KommentarWie Geld gemacht wird

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Banken im Krisenfall sanieren

Mit dem Verständnis dieses Prozesses können politische Entscheidungsträger Maßnahmen ergreifen, um künftige Bankenkrisen abzuwenden und Rezessionen im Anschluss an Krisen effektiver zu überwinden. Zunächst einmal sollten sie Bankkredite für Transaktionen einschränken, die nicht zum BIP beitragen.

Im Krisenfall sollten Zentralbanken zudem notleidende Vermögenswerte von Banken zum Nominalwert aufkaufen und die Bilanzen der Banken vollständig sanieren, die sich im Gegenzug verpflichten, ihre Kreditvergabe überwachen zu lassen. Da kein neues Geld in den Rest der Wirtschaft injiziert wird, kann dieser Prozess – den die US-Notenbank Federal Reserve im Jahr 2008 in Angriff genommen hat – keine Inflation erzeugen.

Um produktive Bankkredite zu fördern – und die Wirksamkeit der Fiskalpolitik zu erhöhen – sollten Regierungen keine Anleihen mehr ausgeben und stattdessen durch Darlehensverträge Kredite von Banken nehmen, die nicht selten zu niedrigeren Sätzen als die Anleiherenditen erhältlich sind. Auf diese Weise würde die Kreditvergabe der Banken gestärkt und Nachfrage, Beschäftigung, BIP und Steuereinnahmen gefördert.

Und schließlich sollte ein Netzwerk kleiner, nicht gewinnorientierter lokaler Banken aufgebaut werden, die allgemeine Bankdienstleistungen und Darlehen anbieten und insbesondere Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen – ähnlich dem System, das die wirtschaftliche Stärke und Widerstandsfähigkeit Deutschlands in den vergangenen 200 Jahren untermauert hat, nämlich das der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Eine derartige Initiative würde den Bankensektor robuster machen und darüber hinaus die Schaffung von Arbeitsplätzen pro Euro an Bankkrediten fördern. 

Geld aus dem Nichts

Multinationale Großbanken, die lange von der Auffassung profitiert haben, dass Volkswirtschaften zuerst Ersparnisse brauchen, um wachsen zu können, werden sich natürlich aller Voraussicht nach gegen derartige Reformen wehren. Diese Banken verkaufen seit Jahrzehnten „ausländische Ersparnisse“ an Entwicklungsländer, indem sie Kredite zu hohen Zinsen und in einer ausländischen Währung vergeben. Dies führte zum Verschuldungsproblem der nicht-industrialisierten Länder, wobei die Auslandsschulden oft und gerne in reale Vermögenswerte umgewandelt wurden. Anders ausgedrückt haben die internationalen Banken Kredite vergeben, die der Binnenwirtschaft kaum zugute kamen aber einheimische Mittel durch Zinsen und explodierende Fremdwährungsschulden abfließen ließen.

So wie die BRICS-Länder westlich geführten wirtschaftlichen Institutionen eine Absage erteilt haben, täten Entwicklungsländer gut daran, ausländische Banken abzuweisen und einheimische Finanzinstitute Geld für produktive Zwecke schöpfen zu lassen – denn die ausländischen Banken erfanden das Geld auch nur aus dem Nichts. Die Geschichte lehrt, dass erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung – wie in den USA, Deutschland, Japan und China – durch Kreditschöpfung im Inland für produktive Investitionen ermöglicht wurde.

Während der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre hat Michael Unterguggenberger, Bürgermeister des Städtchens Wörgl in Tirol, ein Experiment durchgeführt. Um die Arbeitslosigkeit zu verringern und dringend notwendige öffentliche Bauarbeiten durchführen zu können, heuerte er Arbeiter an, und quittierte ihnen die geleistete Arbeit. Mit ihren „Arbeitsbestätigungen“ konnten Gemeindesteuern beglichen werden, sowie immer mehr Einkäufe in lokalen Geschäften getätigt werden. Da geleistete Arbeit von der Gemeinde faktisch mit neuem Geld bezahlt wurde, blühte die lokale Wirtschaft auf.

Die Zentralbank hingegen war nicht erfreut und beschloss ihr Monopol auf die Währungsemission durchzusetzen: Unterguggenberger wurde gezwungen, die lokal geltende Währung abzuschaffen, was dazu führte, dass der Aufschwung endete und Wörgl erneut in die Depression fiel. Rund 80 Jahre später hat die britische Stadt Hull mit der Umsetzung eines ähnliches Vorhabens begonnen und nutzt eine digitale Crypto-Währung, die bislang nicht gesetzlich verboten ist.

Die zügellose Geldschöpfung durch private Großbanken hat eine enorme Instabilität erzeugt und das Grundprinzip untergraben, dass Geldschöpfung dem Wohl der Allgemeinheit dienen soll. Das muss nicht so sein. Durch die Einführung von Sicherungsmaßnahmen, die gewährleisten, dass Kredite produktiven und gemeinnützigen Zwecken dienen, können politische Entscheidungsträger schuldenfreies, stabiles und nachhaltiges Wirtschaftswachstum erzielen.

Aus dem Englischen von Sandra Pontow

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