Vorsorge Das letzte Geleit planen

Bestattungen in einem Friedwald erfreuen sich wachsender Beliebtheit
Bestattungen in einem Friedwald erfreuen sich wachsender Beliebtheit
© IMAGO / CHROMORANGE
Ob Feuerbestattung oder ein Begräbnis im Wald – viele Deutsche haben eine konkrete Vorstellung von ihrer eigenen Bestattung. Wer die Last von den Schultern seiner Angehörigen nehmen möchte, kann frühzeitig Vorsorge treffen

Die Urne auf dem Kaminsims, die Asche des Vaters, die in einer feierlichen Zeremonie von einem Boot aus auf dem offenen Meer verstreut wird – solche Szenen kennen wir in erster Linie aus Hollywoodfilmen. In Deutschland ist – anders als in den USA – über die Gesetzgebung der einzelnen Bundesländer sehr streng geregelt, wie Bestattungen abzulaufen haben. Doch auch hierzulande ist die Art des letzten Geleits Trends unterworfen. War früher die klassische Erdbestattung auf dem Friedhof der Standard, wurde sie vor Jahren von der Feuerbestattung abgelöst: 60 Prozent der Deutschen entscheiden sich für die Einäscherung mit anschließendem Urnenbegräbnis. Immer verbreiteter ist auch das Begräbnis im Wald, das ohne Grabstein und spätere Grabpflege auskommt. Anbieter wie Friedwald oder Ruheforst werben für ein individuelles Abschiednehmen inmitten der Natur. Ebenfalls naturnah ist die Seebestattung in Nord- oder Ostsee. Die Asche zu verstreuen, ist in Deutschland derweil in fast allen Bundesländern auf ausgewiesenen Flächen möglich – sogenannte Aschestreufelder.

Tatsächlich kann man mit den „moderneren“ Bestattungsarten oft sogar Geld sparen. Denn die traditionelle Erdbestattung ist mit durchschnittlich zwischen 7000 und 8000 Euro nach wie vor zumeist die teuerste Option. Für sie werden schließlich oft ein teurerer Sarg und ein Grabstein ausgewählt, zudem fallen Friedhofsgebühren an und auch die Pflege und Bepflanzung des Grabs verursachen über die Jahre für die Angehörigen Kosten. Zwar fallen bei der Feuerbestattung ähnliche Kostenpunkte an, allerdings sind die Friedhofsgebühren wegen der kleineren Grabstätte günstiger und auch mit dem Verbrennungssarg lässt sich sparen.

Kosten werden unterschätzt

So oder so: Mit mehreren Tausend Euro ist für Bestattung und Trauerfeier nach dem Ableben zu rechnen. Die Angehörigen sind dazu verpflichtet, für die Beisetzungskosten aufzukommen – wenn sich diese nicht aus dem Nachlass des Verstorbenen finanzieren lassen. Wer mit dem Gedanken „nach mir die Sintflut“ an die Sache herangeht, überlässt das also seinen Angehörigen. Andere setzen auf Verdrängung – immerhin ist der Gedanke an die eigene Sterblichkeit ein wenig erbauliches Thema. Dennoch haben sich knapp 80 Prozent der Deutschen laut einer Umfrage von Yougov im Auftrag des Lebensversicherers Dela aus dem Frühling 2021 schon mit dem eigenen Tod beschäftigt. Die Hälfte von ihnen hat bereits Vorstellungen davon, wie die eigene Trauerfeier auszusehen hat.

Vorstellungen allein reichen aber nicht. Nicht einmal jeder Fünfte hat entsprechende Vorkehrungen getroffen, dass die eigenen Wünsche auch tatsächlich umgesetzt werden. Hier rechtzeitig Vorsorge zu treffen, könnte trotz aller Schwere des Themas Last von den Schultern der Familie nehmen. Und es könnte eine realistischere Finanzplanung bewirken. Denn auch das hat die Studie ergeben: Der Großteil der Befragten geht von viel zu geringen Bestattungskosten zwischen 3000 und 5000 Euro aus.

Wünsche schriftlich festlegen

Sowohl was die Finanzen als auch was Art und Ablauf des Abschieds – beispielsweise Ort, Musik und Gästezahl – anbelangt, ist es also ratsam, frühzeitig Regelungen zu treffen und Familie und Freunde in die Überlegungen einzuweihen. Mit einer Bestattungsvorsorgevereinbarung kann man schriftlich festlegen, wie die Bestattung ablaufen soll. Sie kann von jedem – in der Regel kostenlos – bei einem Bestattungsunternehmen seiner Wahl aufgesetzt werden. Hier ist darauf zu achten, dass es um einen Anbieter der erwählten Bestattungsart handelt. Das gilt natürlich besonders, wenn es um exotischere Varianten wie beispielsweise eine See- oder eine Diamantbestattung, bei der ein Teil der Asche zu einem Diamanten gepresst wird, handelt. In einem solchen Vertrag lassen sich Details festzurren, um sicherzustellen, dass die Beisetzung nach den eigenen Wünschen erfolgt. Die Hinterbliebenen sind an diesen Vertrag gebunden. Natürlich gilt das nur insoweit, dass die Rücklagen des Verstorbenen für die Umsetzung ausreichen.

Eine weitere Vorsorgemöglichkeit ist die private Sterbegeldversicherung, die für hinterbliebene Angehörige die Bestattungskosten übernimmt. Der Versicherte zahlt für die Police monatlich, quartalsweise oder auf einen Schlag Summen ein, die einem Begünstigten im Todesfall des Versicherten ausgezahlt werden. Steuern fallen auf den ausgezahlten Betrag dann in der Regel nicht an. Wer eine solche Versicherung abschließen möchte, muss aber einige Dinge beachten. So bestehen zum Beispiel meist Anforderungen an das Lebensalter der Person: Wer bereits über 80 Jahre alt ist, wird es schwer haben, einen Vertrag zu bekommen. Zudem besteht eine Wartezeit, die Versicherung muss zum Todeszeitpunkt also je nach Anbieter bereits mehrere Monate oder Jahre bestanden haben. Ausnahmen gelten bei einem Unfalltod.

Auf welche Weise auch immer – Vorsorge zu treffen ist in diesem sensiblen Bereich ratsam. So müssen sich die trauernden Hinterbliebenen im Todesfall nicht erst um einen Bestatter, die Finanzplanung sowie die Vereinbarung der Modalitäten kümmern, was in den ohnehin schweren Zeiten die Zusatzbelastung nimmt. Ob es um eine hollywoodreife Bestattung geht oder um eine intime Feier im Kreise der engsten Angehörigen, spielt dabei kaum eine Rolle.

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