KlimawandelKlimaschutz und die Wirtschaft: Wie misst man CO2?

Seite: 2 von 3

Aktivitätsrate mal Emissionsfaktor

Stattdessen also wird der Treibhausgasausstoß berechnet. Entscheidend dabei sind immer ­jeweils zwei Werte: die Aktivitätsrate und der Emissionsfaktor. Die Aktivitätsrate beschreibt das Ausmaß eines bestimmten Emissionsvorgangs: Wie viel Kohle verfeuern Deutschlands Stromerzeuger in den Kraftwerken? Wie viele Kilometer fahren alle Fahrzeuge des Landes im Jahr? Der Emissionsfaktor gibt dazu an, wie hoch dabei die durchschnittlichen Emissionen sind – pro Tonne Kohle oder je Kilometer. Am Ende lautet die Formel schlicht: Aktivitätsrate mal Emissionsfaktor.

Doch hinter der scheinbar simplen Rechnung steckt ein Wust von Werten, die sich ständig verändern. Der Emissionsfaktor der deutschen Fahrzeugflotte etwa wird nicht nur durch die wachsende Zahl von Elektroautos bewegt, sondern vor allem von zwei gegenläufigen Trends: Einerseits sind Autos immer effizienter, sodass ihr Verbrauch im Verhältnis zur Leistung sinkt – andererseits aber fahren die Deutschen ­Autos mit immer mehr PS.

Rund 80 Prozent der Daten für die Aktivitätsraten beschafft sich das UBA aus amtlichen Statistiken, allen voran vom Statistischen Bundesamt. Über die verfeuerte Kohle etwa geben sie recht präzise Auskunft. Schwieriger wird es beim letzten Fünftel. Um an die Daten zu gelangen, geht das UBA oft Kooperationen ein, etwa mit Industrieverbänden – oder es beauftragt gleich Forschungsinstitute.

„Natürlich kann sich da mal ein Zahlendreher einschleichen“

Dirk Günther

„Wir müssen aufpassen, keine Emissionen zu übersehen“, sagt Günther. Eine solche „Fehlstelle“ beispielsweise, die die UBA-Leute vor ein paar Jahren entdeckten: ausrangierte Schallschutzscheiben. Die sind oft mit Schwefelhexaflourid gefüllt, einem Stoff mit der mehr als 23.000-fachen Klimawirkung von CO2. Landen die Scheiben auf dem Müll, entweicht das Gas in die Atmosphäre. Nun erfasst das UBA auch das im Emissionsinventar.

Die Daten werden nach Sechs-Augen-Prinzip eingegeben und immer wieder auf Plausibilität überprüft. Fehler seien nie ganz auszuschließen, sagt Günther: „Wir haben rund 50.000 Daten-Zeitreihen für jeweils mehr als 25 Jahre, das macht über 1,25 Millionen Felder. Natürlich kann sich da mal ein Zahlendreher einschleichen.“ Der werde aber früher oder später entdeckt.

Aus allen Daten macht das UBA schließlich die eine Zahl. Wie, das ist genau festgelegt im „Kochbuch“ – so nennt Günther die sieben Aktenordner in Regenbogenfarben im Regal. „IPCC Guidelines für National Greenhouse Inventories“ steht da­rauf: die Berechnungsrichtlinien des Weltklimarats. Günther schlägt den roten Ordner auf. Innen finden sich Hunderte eng beschriebene Blätter, die bis ins Detail die jeweils erlaubten Berechnungsmethoden erklären.