Podcast„Wir Einzelhändler brauchen eine Perspektive nach vorne!“

Breuninger-CEO Holger BleckerBreuninger

Der Frühling steht vor der Tür, und in den Geschäften stapelt sich die Winterware. Viele Einzelhändler stehen mit dem Rücken zur Wand – und wehren sich mit Klagen, während der Lockdown voraussichtlich mit moderaten Änderungen bis Ende März verlängert wird. „Wir brauchen endlich ein Konzept zur Öffnung und ein Konzept für ein Leben mit der Pandemie“, sagte Holger Blecker, Geschäftsführer der Kaufhauskette Breuninger, im Podcast „Die Stunde Null“. Man müsse raus „aus der Endlosspirale des Lockdowns“ und Perspektiven für den Handel schaffen.

Das 1881 gegründete Unternehmen Breuninger, das neben dem Stammsitz in Stuttgart zehn weitere Filialen in sechs Bundesländern betreibt, will die Öffnung seiner Geschäfte vor Gericht durchsetzen. Obwohl die Gerichte in Bayern und Baden-Württemberg die Klage bereits abgewiesen haben, zeigte sich Blecker, der das Unternehmen seit 2017 leitet, optimistisch: „Wir als Handel können gemeinsam darauf aufmerksam machen, dass es möglich ist, die Pandemiebekämpfung mit geöffneten Läden voranzutreiben.“

Bis auf das Kurzarbeitergeld hat Breuninger bisher keine Hilfen erhalten, da das Unternehmen zu groß für das Überbrückungsgeld ist. „Wir mussten bisher alle Verluste aus der Substanz tragen“, sagte Blecker. Breuninger habe, dank guter Jahre und Geschäfte vor Corona, zwar Rücklagen. „Aber die Einschränkungen sind ein tiefer Einschnitt in das Eigentumsrecht und die Berufsfreiheit.“

„Jeder Tag Lockdown verhindert ein Stück weit Investition in die Zukunft“

Holger Blecker

Die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern stehe auch bei Breuninger an oberster Stelle. Man habe viel investiert in Hygienekonzepte. Blecker verweist zudem auf die in diesen Tagen vorgelegte Studie des Robert-Koch-Instituts, wonach der Handel als Ort mit niedrigem Infektionsrisiko gilt.

Die traditionsreiche Kaufhauskette Breuninger, die dieses Jahr ihr 140-jähriges Bestehen feiert, beschäftigt knapp 5500 Mitarbeiter. Früher als andere Unternehmen erkannte Breuninger den Trend zum Online-Handel und startete bereits 2008 einen eigenen Online-Shop. Vor Corona machte das Familienunternehmen bereits 30 Prozent seines Umsatzes – der 2018 mit 900 Mio. Euro angegeben wurde – über digitale Kanäle. So gelang es, zumindest einen Teil der Umsatzverluste aus dem stationären Handel aufzufangen. „Doch jeder Tag Lockdown verhindert ein Stück weit Investition in die Zukunft“, sagte Blecker. „Wir haben die Ideen, wo wir hinwollen. Wir haben die Ressourcen, dorthin zu kommen. Wir würden das jetzt auch gerne wieder tun.“

Bedroht sieht er nicht nur den Einzelhandel, sondern die deutschen Innenstädte gesamt. „Wir müssen jetzt aktiv werden. Wir müssen die Innenstädte und die Arbeitsplätze schützen.“ Sonst werde es Schäden geben, die auf lange Zeit nicht mehr zurückzudrehen seien.

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • wie Breuninger in Coronazeiten den Kontakt zu seinen Mitarbeitern hält,
  • wie es das Unternehmen schafft, auch in Zeiten von Online-Shopping attraktiv für seine Kunden zu bleiben,
  • wie Breuninger sein 140-jähriges Bestehen feiert – Pandemie und Sorgen zum Trotz.

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