MarkenmomentWie Mey Bodywear Unterwäsche weiterentwickelt

2015: Das „Drunterhemd“ kommt auf den Markt – und wird zu einem UmsatztreiberPR

Die Idee für die Weltneuheit kam Matthias Mey beim Grillen. Der geschäftsführende Gesellschafter von Mey Bodywear saß mit einem befreundeten McKinsey-Berater im Garten, irgendwann drehte sich das Gespräch um T-Shirts. Ob es nicht möglich wäre, ein Shirt zu entwickeln, das auch bei geöffnetem Businesshemd nicht zu sehen sei, wollte Meys Freund wissen. Aus der Idee entstand 2015 ein neues Produkt des schwäbischen Wäschespezialisten: das „Drunterhemd“, ein Funktions­shirt aus atmungsaktivem Stoff und mit extratiefem V-Ausschnitt.

Für das Unternehmen sei das „Drunterhemd“ ein „Durchbruch“ gewesen, sagt Mey. Zwar macht die Familienfirma, die mit Damen­wäsche bekannt wurde, den größeren Teil ihres Umsatzes von zuletzt 103 Mio. Euro immer noch im Damenbereich. Doch der Anteil der Herrenwäsche liegt bereits bei rund 30 Prozent. Ein Zehntel davon erlöst Mey allein mit dem „Drunterhemd“.

Die Folge aus unserer Reihe Markenmoment ist in Capital 07/2020 erschienen

Ausgezahlt hat sich die Idee vom Grillabend für das Unternehmen aber nicht nur finanziell. Als Matthias Mey, der zuvor jahrelang für die Herrenmodemarke Windsor verantwortlich war, im Jahr 2014 bei der Firma seiner Familie übernahm, galt die weiße Unterwäsche von Mey zwar als hochwertig – aber auch als ziemlich bieder. Der Marke hätten damals „Emotionalität und Sexyness“ gefehlt, sagt Mey heute. „Mir war jedoch klar, dass die Marke ein viel größeres Potenzial hat.“

Seine Auffrischungskur für die Traditionsmarke begann Mey im Damenbereich mit einem neuen, besonders leichten BH – begleitet von einer Kampagne, mit der er die Marke verstärkt als Dessouslabel positionierte. Bis heute sei der ultra­leichte BH einer der Umsatztreiber, sagt der Firmenchef. Nach zehn Prozent Umsatzanteil 2014 sollten Dessous dieses Jahr laut der ursprünglichen Planung vor der Corona-Krise schon die Hälfte der Erlöse ausmachen.

„Wir konnten den Kunden unsere Flexibilität unter Beweis stellen und zeigen, dass wir unsere Textilien auch in Deutschland herstellen“

Matthias Mey

In anderen Bereichen baute Mey das Sortiment ebenfalls weiter aus: etwa mit einer modernen Nachtwäschelinie und einem Luxus-Sub­label für Herrenwäsche, mit dem die Marke nun auch in edlen Boutiquen präsent ist. „Ich wollte raus aus dem klassischen Wäschebereich“, sagt der Firmenchef. Auch bei der Nachtwäsche plant Mey neue Produkte.

Doch zuletzt wirbelte die Pandemie auch bei der Firma seiner Familie die Pläne durcheinander. So verkaufte Mey im Frühjahr ein Produkt, von dem er es nie gedacht hätte: Mund-Nase-Schutzmasken.

Im Zwei-Schicht-Betrieb nähte ein Teil der Mitarbeiterinnen zeitweise etwa 100.000 Masken pro Woche. Die Umstellung der Produktion sollte helfen, zumindest einen Teil der wegbrechenden Umsätze aufzufangen. Immerhin eine gute Sache habe die Lage, sagt Mey: „Wir konnten den Kunden unsere Flexibilität unter Beweis stellen und zeigen, dass wir unsere Textilien auch in Deutschland herstellen. Das können in unserer Branche nicht mehr viele.“ Nun hofft er, dass davon auch sein Stammgeschäft profitiert.

Unternehmen

Die Wurzeln von Mey reichen zurück ins Jahr 1928, als Franz Mey eine Wirkerei gründet. Nach dem Krieg spezialisiert sich sein Sohn Albrecht auf Damen­wäsche. Bis heute befindet sich die Firma mit Sitz im schwäbischen Albstadt und aktuell rund 1000 Mitarbeitern im Familienbesitz. 2019 überschritt der Umsatz erstmals die Marke von 100 Mio. Euro.

 


Der Beitrag ist in der Capital 05/2020 erschienen. Die Serie Markenmoment erscheint jeden Monat in Capital. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay