VermögensaufbauDax im Höhenrausch

Der Rekordlauf des Dax nimmt immer steilere Ausmaße an: Während der deutsche Leitindex von der 10.000- bis zur 11.000-Punkte-Marke mehr als acht Monate brauchte, schaffte er den nächsten Tausender in gut vier Wochen. Sein aktuelles Allzeithoch markierte er mit 12.219 Zählern pünktlich zum „Tag der Aktie“ am 16. März. Mit der Initiative will sich die Deutsche Börse für eine bessere Aktienkultur stark machen. Im Rahmen der Aktion konnten Privatanleger an diesem Handelstag bei zahlreichen Direktbanken alle Dax-30-Aktien und ausgewählte Dax-30-ETFs ohne Gebühren handeln.

Aktionen dieser Art sind dringend nötig. Denn die Zahl der Aktienbesitzer ging auch 2014 laut Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) drastisch zurück. Sie sank um eine halbe Million auf nur noch 8,4 Millionen. Das entspricht einem Anteil von 13,1 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre. Und trotz der Dax-Rallye kehren die Anleger nur zaghaft zurück. Immerhin: Laut der Monatsstatistik des deutschen Fondsverbands BVI verzeichneten Publikumsfonds im Januar 2015 mit 8,9 Mrd. Euro den absatzstärksten Monat seit Anfang 2007. Reine Aktienfonds sammelten netto 2,4 Mrd. Euro ein.

Die mangelnde Akzeptanz von Aktien ist in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet. Denn die horrenden Verluste nach dem Platzen der Spekulationsblase im Jahr 2000 haben sich ins Gedächtnis eingebrannt. Der damalige Niedergang ist wohl der Hauptgrund dafür, dass die Börse und die Deutschen bis heute nicht zusammengefunden haben. Dabei sind die Argumente für Aktien überwältigend. Seit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), bis September 2016 für 1140 Mrd. Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere aufkaufen zu wollen, kennen die Kurse kein Halten mehr. Gleichzeitig sinken die Renditeniveaus am Anleihemarkt von Tief zu Tief: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren inzwischen nur noch mit circa 0,2 Prozent. Rund 30 Prozent der Staatsanleihen in der Eurozone haben bereits negative Renditen. Diese Zahlen sprechen eigentlich eine deutliche Sprache.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Angst vor dem Absturz

Doch statt bei Aktien zuzugreifen, befürchten viele Anleger eine Korrektur. Auch dafür gibt es gute Argumente. Schließlich befindet sich der Bullenmarkt nun schon im siebten Jahr. Genauer gesagt sind es etwas mehr als 72 Monate – eine längere Hausse gab es in der Geschichte des Dax noch nie. Doch was könnte der Auslöser für einen Rücksetzer sein? Die politischen Hauptbelastungsfaktoren der vergangenen Wochen und Monate – Ukraine und Griechenland – schweben zwar weiterhin wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Doch bislang haben die Krisen auch nicht verhindert, dass der Dax immer wieder auf neue Höchststände geklettert ist.

Auch die sich andeutende Zinswende in den USA muss noch nicht das Ende des Börsenaufschwungs bedeuten. Die Analysten von Sal. Oppenheim haben errechnet, dass sich Aktien selbst in Zinsanstiegsphasen positiv entwickelten. „Insgesamt zeigt die historische Analyse, dass Aktionäre eine Zinswende nicht fürchten müssen – zumindest nicht, solange die Konjunkturerwartungen positiv bleiben“, so die Experten. Das dürfte vorerst der Fall sein. Denn die Prognosen für die deutsche Konjunktur sind freundlich. Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) etwa hält für 2015 ein BIP-Plus von 2,0 Prozent für möglich: „Auch wenn das Expansionstempo im weiteren Jahresverlauf wieder etwas abflacht, sprechen günstige Rahmenbedingungen wie gesunkene Energiekosten und sehr niedrige Finanzierungskosten für eine gute Konjunktur in den Jahren 2015 und 2016.“

Auch aus Bewertungsgesichtspunkten muss das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beispielsweise – die bekannteste und wichtigste Kennzahl in der fundamentalen Aktienanalyse – beträgt auf Basis der Analysten-Gewinnprognosen für das laufende Jahr durchschnittlich etwa 15,5. Damit liegt das KGV nur geringfügig höher als im langjährigen Mittel. Im Februar 2000 war das Index-KGV kurzzeitig auf über 30 angeschwollen. Ähnlich positiv fallen die Vergleiche bei anderen Kennzahlen wie etwa dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) aus. Der Buchwert gibt Aufschluss darüber, wie viel Substanz in Form von Eigenkapital in den Unternehmen steckt. Das KBV stellt die Relation zur Börsenbewertung her und zeigt an, welcher Anteil dieser Werthaltigkeit durch die Marktkapitalisierung abgedeckt ist. Das aktuelle Dax-KBV von rund zwei liegt nicht allzu weit vom historischen Mittel von gut 1,7 entfernt. Im Aktienboom zur Jahrtausendwende zahlten Anleger für Dax-Papiere im Schnitt sogar mehr als den dreifachen Buchwert.

Keine Anzeichen für ein Ende der Hausse

Die durchschnittliche Dax-Dividendenrendite von derzeit rund 2,3 Prozent liegt ebenfalls nicht allzu weit vom historischen Mittelwert entfernt. Selbst wenn sich der Dax noch einmal verdoppeln sollte, können Anleger mit Dax-Aktien immer noch einen um fast sechs Mal höheren Ertrag erzielen als mit Bundesanleihen. „Natürlich kann man Dividenden- und Anleiherenditen wegen des unterschiedlichen Risikoprofils nicht vollständig miteinander vergleichen“, konstatieren die Experten der DZ Bank. Denn grundsätzlich sind Aktien viel schwankungsanfälliger als Bonds, da sie dem positiven und negativen Geschäftsverlauf eines Unternehmens viel stärker folgen. „Jedoch erscheint besonders aktuell ein Vergleich interessanter als je zuvor. Da Investoren inzwischen auch bei Anleihen deutlich höhere Risiken akzeptieren müssen, um erträgliche Renditen zu erhalten und mittelfristig zudem bei Anleihen Kursverluste drohen, hat sich das Chance-/Risiko-Verhältnis in Richtung Aktien verbessert“, so die Experten.

Nicht zuletzt deshalb dürfte die DZ Bank ihr Dax-Kursziel von 9500 auf 12500 angehoben haben, wenngleich Analyst Christian Kahler vor einer Übertreibung warnt: „Wie weit diese gehen kann, hängt im Wesentlichen von der EZB ab“, so der Analyst. „Sollte das positive Umfeld der letzten Tage jedoch anhalten, sind kurzfristig auch deutlich höhere Kurswerte möglich.“