BerateraffäreWie McKinsey bei der Bundeswehr Millionen verdiente

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Aufträge für McKinsey-Tochter

Nachdem von der Leyen Ende 2013 das Kommando bei der Truppe übernommen hatte, definierte sie drei neue Rüstungsprojekte als politisch besonders brisant: die Eurodrohne, das Kriegsschiff MKS 180 und das Raketenabwehrsystem Meads. Die milliardenschweren Entwicklungsprogramme waren die ersten, für die von der Leyen selbst geradestehen musste, wenn die Kosten explodieren – und nicht mehr ihre Vorgänger.

Bei allen drei Projekten sollte deshalb erstmals die ambitionierte Reform des verkrusteten Rüstungsapparats greifen. Die hatte von der Leyens Vertraute Suder maßgeblich entworfen und sollte sie gegen alle Widerstände durchsetzen. Im Frühjahr 2016 wurde im Beschaffungsamt der Bundeswehr in Koblenz eine Sonderorganisation für die drei Projekte eingerichtet. Unterstellt wurde sie dem nationalen Rüstungsbeauftragten Gundbert Scherf, den Suder von McKinsey mit in den Bendlerblock gebracht hatte.

Natürlich durfte bei diesen Projekten die IABG nicht fehlen. Im Fall der Eurodrohne, an der auch Frankreich, Italien und Spanien beteiligt sind, beauftragte das Beschaffungsamt die IABG im August 2016. In der Frühphase des Projekts sollte die Firma unter anderem technische Fragen untersuchen und Kostenschätzungen liefern. Der Auftrag mit einem Volumen von rund 5 Mio. Euro wurde angeblich mangels alternativer Dienstleister nicht per Ausschreibung vergeben, sondern in direkten Verhandlungen – obwohl die IABG schon am krachend gescheiterten Vorgängerprojekt Euro Hawk beteiligt gewesen war.

Ende 2016 heuerte die IABG dann McKinsey als Subunternehmer an – nach Darstellung der Beratungsfirma, nachdem die IABG sie „zur Abgabe eines Angebots“ aufgefordert hatte. Die Beteiligung der Berater blieb geheim. Selbst als Abgeordnete vor Beginn der Berateraffäre gezielt nach Aufträgen und Unteraufträgen an McKinsey fragten, verschwieg das Ministerium ihre Rolle. Erwähnt wurde nur ein einziger Subauftrag im Jahr 2015.

Auch zu einem weiteren Unterauftrag im Jahr 2016 kam McKinsey über die IABG. Weil viele Hubschrauber nicht einsatzfähig waren, hatte von der Leyen und Suder eine „Task Force Drehflügler“ einberufen – und dafür auch die IABG geholt. Insgesamt flossen allein für dieses Projekt knapp 12 Mio. Euro an die IABG.

Bereits im November 2018 räumte das Wehrressort im „Spiegel“ ein, dass bei dem Projekt von 2016 bis 2018 als Subunternehmer auch McKinsey involviert war. Was das Ministerium dagegen nicht erwähnte: Neben McKinsey heuerte die IABG eine weitere Firma als Unterauftragnehmer an – die Hamburger Beratung Lumics, die darauf spezialisiert ist, Instandhaltungsprozesse bei Verkehrsflugzeugen zu optimieren. Eigentümer von Lumics zu je 50 Prozent: Lufthansa Technik und McKinsey.

Insider berichten, Suder habe darauf gedrungen, bei dem Projekt Berater einzuschalten – offenbar auch, um der IABG, die seit Jahren mit dem Rüstungsapparat verbandelt ist, auf die Finger zu schauen. Darüber hinaus wurde Lumics in einem anderen Fall direkt für die Bundeswehr aktiv, wie die Firma auf Anfrage bestätigte. Dabei habe es sich um ein Optimierungsprojekt an einem Bundeswehrstandort gehandelt. Das Ministerium wollte die Vorgänge nicht kommentieren, da sie Betriebsgeheimnisse berührten.