InvestorenlegendeWarren Buffett gibt sich optimistisch – und regelt seine Nachfolge

Warren Buffett hat seine Nachfolge geregelt. Der 90-Jährige will Greg Abel an die Spitze stellen.IMAGO / Xinhua

Es war ein dezidiert optimistisches Bild, das Investor Warren Buffett auf der diesjährigen virtuellen Jahreshauptversammlung seiner Holding Berkshire Hathaway von der aktuellen Lage der Wirtschaft zeichnete: Es sei „wie ein Kaufrausch“, die Leute hätten „Geld in der Tasche und sie zahlen höhere Preise.“ Im vergangenen Jahr stand Buffetts Holding wegen der Corona-Pandemie noch stark unter Druck – und dementsprechend gedämpft war die Stimmung auf der Hauptversammlung vor einem Jahr. Die massiven Maßnahmen von Zentralbank und Kongress aber hätten die Wirtschaft stärker belebt als vorhergesehen – 85 Prozent der Wirtschaft liefen auf Hochtouren, so Buffett.

Über Buffetts Auftritt am Samstag sagt Hendrik Leber, geschäftsführender Gesellschafter des Frankfurter Fondsanbieters Acatis und erklärter Buffett-Fan: „Das hat mir Spaß gemacht“ – ganz anders als vor einem Jahr. Damals sei auch noch nicht klar gewesen, „ob die Wirtschaft wirklich gerettet werden würde“, so Leber. „Dann wären seine Fluggesellschaften abgestürzt.“ Im Vergleich dazu habe Buffett in diesem Jahr eine „angriffig-optimistische“ Haltung gezeigt.

Berkshire verzeichnet Gewinnsprung

Die Buffett-Holding Berkshire Hathaway präsentierte hervorragende Ergebnisse für das erste Quartal. Der Gesamtumsatz des Unternehmens lag bei 64,6 Mrd. Dollar – und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Der Betriebsgewinn wurde auf 7 Mrd. Dollar gesteigert. Gleichzeitig führte das Unternehmen die Politik der Aktienrückkäufe auch im vergangenen Quartal weiter. Aktien im Wert von 6,6 Mrd. Dollar wurden zurückgekauft.

Berkshire Hathaway B Aktie

Berkshire Hathaway B Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

„Er hat sein Geld in Aktien investiert, die er kennt: seine eigene“, sagt Leber dazu. Das steigere den Wert der Papiere. Berkshire Hathaway sei ohnehin keine Verdoppler-Aktie, aber rund 10 Prozent seien sehr ordentlich, erklärt Leber. Buffetts Unternehmen lägen damit heute wieder im Takt. „Das Schritttempo ist gleichmäßig und ungestört.“

Trotz der Aktienrückkäufe stieg das Barvermögen von Berkshire Hathaway im ersten Quartal um rund fünf Prozent auf 145,4 Mrd. Dollar. Während viele Konzerne in der Krise ihre Reserven zusammenhalten müssen, besitzt Berkshire damit immer noch riesige Reserven.

Eisenbahnen ziehen

Viele der Tochterunternehmen von Berkshire Hathaway zeigten ebenfalls Anzeichen starker Erholung – besonders die Eisenbahnsparte BNSF, eine wichtige Säule von Buffetts Konzern. Durch das gestiegene Güteraufkommen legten die Umsätze zu. Zu Berkshire Hathaway gehören rund 90 Unternehmen, der Konzern hält Aktienpakete vieler börsennotierter Großkonzerne wie Apple, Coca-Cola oder Bank of America.

In normalen Zeiten gilt die Jahreshauptversammlung von Berkshire Hathaway als ein Pilgerort für Anhänger Buffetts. Zehntausende kommen nach Omaha, Nebraska. In diesem Jahr mussten sie wegen der Pandemie zuhause bleiben. Buffett gab sich optimistisch, dass sie im kommenden Jahr wieder zum „Woodstock der Kapitalisten“ reisen könnten.

Doch Buffett hatte auf der Hauptversammlung nicht ausschließlich gute Nachrichten parat: Durch das starke Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig niedrigen Zinsen erhöhten viele Unternehmen die Preise. Buffett warnte vor einer höheren Inflation „als man das vor sechs Monaten gedacht hat“.

Charlie Munger, langjähriger Freund und Geschäftspartner von Warren Buffett, konnte in diesem Jahr wieder an der Versammlung teilnehmen. Im vergangenen Jahr musste er aufgrund der Pandemie ebenfalls passen. Die beiden stellten sich den Fragen der Aktionäre – und Beobachter sahen die beiden Hochbetagten wieder auf der Höhe ihrer intellektuellen Fähigkeiten. „Munger und Buffett sind als Investoren nicht duplizierbar“, sagt auch Hendrik Leber. „Deren Qualitäten sind in der Weltgeschichte einmalig.“

Experten beobachten einen Wandel

Buffett habe so gut wie keine Pleiten zu verzeichnen gehabt, seit er 1965 die Geschicke von Berkshire Hathaway übernommen hat, so Leber. „1903, als Buffetts Vater geboren wurde, gab es in den USA rund 2000 Firmen, die Autos bauen wollten. Jeder wusste, das Auto ist die Zukunft.“ Trotzdem seien rund hundert Jahre später nur noch drei Konzerne übriggeblieben, „von denen auch welche gerettet werden mussten“. Buffett habe den Blick dafür, in die Dinge zu investieren, die blieben.

Doch der Experte beobachtet auch bei Buffett einen Wandel im Vergleich zu den vergangenen Jahren. „Viele seiner Firmen haben den Wandel hin zur Digitalisierung geschafft“, sagt Leber – Buffett, der sonst immer auf bodenständige Investments setzt, wirkt nicht mehr wie ein Technikverweigerer.

Auf der diesjährigen Hauptversammlung äußerte sich Buffett auch zu seiner Nachfolge – Greg Abel sei dafür vorgesehen. Von dem ist bisher in der Öffentlichkeit wenig zu sehen gewesen. Aber: „Der Verwaltungsrat ist sich einig, dass – sollte mir heute Abend etwas passieren – Greg am nächsten Morgen die Kontrolle übernehmen würde“, sagte Buffett. „Abel ist sehr gut“, sagt Leber. Er bringe Qualitäten mit, die nur wenige hätten. „Abel kann viel Geld bewegen, Angestellte managen und mit Behörden umgehen“, sagt er.

Able gilt schon lange als Nachfolger Buffetts. So offen darüber gesprochen hat Buffett darüber aber bisher noch nie. Es ist keine Überraschung, dass Buffett seine Nachfolge bereits geregelt hat. Mit 90 Jahren ist er der älteste CEO eines großen Konzerns. Abel sagte, dass er die Qualitäten von Buffett nicht ersetzen können werde, „er ist nicht der größte Investor, aber ein sehr guter Manager“, sagt auch Leber.

Zu einem aktuellen Trend äußerte sich Buffett skeptisch: Dass viele unerfahrene Anleger gerade bereitwillig spekulierten. Im Zentrum seiner Kritik: Apps wie Trade Republic. „Das ist ein Killer“, sagte er – es mach es Berkshire Hathaway schwieriger, Werte zu finden, in die man investieren könne. „Das wird nicht ewig so weitergehen“, sagte er – aber im Moment sei das Geld da und die Wall Street bewege sich dorthin, wo das Geld sei. Durch die Trading-Apps entstünden Preisverzerrungen an der Börse, außerdem erzeugten sie eine Atmosphäre wie im Casino.

 


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