LesestoffWillkommen im Überfluss

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Larry Summers macht Druck

Der Anteil der Zinsausgaben am Bundeshaushalt sinkt allerdings spürbar: Am Ende der Bonner Zeit verschlangen sie fast jede sechste Mark, heute ist es nur noch jeder elfte Euro. Frische Kredite bekommt der deutsche Staat fast zum Nulltarif.

Ende Mai ist Larry Summers unterwegs in Deutschland. Der Harvard-Ökonom und frühere US-Finanzminister ist einer der einflussreichsten Ökonomen der Welt. Er redet in diesen Wochen viel über Wachstumsschwäche und Niedrigstzinsen. Auch Summers diagnostiziert ein chronisches Überangebot an Sparkapital.

Vor zwei Jahren hat er daher die alte These von der „säkularen Stagnation“ wieder aus den Archiven geholt und damit heftige Debatten ausgelöst. Dass Ersparnisse auch deshalb nicht mehr unterzubringen sind, weil solide Schuldner fehlen, liegt auf der Hand. Doch Summers macht speziell den Deutschen Druck: „Deutschland ist der Ground Zero der säkularen Stagnation“, sagt er. Per saldo verleihe das Land heute seine gesamte private Ersparnis ans Ausland. Und finanziere so den gigantischen Leistungsbilanzüberschuss, der von anderen aufgenommen werden müsse. Mehr Investitionen im eigenen Land seien nicht nur aus deutscher, sondern auch aus internationaler Sicht dringend nötig.

Schenken und Stiften

Und wenn hier gar nicht so viel sinnvoll investiert werden kann? Summers hat da noch eine Anregung: Vielleicht übertreiben wir es ja alle mit dem Tugendkult ums Sparen.

Alternativen hat GLS-Banker Werner Landwehr. Neben ihrem Spar- und Leihgeschäft organisiert die Bank auch das Schenken und Stiften. Die Rendite beschränkt sich dann zwar auf ein gutes Gefühl. Aber es ist eine gleichsam „geordnete Kapitalvernichtung“. Das ist für alle Beteiligten immer noch befriedigender als der Totalverlust in einer großen Überschuldungskrise.

Der Artikel ist zuerst in Capital 07/2015 erschienen.