WeltretterWie Re-nt die Modeindustrie verändern will

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Mieten statt kaufen – Ist das die Zukunft der Modeindustrie?Re-nt


Klimawandel, Armut, Flüchtlingskrisen: Die Welt ist voller Probleme. In einer Serie präsentiert Capital Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit – von smarten Köpfen und innovativen Unternehmungen. Diesmal: Re-nt


Das Problem:

Bis 2023 soll der Umsatz im Modemarkt um rund 2,3 Prozent pro Jahr anwachsen. Damit läge er dann bei einem Gesamtvolumen von nicht weniger als 70 Mrd. Euro. Denn im Durchschnitt kaufen deutsche Verbraucher derzeit etwa 57 Kleidungsstücke im Jahr. Laut einer Greenpeace-Studie werden diese allerdings nur etwa halb so lang getragen wie noch zu Beginn des neuen Jahrhunderts. Kaufen, tragen, wegwerfen – das ist der Lebenszyklus der meisten Modeartikel. Wenn die Trends wieder verschwinden, wandern rund 80 Prozent der weltweiten Ware am Ende im Restmüll. Nur ein geringer Teil wird tatsächlich recycelt.

Dieser enorme Konsum wirkt sich negativ auf unsere Umwelt und den Bestand wertvoller Ressourcen aus. Laut einer Studie der Ellen MacArthur Foundation wurden bereits im Jahr 2015 weltweit mehr als 1,2 Milliarden Tonnen CO2 bei der globalen Produktion von Textilien freigesetzt. Das übersteigt sogar die Gesamtemissionen aller internationalen Flüge und der Seeschifffahrt zusammen. Hinzukommen etwa 79 Milliarden Kubikmeter Wasserverbrauch und 98 Millionen Tonnen Erdöl pro Jahr (Stand 2015). Um diese klimaschädlichen Auswirkungen zu reduzieren, muss sich das Konsumverhalten ändern und die Lebensdauer von Kleidung verlängert werden.

Die Lösung:

Genau dieses Ziel hat sich Re-nt gesetzt. Um der Wegwerfgesellschaft entgegenzutreten, will das Berliner Start-up die Modeindustrie regenerativ gestalten und nach einem zirkulären Wirtschaftsmodell ausrichten. Dabei orientiert sich das Unternehmen an dem „Nutzen statt Besitzen“-Prinzip und hat eine Infrastruktur entwickelt, die es möglich macht, Mode online zu vermieten. Denn die gemeinschaftliche Nutzung von Modeartikeln schont natürliche Ressourcen. Über die Mietplattform von Re-nt können Kunden ein Abonnement abschließen, um Kleidungsstücke für einen bestimmten Zeitraum zu leihen.

Konsumenten erwerben dabei lediglich ein temporärers Nutzungsrecht, das Produkt selbst bleibt weiterhin Eigentum der Marke. Die Auswahl reicht von bekannten Labels wie Edited über Adidas bis zu Öko-Mode von Natascha von Hirschhausen und Designerware von Stella McCartney. Re-nt arbeitet nicht ausschließlich mit nachhaltigen Herstellern zusammen, denn das Start-up will bewusst die Nachhaltigkeitsstrategien großer Unternehmen unterstützen: „Mit unserem Konzept wollen wir Fast Fashion-Kunden erreichen und großen Labels beim Umdenken helfen. Deswegen knüpfen wir Partnerschaften mit Marken, die an einer nachhaltigen Entwicklung interessiert sind“, so Gründerin Robina von Stein. Dabei achtet Re-nt auch auf die Materialien, die in den Kreislauf gelangen: „Wir wählen Ware aus, die aus langlebigen und recycelbaren Rohstoffen besteht“, erzählt von Stein.

Individuelle Wünsche und Angaben der Kunden werden über einen detaillierten Fragebogen oder ein kurzes Telefonat, den sogenannten Stiling-Call, eingeholt. In Zukunft soll es einen Online-Shop geben, der auf den Daten der bisherigen Mieter basiert. Nach Ablauf der Mietzeit gehen Shirts, Jeans oder Accesoires wieder an Re-nt zurück, das sich um die Pflege der Kleidung kümmert. Wenn die Ware nicht mehr tragbar ist, wird sie re- oder upgecyclet – dafür kooperiert Re-nt mit verschiedenen Partnern der Recyclingindustrie. „Wir wollen den Konsumenten die Möglichkeit geben, das eigene Kaufverhalten nachhaltig auszurichten“, sagt von Stein.

Der Kopf dahinter:

Robina von Stein arbeitet schon seit mehreren Jahre in der Modebranche: „Ich war selbst lange Fast Fashion-Konsumentin und habe sehr impulsiv eingekauft. Irgendwann wurde mir das zu viel und ich habe recherchiert, welche anderen Lösungen es geben könnte“. Daraufhin gründet sie im Herbst 2018 Re-nt, um den ersten Schritt der Entwicklung von einer linearen in Richtung einer zirkulären Modezukunft zu gehen. Seit Anfang 2019 ist die Website nun online und ein sechsköpfiges Team aus Designern, Datenanalysten und Ökonomen arbeitet gemeinsam in Berlin-Kreuzberg an der Moderevolution. In Zukunft will Re-nt die Zusammenarbeit mit anderen Online-Shops ausweiten und Marken die eigene Technologie zur Verfügung stellen.