BaumarktHornbach will es jetzt auch mit Amazon aufnehmen

1968 öffnete in Bornheim in der Pfalz der erste Bau- und Gartenmarkt
1968 öffnete in Bornheim in der Pfalz der erste Bau- und GartenmarktThomas Pirot

Den Aufbruch ins Digitalzeitalter verkündet ein dicker, gelber Strich auf dem Boden. Er führt vom Eingang geradeaus, vorbei an Paletten mit Laminatböden, dann nach rechts in einen langen Gang. Links kreischt eine Kreissäge, rechts durchsuchen Männer in schwerer Montur kleine Plastikkästchen nach passenden Schrauben. Für alle, die sich in diesem Hornbach-Baumarkt in Bornheim in der Pfalz nicht so gut auskennen, erklären Großbuchstaben den gelben Strich auf dem Beton: „Abholung Online-Bestellungen“. Man muss ihm nur folgen.

„Wer bei uns im Netz bestellt und dann im Markt abholt, will ja absolut keine Zeit verlieren“, sagt Albrecht Hornbach, „der will rein und mit seiner Ware wieder raus.“ Dabei passt hektisches Wareneinsacken eigentlich nicht zum Image, das Hornbach sonst verbreitet. Das Unternehmen ist eine Legende, mit seinen Kampagnen sorgt die nach Umsatz Nummer drei auf dem deutschen Markt jedes Mal für Furore: nackte Männer, die sich in Sägespänen suhlen, verschwitzte Frauen, die Wände einreißen. Dazu Sprüche, die Kult wurden: Es gibt immer was zu tun. Bereue nichts. Liebe dein Zuhause, dann liebt es dich auch. Im Grunde, sagen Werber, hat Hornbach die Baumarktwerbung erfunden. Und lebt sie in seinen Märkten weiter aus.

Das Selbstbewusstsein, das aus solchen Auftritten spricht, ist das Ergebnis einer ungewöhnlichen Mischung: Die Tradition und Prinzipien einer Unternehmerfamilie haben sich bei Hornbach zusammengetan mit dem Expansionshunger einer Börsennotierung. Vor 50 Jahren öffnete in Bornheim der erste kombinierte Bau- und Gartenmarkt Europas, 4000 Quadratmeter groß. Das war damals eine Pionierleistung von Albrechts Vater Otmar. 1987 ging das Unternehmen an die Börse, heute betreibt der Konzern 157 Märkte in halb Europa. Und die Familie hält noch 37,5 Prozent der Anteile.

Andere Anbieter wie Obi oder Bauhaus haben zwar mehr Märkte, Hornbach aber führt die größten und rentabelsten Standorte der ganzen Branche. Und das Unternehmen wächst schneller als alle anderen.

Eine Theke gegen Amazon

Mit demselben Selbstbewusstsein, das hinter dem Marketing steckt, begegnet Hornbach nun der größten Herausforderung, die den gesamten Handel umtreibt: Wie antworten auf Amazon? Alles gibt es bei dem US-Konzern online, nicht selten günstiger als im Laden, nach Hause geliefert in wenigen Tagen. Auch Bohrmaschinen. Mehr als 9 Mrd. Euro setzt Amazon damit inzwischen in Deutschland um. Etablierte Händler, und seien sie noch so spezialisiert, kämpfen gegen den Abstieg.

Nur mit Onlineshop und Lieferservice würde Hornbach sein Heimwerkergeschäft kaum verteidigen, das war Albrecht und seinem Bruder Steffen, die das Unternehmen heute in fünfter Generation führen, schon vor zehn Jahren klar. Also nahmen sie Millionen in die Hand, um ein ganz neues Geschäft aufzubauen – und jeweils eine Palette Holzlatten für die Theken am Ende des gelben Pfeils in den Märkten: die Abholzentren für alle Dinge, die die Hornbach-Kunden im Netz bestellt haben, auf die sie aber nicht drei Tage warten wollen. Hinter der Theke in Bornheim öffnet sich eine Halle, bestimmt drei Stockwerke hoch. Hochregale, so weit das Auge reicht, darin Badezimmerschränke, Toiletten, stapelweise Fliesen, alles sauber auf Paletten verstaut. Gabelstapler düsen hin und her, holen Paletten herunter oder hieven sie in die Höhe.