#Kirchner PapersWir sind Steueroase

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Eine Win-win-win-Situation

Die Liste ließe sich fortsetzen: Auch ich bin ein Offshore-Steuertrickser. Mit meiner ganz normalen Riester-Rente profitiere ich direkt davon, dass sich Unternehmen winden, wie sie nur können, um ihre Steuerlast zu optimieren. Und der Staat fördert meinen Vermögensaufbau fürs Alter an diesen Unternehmen auch noch.

Kann man ihm das vorwerfen? Eher nicht. Die steuerliche Riester-Förderung ist zunächst eine Steuerstundung, im Alter muss ich die Auszahlungen versteuern. Je höher mein Vorsorgevermögen wächst, desto besser für mich, den Anbieter (er kassiert dann höhere Verwaltungsgebühren) und auch für den Staat, der vielleicht später mehr Steuern einnimmt, als er mir vorher erlässt.

Es ist eine Win-win-win-Situation mit einem Verlierer: Jenen Bürgern, in deren Ländern Unternehmen produzieren und die Infrastruktur nutzen, aber kaum Steuern zahlen.

Kann man meinem Anbieter, der Sparda-Bank, einen Vorwurf machen, oder der Union Investment? Auch das eher nicht. Zu keinem Zeitpunkt haben mir die Bank oder der Fondsanbieter in Aussicht gestellt, bei der Wertpapierauswahl Aktien von Unternehmen zu meiden, die besonders kreativ Steuern vermeiden. „Das Expertenteam von Union Investment analysiert ständig die internationalen Kapitalmärkte, um die für Sie optimale Mischung aus den aussichtsreichsten Aktien auszuwählen“, heißt es zum Fonds. Und das handhaben die meisten Gesellschaften so – mein Fonds ist nur einer unter Tausenden. Ich frage trotzdem bei Union Investment nach – doch weiter möchte sich die Fondsgesellschaft nicht äußern.

Aber wer weiß: Schlösse die Gesellschaft Aktien oder Anleihen von Unternehmen aus, die ihre Steuerlast so gut es geht drücken, wäre das Geschrei wohl groß, wenn der Wertzuwachs nicht stimmt und das Vermögen kaum vom Fleck kommt.

Und was ist mit mir? Wahrscheinlich habe ich anteilig mehr Geld in Steueroasen angelegt als die meisten Prominenten aus den „­Paradise Papers“. Kann man mir da­raus einen Vorwurf machen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls kann ich kaum behaupten, ich hätte davon nichts gewusst.