InterviewWirecard-CEO Markus Braun im Interview: „Der Markt ist embryonal“

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Tech-Unternehmen polarisieren oft. Nehmen Sie etwa Netflix. Auch Amazon hat die Gemüter entzweit. Ich treffe seit Jahren auf Road­shows Investoren, die bei einem Kurs von 4 Euro gesagt haben: Das ist mir zu teuer. Heute stehen wir bei 150 Euro. Ich kann nur sagen: Wir haben in den vergangenen zehn ­Jahren unseren Aktionären einen großen Gewinn gebracht.

Sie selbst sind durch den Aufstieg reich geworden, Ihr Anteil ist 1,4 Mrd. Euro wert. Wann nehmen Sie ein paar Chips vom Tisch?

Warum? Ich bin davon überzeugt, dass ich in einem der sich am besten entwickelnden Tech-Werte der nächsten zehn Jahre investiert bin. Und es macht mir großen Spaß. Ich halte ja sieben Prozent an Wirecard. Es ist ein großes Privileg, hier zu arbeiten, die Umwälzgeschwindigkeit ist hoch. Es tritt niemals diese Phase der Saturiertheit ein. Ich bin jetzt 49. Ich finde, das ist noch sehr jung.

Sind die Gewinne in der Firma wirklich besser aufgehoben als bei den Aktionären?

Wir sind ein Wachstumswert. Die Dividende steht nicht im Vordergrund. Wir sind mit unserem Cashbestand von mehr als 300 Mio. Euro über alle Fristen sehr zufrieden, aber unsere Nachricht an Aktionäre ist: Kauft uns dann, wenn ihr langfristig an unserer Wachstums­story partizipieren wollt, nicht für eine Dividende.

Wollen Sie das Geld für weitere Zukäufe nutzen?

Wir haben stark expandiert und sind jetzt auf allen fünf Kontinenten vertreten. Heute investieren wir lieber in Forschung und Entwicklung. In einem Wachstumsmarkt, der noch klein ist und stark durch ­Innovationen getrieben ist, kann man besser organisch wachsen.

Welcher Wettbewerber bereitet Ihnen Sorgen?

Wir respektieren viele und fürchten niemanden. Wir haben schon 2006 eine Bank übernommen, da haben klassische Payment-Anbieter nicht mal an eine Banklizenz gedacht. Wir sehen früh Trends und setzen sie selbstbewusst um. Aber wir sind keine Magier und keine ­Alchemisten.