FinanzevolutionWie man ein Finanz-Start-up gründet

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Intensive Teamarbeit

Als Hilfestellung erhielten die Gruppen ein Schema, an dem sie sich orientieren konnten. Es enthielt die wichtigsten Schlüsselpunkte, für die sich auch potenzielle Geldgeber interessieren. So sollten Gründer etwa wissen, welches Kernproblem denn eigentlich die neue Geschäftsidee lösen will und welche Besonderheiten die Idee auszeichnet. Und natürlich sollten sich die Gründer in spe mit ihrer Zielgruppe beschäftigen. Dazu wurde auch geraten, Kurzumfragen auf der Straße durchzuführen. Bis in den späten Samstagabend hinein feilten die Teams an ihren Ideen. Viele hörten erst auf als der Sicherheitsdienst die Räume schloss. 

Die Gruppenarbeit bot die Chance, die eigene Idee zu erweitern und zu schärfen. Juliane Wolff, im Hauptberuf Director Communications bei Lendico und in Frankfurt als Mentor aktiv, findet den hier beschrittenen Weg und viele Ideen sehr spannend. Sie ist beeindruckt, wie sich manche Teams in den Tagen weiterentwickelt haben. „Viele Gruppen funktionieren sehr gut. In manchen Teams machen sich aber auch Alphatiere das Leben gegenseitig schwer und halten sich eher auf und verlieren den Fokus.“ Und tatsächlich habe ich ebenfalls erlebt, dass zu große Teams sehr damit beschäftigt waren, aus unterschiedlichen Positionen einen Konsens zu finden.

Solche Veranstaltungen haben daher auch einen wichtigen pädagogischen Wert. Anne Zoppelt, PR-Verantwortliche bei Startup Germany und Mit-Organisatorin des Wochenendes, betont, dass es hier auch darum gehe, gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten und sich als Team zu finden. Über die Coaches sollen die Teilnehmer außerdem ein schnelles Feedback erhalten. Dabei helfen natürlich auch erfahrene Gründer, wie der Vaamo-Mitgründer Yassin Hankir, der mittlerweile an seiner neuen Idee Savedroid arbeitet. Hankir war ein gefragter Partner wohl auch, weil sich einige Ideen in die Richtung von Vaamo bewegten, ein im letzten Jahr gestartetes Unternehmen, dass die Geldanlage stark vereinfacht.

Gewonnen hat das Team „SchnellSpesen“

Gespräche mit Gründer-Veteranen wie Hankir zeigen aber auch, wie weit der Weg bis zu einer professionellen Gründung sein kann. Während Yassin Hankir bei seiner neuen Idee sogar daran denkt, den Firmennamen auf Tauglichkeit zu testen, fehlt es den Neulingen noch an derartigen Erfahrungen. Es kommt also nicht allein darauf an, eine gute Idee zu haben, wichtig ist ebenfalls sie professionell im Gründerteam und mit Partnern umzusetzen.

Zum Ende der Veranstaltung am Sonntagnachmittag nahm dann der Druck zu. Die Gruppen waren gehalten, ihre Ideen zusammenzufassen und sie einer Jury zu präsentieren. Wie viele Start-ups wirklich am Ende entstehen, bleibt abzuwarten. Der eine oder andere unter den Teilnehmern, der bereits berufstätig ist, stellte sich sicher die Frage, ob er bereit ist für den rauen Weg in die Selbständigkeit, seinen Job aufzugeben. Denn klar ist, dass längst nicht alle neuen Unternehmen am Markt bestehen bleiben oder es gar den erträumen Millionenexit gibt.

Gewonnen hat das Team „SchnellSpesen“ mit Tobias Kommerell, Dirk Friedenberger,  Osman Sacarcelik, Sebastian Bausch und André Leisten. Sie holten den Preis für das beste Geschäftsmodell. SchnellSpesen ist eine App mit dem Ziel, das digitale Abrechnungszeitalter voranzutreiben. Das Team will in den nächsten Wochen bereits potenzielle Kunden und Partner kontaktieren sowie den ersten Prototyp entwickeln. Einen eigenen Twitteraccount (@schnellspesen) gibt es schon.

Auffällig an dem Event war, dass unter den Sponsoring-Partnern keine Bank war. Auch einen Vertreter der Stadt Frankfurt habe ich nicht gesehen. In den verschiedenen Gesprächen wurde einmal mehr betont, wie London und die britische Regierung insbesondere Start-ups der digitalen Welt fördern. Hier wünscht man sich in Deutschland noch deutlich mehr Engagement. Ideen gibt es vermutlich auch in Deutschland genügend. Die Frage ist, reicht die Förderung von Start-ups in Deutschland? Stimmen die staatlichen Rahmenbedingungen und die Investitions- und Risikobereitschaft durch die Privatwirtschaft? Deutschland hat hier weiterhin erheblichen Nachholbedarf.