ImmobilienSo funktioniert die Baufinanzierung im Alter

Symbolbild Baufinanzierung
Symbolbild BaufinanzierungGetty Images

Es ist noch gar nicht so lange her, da war es für Senioren in Deutschland fast unmöglich, einen Baukredit zu bekommen. Schuld war die sogenannte europäische Wohnimmobilienkreditrichtlinie (MCD), die im März 2016 in Kraft trat. Das Gesetz sah vor, dass ein Darlehen noch zu Lebzeiten vollständig getilgt sein sollte. Wer sich also mit 65 Jahren noch ein Haus oder eine Wohnung kaufen wollte, musste nach dem Willen des Gesetzgebers in spätestens 15 Jahren schuldenfrei sein. Allein die finanzielle Belastung war für viele Senioren kaum zu stemmen. Doch auch wer genügend Vermögen mitbrachte, stieß allzu oft gegen verschlossene Türen. Denn die Haftungsregeln waren so strikt, dass viele Banken lieber auf einen Kunden verzichteten, als sich Ärger einzuhandeln.

Seit vergangenem Jahr aber hat sich die Situation für Senioren deutlich verbessert. Im Mai 2018 traten neue Leitlinien für die Kreditvergabe bei Baudarlehen in Kraft. Nun dürfen Banken bei der Bonitätsprüfung die Tatsache berücksichtigen, dass der Wert der Immobilie die Kreditsumme übersteigt und dass der Immobilienwert steigen kann. Gilt es als wahrscheinlich, dass der Kreditnehmer seine Raten zu Lebzeiten pünktlich bezahlt, dann darf die Bank die Möglichkeit vernachlässigen, dass er vorzeitig verstirbt. „Es gibt zwar Banken, die nach wie vor eine Altersobergrenze für die Kreditvergabe festlegen, aber bei guter Bonität ist eine Neufinanzierung sehr häufig möglich“, sagt Heidi Brunke, Spezialistin für Baufinanzierung und Kreditvergabe beim Finanzdienstleister Dr. Klein.

Je älter der Darlehensnehmer, desto höher die Tilgung

Senioren als Kreditnehmer hätten für die Bank sogar einige Vorteile, erklärt die Expertin. So sei das Einkommen in den letzten Jahren des Berufslebens in der Regel höher als zu Beginn der Karriere. Zudem hätten ältere Menschen meist hohe Ersparnisse, die sie in die Finanzierung mit einbringen können. Das kann Geld aus Lebensversicherungen und anderen Kapitalanlagen sein, oder aber auch das Familienhaus, das zu groß geworden ist und durch eine altersgerechte Wohnung ersetzt werden soll. Vermögen dient nicht nur als Sicherheit für die Bank, auch der Kreditnehmer profitiert davon. „Wer bereits viel Eigenkapital angespart hat, erhält in der Regel günstige Konditionen von der Bank“, sagt Brunke.

Dennoch: Die Sorgen der Banken, dass eine Baufinanzierung im Alter nicht zurückgezahlt werden kann, sind nicht ganz unbegründet. Im Gegensatz zu jungen Menschen fehlt es Senioren nämlich schlicht an Zeit. Unabhängig vom Alter des Baufinanziers gilt nämlich: Bis zum Ruhestand sollte nur eine überschaubare Restschuld vorhanden sein. Bauherren und -käufer jenseits der 55 müssten daher einen gründlichen Kassensturz machen, raten Verbraucherschützer

Je älter der Darlehensnehmer, desto höher sollte er die anfängliche Tilgung ansetzen. Für Senioren sind außerdem flexible Darlehensbedingungen besonders wichtig. Variable Finanzierungen ermöglichen es älteren Menschen, den Löwenanteil des Darlehens vor dem Ruhestand zu tilgen. Nach Rentenbeginn kann der stolze Eigenheimbesitzer die Tilgung an das geringere Renteneinkommen anpassen. Dann steht einem sorgenfreien Lebensabend in den eigenen vier Wänden nichts mehr entgegen.

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