnte ja sein, dass er bald zumindest den Kopf aus der Erde reckt.

Aber ist das überhaupt wahrscheinlich? Haben nicht gerade erst viele Ökonomen ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigiert? Erst diese Woche schraubte die Bundesregierung wieder ihre Erwartungen zurück: 0,5 Prozent Wachstum, mehr würden es wohl 2019 nicht. Anders als die Natur blüht die Wirtschaft nämlich momentan nicht auf, sondern es könnte eher so sein, dass uns ein dürrer Sommer ins Haus steht, zumindest hier in Europa.

Blick nach Amerika

In Amerika sieht es zurzeit etwas anders aus: Der S&P 500 legte zwar von allen die schwächste Entwicklung auf drei Monate hin, doch er überzeugt bereits wieder auf Jahressicht. Da ist er nämlich schon wieder 7 Prozent im Plus. Das ist eine Menge angesichts der Kursstürze zum Jahresende. Es liegt aber auch nicht an der glorreichen Politik von Präsident Donald Trump, auch wenn der das den Menschen und Märkten gerne weismachen möchte. So zeigen zumindest Auswertungen, die den Börsenanstieg sämtlicher neuzeitlicher US-Präsidenten innerhalb der ersten zwei Amtsjahre vergleichen. Seit exakt 27 Monaten bestimmt Trump nun das Geschehen der amerikanischen Wirtschaft, er hat seitdem die Unternehmenssteuern stark gesenkt und Anreize für US-Firmen geschaffen, ihr Auslandskapital wieder auf den Heimatmarkt zu überführen – ohne dafür großartige Steuern zu zahlen. Und all das kurbelte auch die Kurse kräftig an – zumindest am Anfang seiner Amtszeit. Inzwischen scheint der Steuereffekt mächtig verpufft, denn gemessen an der Börsenperformance liegt Trump nach 27 Monaten bei 26 Prozent Kursplus. Das schaffte selbst George Bush Senior, völlig ohne Unternehmenssteuerprogramme.

Während des Auftakts der Obama-Regierung dagegen legte die Börse sogar um 65 Prozent zu. Dagegen sieht Trump schwach aus. Nun fiel allerdings in Obamas Amtszeit auch die große Finanzkrise, die zuerst die Kurse krachen ließ – aber danach für die große Erholung sorgte. Das führte auch zu diesen satten Steigerungszahlen. Sollte ein größerer Börseneinbruch demnächst passieren, womöglich noch im kommenden Jahr, so sähe die Trump-Bilanz aber noch schlechter aus. Momentan, so muss man feststellen, laufen die Börsen eher gut, obwohl er regiert, nicht weil es ihn gibt. Seine neuen Unternehmensgesetze haben zwar einen Anstieg der Kurse bewirkt, aber aus welchem Grund?

Die höheren Gewinne durch die Steuersenkung hatten eher kurzfristig gewinnsteigernde Effekte. Ok, besser als nichts, könnte man jetzt sagen. Aber wie nachhaltig ist das, vor allem wenn doch irgendwann eine Wachstumsdelle kommt? Und die Kapitalrückflüsse führten vor allem zu einem: Die Firmen haben ihr zurückgeschichtetes Kapital leider nicht investiert oder produktionssteigernd eingesetzt, um die US-Wirtschaft damit stärker und besser zu machen. Sondern sie haben eigene Aktien davon zurückgekauft. Das ist sozusagen nur ein Linke-Tasche-rechte-Tasche-Effekt. Es hat zwar die Kurse getrieben, führt aber langfristig nur dazu, dass weniger Aktionäre an den Firmen beteiligt sind und die Unternehmen selbst weniger frei flotierendes Kapital haben. Und selbst diese Kurseffekte sind inzwischen wieder verpufft. Dass die Indizes dennoch wuchsen beweist eher, dass die Wirtschaft ungeachtet aller Eingriffe noch besser läuft als gedacht oder als gefürchtet. Apropos fürchten: Man darf gespannt sein, was dem Präsidenten als nächstes einfällt, um seine Börsenbilanz aufzubessern.

Warum aber sind die Börsen zurzeit derart in Frühlingsstimmung? Das sind sie tatsächlich, wenn man sich die Anlegerlaune hierzulande ansieht, die über die Sentiment-Indizes gemessen wird: Während viele Börsianer zuvor noch zum Lager der Bären gehörten (die sich ja bekanntlich zum Winterschlaf in ihren Höhlen niederlegen, was in diesem Zusammenhang ein ganz passendes Bild ist) und auf fallende Kurse setzten, hat sich die Stimmung jetzt gedreht: Viele haben ihre Positionen glattgestellt, was nichts anders heißt als: Sie gehen jetzt von steigenden Kursen aus. Vermehrte Zuflüsse von Kapital aus dem Ausland haben den Dax zudem in den vergangenen Wochen in die Höhe wachsen lassen.

Mögliches Ende der Schwächephase

Nun ist die spannende Frage: Sehen all diese Anleger schon das Ende der wirtschaftlichen Schwächephase wieder voraus? Preisen sie also bereits die Erholung ein, die nach dem schwachen Sommer kommen wird? Oder ist die Stimmung in diesem Frühling schlicht besser als die Lage? Das Ergebnis werden die kommenden Monate liefern, eine Antwort allerdings – nämlich die entscheidende für Anleger – lieferten bereits die vergangenen drei Monate. Sie gaben zumindest deutliche Hinweise darauf, wie Anleger sich aufstellen sollten.

Warum? Jenseits aller Gesamtzahlen haben sich Ratingagenturen angesehen, welche Anlageklassen im Einzelnen im ersten Quartal gewonnen haben, sowie auf Jahressicht – und welche verloren. Das Ergebnis spricht eine klare Sprache: Zu den Verlierern gehörten sowohl auf Jahressicht als auch auf Dreimonatsbasis die Geldmarktfonds und im Prinzip fast alle Anleihenfonds sämtlicher Klassen. Seien es nun europäische, weltweite, europäische Anleihenfonds oder jene der Schwellenländer. Mit ihnen war nichts zu holen, außer allenfalls einer schwarzen Null. Die Gewinner dagegen überraschten.

Es waren ausgerechnet die riskanteren Assets, die seit Jahresbeginn zulegten. Darunter vor allem Chinaaktien (plus 32 Prozent im ersten Quartal), Rohstofffonds mit Schwerpunkt auf der Energie (plus 25 Prozent), sowie Technologieaktien (plus 20 Prozent). Vor allem jene also, die 2018 die größten Verluste hinlegten. Allerdings konnten diese Bereiche auf Jahressicht noch nicht überzeugen. Da liegen sie inzwischen nur ganz hauchdünn im Plus mit ein bis zwei Prozent.

Die wahren Gewinner auf Jahressicht sind dagegen andere: Besonders die Property-Fonds legten auch auf Zwölfmonatssicht zu, also der Immobilienbereich, ganz gleich ob in Nordamerika, Asien oder weltweit. Zudem die Großunternehmen in Amerika und Asien und auch mittlere amerikanische Firmen. Amerikas Aktien profitierten dabei – aus europäischer Anlegersicht – besonders vom starken US-Dollar. Auf Dreijahressicht schnitten die Techfirmen gut ab, die Hong-Kong-Aktien und US-Unternehmen. Es bietet sich also kein überraschendes Bild, sondern eher das, was Börsianer auch zuletzt schon gewohnt waren.

Was heißt das nun für die Asset-Allokation der Privatanleger? In erster Linie eines, sagen Analysten: Der Frühling ist da, aber im Grunde ist es doch wie jedes Jahr, es ändert sich also wenig für Langfristsparer. Und dementsprechend sollten auch sie wenig an ihrer Portfoliozusammensetzung ändern. Trotz vieler Warnungen der letzten Zeit sollten sie nicht allzu sehr auf Sicherheitswerte gehen, da diese höchstens Stabilität garantieren, aber langfristig wenig Ertrag. Der Aufschwung der Klassikwerte dagegen ist weiterhin intakt, auch wenn viele etwas anderes gefürchtet hatten. Und sogar die Beimischung von Technologieaktien und vor allem von Schwellenlandaktien lohnt sich weiterhin, auch in diesen turbulenten Zeiten. Denn sie sind zwar die ersten, die nach unten geprügelt werden, aber sie preschen auch als Erste wieder bergauf. Und den Emerging Markets kann langfristig nicht einmal der ständig drohende Handelskrieg des US-Präsidenten etwas anhaben. Er verpufft. Setzen Sie also nicht nur auf heimische Werte weiter auf die Regionen, in denen Wachstum passiert. Vorsichtig im Umfang, aber konsequent in der Sache.