AktienDepot absichern, aber wie?


Marc Oliver Lux ist Geschäftsführer der Dr. Lux & Präuner Vermögensverwaltung aus München (Grünwald)Marc Oliver Lux ist Geschäftsführer der Dr. Lux & Präuner Vermögensverwaltung aus München (Grünwald)


Anlage in sicheren Wertpapieren

Klar auf der Hand liegen Vorteile und Schwächen bei der traditionellsten Form, das Vermögen sicherer zu machen, der Anlage in sicheren Wertpapieren. Eine hohe Quote von Anleihen mit guter Bonität (das sind in der Regel sogenannte Investmentgrade-Anleihen mit Ratings mindestens von BBB-/Baa3 und ohne Währungsrisiken) bringt definitiv mehr Sicherheit ins Depot. Die Strategie ist aktuell allerdings mit erheblichen Performanceeinbußen verbunden. Eine Bundesanleihe mit vierjähriger Restlaufzeit etwa gilt zwar als sicher, bringt aber nur eine Rendite von null Prozent.

Fazit: Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, muss auf Rendite (eben ganz) verzichten. Aber warum dann noch anlegen?

Garantieprodukte

Mitte der Nuller Jahre waren für viele Anleger Garantieprodukte das Mittel der Wahl. Der Anbieter garantiert in diesem Fall zum Beispiel für einen Fonds (oder ein Zertifikat) den Kapitalerhalt nach einer bestimmten Haltedauer oder zu einem bestimmten Zeitpunkt und verspricht gleichzeitig die Teilhabe an guten Börsenphasen. Leider erwiesen sich die meisten dieser Produkte als sehr renditeschwach. Am Aufschwung ab 2003 konnten Garantiefonds kaum oder gar nicht partizipieren.  Das Problem: Garantieversprechen zwingen Anbieter dazu, den Großteil des Vermögens in sicheren aber renditeschwachen Wertpapieren zu halten. Wenn es dann an Aktienbörsen bergauf geht, bewegt sich der Garantiefonds kaum. In der Konsequenz gibt es momentan kaum noch neue Angebote.

Fazit: Garantieprodukte bleiben garantiert renditeschwach.

Absolute-Return-Fonds

Ähnlich erging es vielen der sogenannten Absolute-Return-Fonds: Deren Anbieter sprechen zwar keine förmliche Garantie aus, versuchen aber, über die flexible Steuerung des Risikos im Fonds ein Abgleiten in negative Performancebereiche zu verhindern. Im Schulbuchfall gehen Absolute-Return-Fonds in einem Jahr nur solche (Aktien-)Wetten ein, deren mögliche Verluste durch die Erträge der sicheren Anlagen im Fonds abgedeckt sind. In den Krisen 2008 oder auch 2011 zeigte sich allerdings, dass viele der Produkte zu riskant angelegt hatten. Sie bescherten den Anlegern hohe, manchmal zweistellige, Verluste.

Fazit: Viele Fondsmanager geben an, einem Absolute Return Ansatz zu folgen. Ob das stimmt und wie gut die Strategie ist, zeigt sich aber leider immer erst im Krisenfall.

Aktive Timing

Das bei weitem am häufigsten angewandte Verfahren, mit Unsicherheit umzugehen, dürfte das Aktive Timing sein. Hierbei versucht der Anleger, schlechten Börsenphasen durch geschicktes Kaufen und Verkaufen auszuweichen. Leider ist die Erfolgswahrscheinlichkeit des Timings in Finanzmärkten eher gering. Häufig geraten Anleger sogar in eine fatale Prozyklik, wenn sie Erfolgsaktien nach einem Kursanstieg  (also zu hohen Kursen) kaufen und umgekehrt in der Krise, also zu niedrigen Kursen, verkaufen. Nicht unerheblich schlagen bei diesen Strategien auch die Transaktionskosten, also die  Kauf- und Verkaufsgebühren, zu Buche.

Fazit: Nach den meisten bekannten Studien ist aktives Timing keine brauchbare Sicherheitsstrategie. Zu häufig laufen die Anleger (und bei weitem nicht nur die privaten) dem Markt nicht voraus, sondern nur hinterher.

Multi Asset Investing

Theoretisch ist wohl eindeutig das Multi Asset Investing die beste Methode, mit Risiken umzugehen. Die Idee ist, durch möglichst weitgehende Streuung des Vermögens auf riskante, aber sich unabhängig voneinander entwickelnde Wertpapiere Risiken weg zu diversifizieren. Diese Methode (bekannt als Portfolio-Optimierung) geht auf Nobelpreisträger Harry Markowitz zurück und nimmt für sich in Anspruch, Sicherheit kostenfrei zu erhöhen. Was in der Theorie überzeugend klingt, ist in der Wirklichkeit allerdings nur schwer umsetzbar. In Krisen, das mussten Anleger lernen, rauschten plötzlich viele Wertpapiere, die vorher kaum gemeinsamen Berührungspunkte hatten, geschlossen in die Tiefe. Nur wenigen Anlegern gelingt es, wirklich unabhängige Risiken zu finden.

Fazit: Das Prinzip „Nicht alle Eier in einen Korb legen“ ist so abgegriffen wie wahr – aber leider gelingt die hinreichende Umsetzung nur wenigen.

Sicherungsstrategien, das zeigt schon dieser kursorische Überblick, haben ihre Tücken. Manche sind schwer umsetzbar, andere kosten zu viel Performance und wieder andere machen das Depot nicht sicherer. In der Praxis führt wohl nur eine Mischung der verschiedenen Strategien zum Erfolg. Wir präferieren mit Blick auf die Stärken und Schwächen der einzelnen Strategien eine eher passive Strategie, bei der Wertpapiere mit sich ergänzenden Eigenschaften kombiniert werden.

Der amerikanische Investor Michael O’Higgins etwa propagiert eine Depotzusammensetzung, die in den vergangenen 35 Jahren Krisen weitgehend trotzen konnte und dennoch überdurchschnittliche Erträge brachte.  Sein MOAR (Michael O’Higgins Absolute Return) genanntes, regelbasiertes Konzept besteht zu je einem Viertel aus kurzfristigen Renten, langfristigen Renten, aus Aktien und aus Edelmetallen.