ExklusivBundeswehr nutzte Dienste von McKinsey häufiger als bekannt

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McKinsey-Partnerin Katrin Suder wechselte 2014 als Rüstungsstaatssekretürin ins Verteidigungsministerium. Aufträge an ihren früheren Arbeitgeber galten seither als heikel – nur wenige wurde öffentlich bekannt (Foto: dpa)

Auch für eine weitere Verbindung zwischen der IABG und McKinsey dürfte sich der Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Berateraffäre interessieren. In seiner von Wirtschaftsprüfern testierten und im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz für 2016 berichtete der IABG-Mutterkonzern von einer engen Kooperation mit der Beratungsfirma. In dem Geschäftsjahr seien im Hauptgeschäftsfeld Verteidigung mehrere „strategisch bedeutsame Projekte akquiriert“ worden, heißt es in dem Konzernabschluss – ausdrücklich genannt wird direkt danach ein „gemeinsam mit McKinsey gewonnener Rahmenvertrag“ zur Projektmanagemenunterstützung von Großprojekten.

Was sich hinter diesem Vertrag verbirgt, ist bislang unklar. Der Rahmenvertrag IT-Top-Management, bei dem die IABG und McKinsey als Nebenunternehmer zum Zuge gekommen sind, wurde erst im Februar 2017 ausgeschrieben – und hat auch nichts mit Großprojekten bei der Bundeswehr zu tun. Für genau diesen Zweck wurde zwar beim Beschaffungsamt im März 2017 ein großer Rahmenvertrag mit einem Volumen von bis zu 103 Mio. Euro abgeschlossen. Den Zuschlag erhalten haben bei diesem Vertrag allerdings unter anderem die Beratungsfirmen EY und KPMG. McKinsey hatte mit Partnern ein Angebot abgegeben, unterlag jedoch im Verfahren. Gibt es also noch einen weiteren Rahmenvertrag, der für Rüstungsprojekte genutzt werden kann?

Die IABG wollte sich auf Nachfrage zu dem in ihrer Bilanz erwähnten Rahmenvertrag sowie zu ihren Vertragsbeziehungen mit McKinsey unter Verweis auf Verschwiegenheitspflichten im Bereich Verteidigung nicht äußern. Das Verteidigungsministerium und McKinsey schlossen lediglich aus, dass mit dem genannten Rahmenvertrag das große Beratungspaket des Beschaffungsamtes gemeint sein könnte.

7,5 Mio. Umsatz – ohne Subaufträge

Auf konkrete Nachfragen zu den Unteraufträgen an McKinsey und zu den Projekten, an denen die Consultingfirma beteiligt war, wollte sich das Verteidigungsministerium ebenso wenig äußern wie zu den Auftragsvolumina. Ein Ministeriumssprecher verwies auf geschützte Betriebsgeheimnisse der beteiligten Firmen, daher könne man „keine Angaben zu Inhalt und Umfang etwaig bestehender Vertragsbeziehungen machen“. Grundsätzlich gelte, dass McKinsey ein „fachkundiges, leistungsfähiges und somit geeignetes Unternehmen für öffentliche Aufträge“ sei. Daher erfolge „weder eine Bevorzugung noch ein pauschaler Ausschluss vom Wettbewerb“.

Der McKinsey-Sprecher erklärte, das Unternehmen habe durch den Wechsel seiner früheren Partnerin Suder ins Verteidigungsministerium „keinerlei Vorteile“ erhalten. „Wir zählen nicht zu den führenden Beratern des Ministeriums.“ Die Praxis, Unteraufträge zu vergeben, sei im öffentlichen Sektor „üblich und vom Auftraggeber gewollt“, um eine breite Expertise sicherzustellen. Zudem würden Unteraufträge „grundsätzlich dem Auftraggeber bekannt gegeben und von diesem genehmigt“.

Zu den Umsätzen von McKinsey mit Projekten bei der Bundeswehr wollte der Sprecher auf Nachfrage keine Angaben machen. Offen ließ er auch, ob es auch mit anderen Partnern als der IABG ähnliche Kooperationen gab. Der Unternehmenssprecher verwies lediglich auf frühere Aussagen des Wehrressorts, wonach nur rund fünf Prozent seines Beratungsbudgets an McKinsey gegangen seien.

Angesichts der bisherigen Informationspolitik von von der Leyens Ministerium gegenüber Parlament und Öffentlichkeit stellt sich allerdings die Frage, wie aussagekräftig diese Aussage tatsächlich ist. Zuletzt hatte die Bundesregierung die Zahlungen des Wehrressorts an McKinsey auf Nachfrage im Bundestag Ende Dezember auf „rund 7,5 Mio. Euro“ beziffert. Allerdings seien bei dieser Summe keine Unteraufträge berücksichtigt. Denn dazu lägen „keine Zusammenstellungen“ vor.