KlimawandelKlimaschutz und die Wirtschaft: Wie misst man CO2?

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Statistische Ungenauigkeiten

„Mittlerweile bildet das deutsche Inventar die Realität schon sehr gut ab“, sagt Günther. Muss es auch, denn Deutschland wird kontrolliert. Jedes Jahr checkt ein Expertenteam des UN-Klimasekretariats die Zahlen von 43 Industrieländern: den sogenannten Annex-1-Staaten des Kyoto-Protokolls, die ihre Daten alle nach demselben Verfahren ermitteln wie Deutschland.

Wie aber funktioniert das in anderen Staaten, etwa in Afrika, die bestenfalls ein rudimentäres Statistikwesen haben?

Häufig funktioniere das nicht, sagt Günther, „weil Ressourcen und Kapazitäten fehlen“. Noch sind Entwicklungs- und Schwellenländer auch nicht verpflichtet, ihre Angaben kontrollieren zu lassen – selbst Emittenten wie China, das heute mindestens zwölfmal so viele Treibhausgase wie die Bundesrepublik ausstößt: Sie können Zahlen melden, ohne ihr genaues ­Zustandekommen offenzulegen. Erst ab 2024 müssen sich diese Staaten solch genauen Prüfungen stellen wie die Industrienationen.

„Wenn man den Treibhausgasausstoß der Welt bloß auf den Angaben dieser Länder errechnen würde, wäre die Zahl ungenau“, sagt Günther. Besser lassen sich die wahren Werte über andere Statistiken ermitteln: etwa denen der Internationalen Energieagentur zum Verbrauch fossiler Brennstoffe oder denen der Welternährungsorganisation über die landwirtschaftliche Produktion. Zwar beruhen auch diese auf Daten, die die Länder selbst melden – doch gelten die seit Jahrzehnten erhobenen Zahlen als zuverlässiger.

 


Das Interview ist in Capital 12/2019 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay