MittelstandWie Rantum Capital eine Nische in der Mittelstandsfinanzierung besetzt

Firmeninhaber Alexander Hinterkopf (l.) und sein Finanzpartner Michael Rogowski (r.)
Firmeninhaber Alexander Hinterkopf (l.) und sein Finanzpartner Michael Rogowski (r.)

Die erlösende Nachricht kam kurz vor Weihnachten 2012. Vorausgegangen waren ihr viele Treffen mit Bankern, Investoren und Beratern, doch zu keinem hatte Alexander Hinterkopf, heute 60 Jahre alt, Inhaber des mittelständischen Maschinenbauers Hinterkopf, Vertrauen gefasst.

Immer gab es mindestens ein No-Go, erzählt der schwäbische Unternehmer, ein Chef von der Sorte, der nach Besprechungen selbst die Stühle im Konferenzraum zurechtrückt und das Licht ausknipst. Mal forderten die Finanzinvestoren unbezahlbare Zinsen oder verlangten forsch die Mehrheit im Unternehmen, mal sollte der Inhaber unterschreiben, dass sein Kredit auch weiterverkauft werden könnte. „Das war alles nix“, sagt Hinterkopf. Auch seine Hausbanken drängten zum Teilverkauf, er aber wollte das Unternehmen in Familienhand halten. Schon in den 60er-Jahren hatten die Hinterkopfs begonnen, Tuben, Dosen und Flaschen herzustellen, heute bauen sie die Fertigungsstraßen dafür.

Als Hinterkopf die Hoffnung fast aufgegeben hatte, erzählte ihm ein Finanzberater, dass es da „etwas Neues“ gebe: Mittelständler, die Mittelständlern helfen, einen bankenunabhängigen Fonds. Hinterkopf meldete sich in Frankfurt bei Rantum Capital, benannt nach dem Sitz der legendären Sansibar auf Sylt. Dort hatte im Herbst 2012 eine illustre Runde früherer Manager und Unternehmer einen Mittelstandsfonds ins Leben gerufen. Alle Partner, so der Plan, sollten mindestens 100.000 Euro eigenes Geld einbringen, aktiv bei der Suche nach Investments helfen und Kreditnehmern als Berater zur Seite stehen. 125 Mio. Euro Eigenkapital wollte der Rantum Capital-Private Debt Fund I einsammeln.

Vorangetrieben hat die Idee der Investmentbanker Dirk Notheis, langjähriger Deutschland-Chef von Morgan Stanley, der seinen Posten 2012 im Zusammenhang mit der EnBW-Affäre räumen musste. Der Mittelstandsfonds war Notheis’ Comeback am Finanzplatz Deutschland. Er scharte Mitstreiter wie den früheren Metro-Chef Hans-Joachim Körber, Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold, Thomas Ebeling von Novartis, Lothar Steinebach von Henkel, Karl-Ludwig Kley von Merck um sich – klingende Namen mit Expertise für jede erdenkliche Branche. Jüngster Promizugang: Frank-Jürgen Weise, Ex-Chef der Bundesagentur für Arbeit.

Rantum Capital vergibt sogenannte Hybriddarlehen, auch Nachrangdarlehen genannt, weil die Investoren – Familienunternehmen, Versicherungen und Pensionsfonds, die mindestens 10 Mio. Euro anlegen – im Fall einer Insolvenz erst nach allen anderen Gläubigern Geld bekommen. In der Unternehmensbilanz gilt das Darlehen als Eigenkapital, fürs Finanzamt aber ist es Fremdkapital, womit die Zinsen als Betriebskosten geltend gemacht werden können. Der entscheidende Unterschied zu Beteiligungsgesellschaften (Private Equity): Der Finanzinvestor will nicht Miteigentümer werden und in Entscheidungen reinreden. „Der Unternehmer bleibt Herr im eigenen Hause und kann im Prinzip weitermachen wie bisher“, sagt Notheis. „Wir stehen mit Rat, Tat und Kapital zur Seite.“

Es war genau das, was Hinterkopf suchte. Für einen Börsengang oder den Verkauf von Mittelstandsanleihen war sein Unternehmen mit 40 Mio. Euro Umsatz zu klein, gleichzeitig wollte er den Familienbetrieb nicht aus der Hand geben. Es ist ein Dilemma, das viele kleinere Mittelständler gut kennen.

Ein paar Tage nach dem Anruf in Frankfurt tauchte Michael Rogowski bei Hinterkopf auf. Der frühere BDI-Chef und Ex-Leiter des Papiermaschinenbauers Voith, der 400.000 Euro in den Sylt-Fonds eingebracht hat, betreut für Rantum Capital Industriekunden – und wohnt nur ein paar Dörfer von Eislingen entfernt, dem Unternehmenssitz von Hinterkopf. In unscheinbaren Hallen konstruieren dort 160 Mitarbeiter Maschinen, meist ganze Fertigungsstraßen. Budweiser füllt sein Bier in Flaschen, die mit Hinterkopf-Technik gefertigt werden, Nivea seine Cremes, überall in der Welt stehen die schwäbischen Wundermaschinen.