GeldanlageGeschlechtergleichheit im Portfolio

Auf einem Zettel steht das Wort MAN, das handschriftlich durch die Buchstaben WO ergänzt wurde: WOMAN
Geschlechtergleichheit in Unternehmen macht sich bezahlt - aber nicht unbedingt für AnlegerGetty Images

Gleiche Chancen für Männer und Frauen spielen bei institutionellen Investoren eine wachsende Rolle, zeigt eine Umfrage im Auftrag des britischen Fondsanbieters Columbia Threadneedle. Angeführt von großen US-Pensionseinrichtungen schauen immer mehr Profi-Anleger darauf, ob die Unternehmen, in die sie investieren, auch auf Geschlechtergleichheit achten. Sie versprechen sich von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis unter anderem eine verbesserte Entscheidungsfindung und mehr Innovationskraft.

Gemischte Führungsgremien sowie ethnische und kulturelle Vielfalt in der Belegschaft sollen Unternehmen auf lange Sicht besonders großen Geschäftserfolg sichern – und damit für steigende Aktienkurse sorgen. Studien deuten darauf hin, dass an dieser Theorie etwas dran ist. Bei Unternehmen mit gemischter Belegschaft sind überdurchschnittlich hohe Erträge um 35 Prozent wahrscheinlicher als bei Firmen, die über eine eher heterogene Mitarbeiterschar verfügen, zeigt eine Analyse von McKinsey. Bei US-Unternehmen hat die Beratungsgesellschaft zudem beobachtet: Wenn die ethnische Vielfalt im Managementteam um zehn Prozent steigt, klettert der Vorsteuergewinn um 0,8 Prozent.

Privatanleger können mit einer Handvoll Produkte in diverse oder geschlechtergerechte geführte Unternehmen investieren. So hat der französische Fondsanbieter Lyxor vor kurzem einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) aufgelegt, der die Gleichstellung von Männern und Frauen im Fokus hat. Der neue ETF basiert auf dem „Global Gender Equality Index“ des Indexanbieters Solactive. Das Marktbarometer habe den weltweiten Aktienindex MSCI World in den vergangenen sechs Jahren um rund elf Prozent übertroffen, wirbt Lyxor.

Gender-Index von der Börse Hannover

Der Kölner Fondsanbieter Ampega hat bereits im April 2015 einen aktiv verwalteten Fonds auf den Markt gebracht, der auf höhere Erträge dank Gleichstellung setzt. Der „Ampega GenderPlus Aktienfonds“ investiert in Aktien von Unternehmen, die im „German Gender Index“ der Börse Hannover gelistet sind. Der Index wurde im selben Monat lanciert wie der Ampega-Fonds und umfasst Aktien von 50 deutschen Unternehmen, die „das Leitbild einer hohen Gender-Diversität verfolgen“, wie es von der Börse Hannover heißt. Firmen, bei denen Vorstand und Aufsichtsrat paritätisch mit Männern und Frauen besetzt sind, haben im Index ein besonders großes Gewicht.

Letztlich unterscheidet sich das Gender-Marktbarometer nicht allzu sehr vom deutschen Leitindex Dax. In beiden Indizes sind beispielsweise Adidas, BMW, BASF und Continental vertreten. Kein Wunder also, dass sich der Ampega-Fonds zuletzt ähnlich entwickelt hat wie deutsche Standardwertefonds ohne Gender-Fokus. In den vergangenen zwölf Monaten legte er um 20,3 Prozent an Wert zu. Herkömmliche Deutschland-Aktienfonds erzielten im selben Zeitraum im Schnitt ein Plus von 23,2 Prozent.

Das Beispiel des Ampega-Fonds zeigt: Wer auf höhere Erträge allein durch Diversität und Gender-Gleichheit spekuliert, sollte keine zu hohen Erwartungen haben und braucht außerdem einen langen Atem. Ethnische Vielfalt und geschlechtergerechtes Management machen sich nicht über Nacht in den Aktienkursen bemerkbar, sondern sind strukturelle Änderungen, die sich – wenn überhaupt – nur auf lange Sicht in den Erträgen und an der Börse widerspiegeln. Gender- und Diversity-Fonds eignen sich damit höchstens als Beimischung.