NachfolgeWie Simba Dickie den Generationenwechsel meistert

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Parallel zu Michael Siebers Expansionsdrang entwickelte sich Simba Dickie zum Taktgeber für die großen Veränderungen im Spielzeuggeschäft, die bis heute nicht abreißen. Andere (Lego, Playmobil, Ravensburger) sind auf eine starke Marke oder eine Produktkategorie begrenzt. Sie können damit einen ganz anderen Wumms entwickeln, aber nicht immer so rasch wachsen, wie sie gern würden. Sieber übernahm hingegen eine Reihe mehr oder weniger notleidende Spielzeugmarken und baute sie aus. Für Mädchen, für Jungen, für drinnen, draußen, älter, jünger und natürlich für die verschiedensten Märkte hat er heute alles im Angebot. Damit sind die Siebers krisenfester als mancher Konkurrent. Jetzt war vielleicht, laut Michael Sieber, „das Ostergeschäft total im Arsch“, aber Outdoor-Spielzeuge für die Sommersaison laufen.

Florian Sieber musste mit 27 als Sanierer zu Märklin – eine Bewährungsprobe (Foto: S. Lock)

Zum Angebot gehören auch Modellautos , für die Männer mehrere Hundert Euro hinlegen. Vor sieben Jahren kaufte Sieber – außerhalb der Firma – den Spieleisenbahnbauer Märklin aus der Insolvenz.

Märklin wurde zur Bewährungsprobe für Florian Sieber. Als beim Zukauf kurzfristig der Chef abhandenkam, schickte Michael Sieber den damals 27-Jährigen als Sanierer nach Göppingen. Das brachte diesem, wie er heute berichtet „die ersten grauen Haare“. Es war eben eine undankbare Aufgabe in einem stark schrumpfenden Segment – doch Florian Sieber schaffte es einigermaßen. Märklin macht keine Verluste mehr und versucht unermüdlich, Kunden diesseits des Rentenalters für das Produkt zu gewinnen. „Wenn das in die Hose gegangen wäre, wäre es sehr schwierig geworden, ihn hier als meinen Nachfolger zu präsentieren“, sagt der Vater.

Sie haben sich die Zuständigkeiten klar aufgeteilt, der Senior verantwortet das Stammgeschäft Simba (für Mädchen), der Junior Dickie (für Jungen), ein drittes Geschäftsfeld liegt bei einem Vorstandskollegen. Neffe Felix Stork, 35, kümmert sich ums Marketing, Max, 37, der zweite Neffe, ums Produkt. Später soll auch noch ein dritter hinzutreten, ebenso wie Florians Bruder Kevin, 26.

Aber jetzt sehen sie sich alle ohnehin ständig in der Corona-Taskforce. Zwei Wochen lang haben sie zugemacht, 20, teilweise 30 Prozent Kurzarbeit, und wegen der KfW-Kredite führen sie laut Sieber auch Gespräche. Aber Vater wie Sohn sind entschlossen, auf Dauer größer aus der Krise zu kommen, auch wenn Spielzeugläden nun noch schneller zusammenbrechen und die Kunden weniger Geld für die Kleinen ausgeben sollten. Das entscheidende Weihnachtsgeschäft wird in diesen Tagen angeschoben, hier erwartet Florian mindestens zehn Prozent Einbruch gegenüber 2019.

Aber aufhören, abgeben, eine Lösung außerhalb der Familie liegt für die Siebers außerhalb des Diskutierbaren. Wenn es einmal gar nicht anders gehen sollte, dann höchstens mit einem Zusammenschluss unter Gleichberechtigten, sagt Michael Sieber. Schließlich gibt es genug potente Familienkonzerne wie Ravensburger in der Branche. Der Senior reißt die Fäuste nach oben.

Die Familie sei sich noch nie so nah gewesen, sagen sie unisono. Kein Wunder: Fast alle wohnen im selben Dorf, Dienstreisen fallen flach, „meine Frau erkennt mich nicht wieder“, witzelt Michael Sieber – der im Übrigen jetzt Opa Sieber ist: Vor einigen Wochen wurde Florians Sohn Robin geboren, und der wird früh erfahren, dass die Saga weitergehen muss.

Wenn nur der Opa bei den Vorsätzen bleibt. Dem fällt halt nicht viel ein, was er mit seiner Zeit machen soll, als in die Firma zu gehen. „Yacht hamma net“, sagt er, will sich aber keinesfalls als Asket verstanden wissen. „Uns geht’s gut, keine Missverständnisse“, sagt er. Er karriolt auch schon mal gern mit Rennwagen über Eispisten in Lappland, aber derlei organisieren sie am liebsten auch im Kreis dieser Großfamilie, der wohl schwer zu entkommen ist.

Es klingt bald wie ein Idyll aus drei Generationen auf dem Dorf, Unternehmertum aus dem Bilderbuch. Wären da nicht die Krise, der Druck, die Ungewissheit und Michael Siebers Versprechen, er wolle selbst noch auf die Umsatzmilliarde kommen. Kein Sieber lässt sich zurückwerfen. Der Alte kündigt an, er werde das erste Flugzeug besteigen, das nach der Krise nach Hongkong fliegt. Geschäfte machen. Es muss weitergehen.

 


Der Beitrag ist in Capital 06/2020 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay