FinanzevolutionWo bleibt der Turbo für P2P‑Zahlungen?

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Stand-alone-Lösungen werden es schwer haben

Ob diese Anwendungen eine Chance haben, ist bislang nicht klar, denn viel Geld lässt sich derzeit damit vermutlich nicht verdienen. Und bei all der Begeisterung für die gefühlt schnelle Ausführung der Zahlung sollte nicht vergessen werden, dass eine Zahlung per P2P-App juristisch erst dann abgeschlossen ist, wenn das Geld über die mit der App verknüpften Bankkonten gewandert ist. Und das dauert selbst im SEPA-Zeitaltern dann doch noch ein bis drei Tage. Mit der Umsetzung von Instant Payment oder mit Hilfe der noch von der Praxisreife weit entfernten Blockchain Technologie wird sich das ändern.

Es dürfte interessant sein, wie sich das „Bezahlen unter Freunden“ per App entwickelt. N26, eines der ambitioniertesten Start-ups in Europa, hat gerade angekündigt, über seine App auch per Sprachsteuerung Geld an Freunde senden zu können. Bis 25 Euro ist dies ohne Pin oder Fingerabdruck möglich in dem man sagt: „Hey Siri, sende 14 Euro an Tina mit N26“ (mehr Details dazu auf „Gründerszene“). Auch hier werden also verschiedene vorhandene Technologiebausteine zu einer Evolution der Services verwendet.

Ob die Stand-alone-Lösungen eine Zukunft haben, ist zweifelhaft. Ich glaube nicht, dass Nutzer für jede Einzelfunktion eine eigene App aufklappen wollen. Für aussichtsreicher halte ich die Integration von P2P-Zahlungen in die oben bereits erwähnten Messenger-Apps, wie Facebook und Wechat.

„Trend der Stunde“

Und auch hier geht Facebook bereits einen Schritt weiter. Auf einer Veranstaltung im September in San Francisco hat das soziale Netzwerk angekündigt, dass künftig mit Chatbots per Facebook Messenger Zahlungen ausgeführt werden können. Chat bedeutet im Englischen plaudern und Bot ist die Kurzform für Robot. Chatbots sind Programme, mit dem man in natürlicher Sprache kommunizieren kann. Dennoch verspricht dieser „Trend der Stunde“ einen weiteren Bequemlichkeitsschub. Nutzer können über Chatbots, die etwa von Warenverkäufern in den Facebook Messenger integriert werden, Produkte bestellen und sofort bezahlen. Allerdings ist diese Technologie derzeit noch weit entfernt von der Marktreife.

Wer Bedenken bei der Identitätsprüfung hat, der wird sich vielleicht über neue Verfahren freuen. Dazu hat der chinesische Fintech-Riese Ant Financial, gerade das US-Start-up „EyeVerify“ gekauft. Die Software identifiziert anhand der Augen einer Person den rechtmäßigen Nutzer. Angeblich soll diese Form der Prüfung so sicher sein wie ein 50-Zeichen-Passwort.

Die hier umgerissenen und viele weitere Aktivitäten, übrigens auch einiger Bankengruppen, zeigen die Bemühungen, das P2P-Payment auch in Deutschland massentauglich zu machen. Für mich ist dabei nicht die Frage, ob das geschieht, sondern lediglich wann.