1 Jahr TrumpYoungstown, im Land der Trump-Fans

Enge Freundschaft: Vor einem Jahr besuchte Trump in Youngstown seine treuesten Anhänger. Im Sommer 2017 schaute er erneut vorbei Picture Alliance

Bei den Republikanern riecht es nach Frittierfett und Puderzucker. Gegenüber dem Zelt der Partei gibt es Donuts, daneben stehen die Menschen Schlange vor der Bratwurstbude. Es ist Volksfest in Ohio, und die Republikaner sind neuerdings die Partei des Volkes hier. Es ist ein pausenloses Kommen und Gehen in dem Parteizelt, Menschen schütteln sich gegenseitig die Hände, klopfen auf Rücken, tragen sich auf E-Mail-Listen ein, verteilen Flyer, kaufen T-Shirts, Anstecknadeln und Kappen, auf denen steht: „Make America Great Again“. Das Sternenbanner flattert munter über dem Zeltdach.

Mark Munroe ist der örtliche Chef der Republikaner
Mark Munroe ist der örtliche Chef
der Republikaner (Foto: Ricky Rhodes)

Mark Munroe sitzt auf einem Plastikstuhl vor dem Eingang und begrüßt jeden, der kommt. „Komm rein, hier ist jeder willkommen“, sagt der Ortsverbandsvorsitzende. „Hast du schon unsere neuen T-Shirts -gesehen?“ Munroe hat eine bunte Sammlung mit Slogans im Angebot. „Trump 2020 – The Perfect Union“ steht auf dem einen, „I love Trump“ auf dem anderen. Auf dem nächsten ist ein grinsender, kleiner Comic-Trump zu sehen, der in hohem Bogen auf ein Logo des Nachrichtensenders CNN pinkelt. „Den mag ich am liebsten“, sagt Munroe.

Munroe ist seit Jahrzehnten Republikaner, und die längste Zeit davon war er ziemlich einsam mit seinem Parteibuch hier in Mahoning County im Bundesstaat Ohio. Mitten in seinem Wahlkreis liegt die Stadt Youngstown, einst das Herz der US-Stahlindustrie, nun das Zentrum des sogenannten Rostgürtels, des alten Industriegebiets im Nordosten der USA. Hier leben Menschen, die an Gewerkschaften, Arbeiterrechte und guten Lohn für harte Arbeit glauben und deren Väter und Mütter, Großväter und Großmütter schon die Demokratische Partei gewählt haben. Munroe konnte es selbst erst nicht so recht glauben, als diese Menschen plötzlich in seinem Parteibüro auftauchten und helfen wollten beim Wahlkampf für Trump. „So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen“, sagt der 67-Jährige. „Es ist eine Bewegung. Eine starke, unaufhaltsame Bewegung.“

Donald Trump hat diese Bewegung losgetreten. Viele der Menschen hier zögern, sich als Republikaner zu bezeichnen, obwohl sie die Partei gewählt haben. Sie nennen sich Trump-Anhänger, und es klingt ein wenig nach einer Religion, Trump ist ihr Messias. „Donald Trump ist genau, worauf wir hier gewartet haben“, sagt Munroe. „Er bringt endlich die Veränderung, die wir uns seit Ewigkeiten wünschen.“

Zeit für einen neuen Besuch

Capital hatte Youngstown und Trumps Anhänger vor einem Jahr besucht, kurz vor der Präsidentschaftswahl im November. Youngstown war eine Stadt, die seit Jahrzehnten im Niedergang steckte und in der die Menschen ihre Hoffnung verloren hatten. Alles Gute lag für sie in der Vergangenheit, vor der Zukunft hatten sie Angst. Bis Trump kam und ihnen neue Hoffnung gab. Jetzt ist ihr Mann seit einem Jahr im Weißen Haus. Zeit für einen neuen Besuch im zerrissenen Herzen der USA.

Die Bewegung ist stärker und lauter als vor einem Jahr. Die Lager haben sich nicht versöhnt. Der Konflikt, der die USA spaltet, löst sich nicht auf. Er wird schärfer.

Hier, außerhalb von Youngstowns Stadtgrenzen, in den weißen Mittelklassevororten des Wahlkreises, ist Trump-Land. Auch ein Jahr nach der großen Wahl. In manchen Vorgärten haben sie die Wahlschilder stecken lassen: „Trump 2016“ steht da in Großbuchstaben Weiß auf Blau. Es ist nicht mehr als Aufruf gemeint, sondern als Jubelschrei. In den Vororten wehen so viele Sternenbanner vor den Haustüren wie nie zuvor. Und ab und zu ist auch die Konföderiertenfahne zu sehen, einst Symbol der Südstaaten, inzwischen steht sie für viel mehr – für eine Rückkehr zum Amerika der Starken, der Eroberer und vor allem: der Weißen. Für viele Menschen hier in Ohio, einem Bundesstaat, der im Bürgerkrieg gegen die Konföderierten kämpfte, steht die Flagge für das Gleiche, was auf ihren roten Kappen steht: Make America Great Again.

Trump weiß, dass seine treuesten Anhänger in Ohio wohnen. Vor einem Jahr ist er extra angereist zu dem Volksfest in Canfield, einem der größten Vororte von Youngstown. Die Schwarzen nennen ihn „Clanfield“, „Clan“ wie in Ku-Klux-Klan. Weil hier so viele Weiße wohnen, die gern unter sich bleiben. Munroe war aufgeregt, seinen Kandidaten zu treffen. „Er stand genau hier, genau auf diesem Fleck“, sagt der Chef der Republikaner in Mahoning County. Die Leute haben Trump zugejubelt, alle wollten ein Autogramm oder ein Foto mit dem Kandidaten. Der Secret Service war nicht begeistert. „Es war unglaublich, so eine Menschenmenge haben wir hier noch nie gesehen“, sagt Munroe und klingt ein wenig wie sein Präsident selbst. „Die Massen gingen, so weit das Auge reichte“, sagt Munroe.