KryptowährungWie Facebook die Digitalwährung Libra entwickelte

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Geheimoperation Libra

„Ich hoffe, dass es nicht zu chaotisch wird“, sagt Coinbase-Business Development Manager Jim Migdal, ein früherer Facebook-Mitarbeiter. „Ich bin zuversichtlich, dass sich die Dinge ändern werden, aber ich habe auch kein Allheilmittel.“

Trotz der anfänglichen Dynamik war die Moral bei Facebooks Blockchain-Mannschaft bis Anfang dieses Jahres gesunken. Viele seien sich nicht sicher gewesen, ob sich ihre Arbeit in etwas Konkretes verwandeln würde, so eine mit dem Projekt vertraute Person. Aber Libra habe ungefähr zu der Zeit grünes Licht erhalten, als Zuckerberg Ende Januar ein neues Bekenntnis zum Datenschutz formulierte, einschließlich seines Plans, die Messaging-Dienste seines App-Trios in ein verschlüsseltes System zu integrieren.

Zu diesem Zeitpunkt startete Facebook ernsthafte Verhandlungen mit anderen potenziellen Partnern. Absolute Vertraulichkeit mussten die Gesprächspartner versprechen. „Das Ganze war in Geheimhaltung gehüllt“, sagt Joshua Gans, Chefökonom des gemeinnützigen Start-up-Unternehmens Creative Destruction Lab, das bisher Libras einziger akademische Partner ist. Facebook machte aber ein wichtiges Zugeständnis: Nach dem Startschuss will das Soziale Netzwerk die Kontrolle über Libra aufgeben. „Das Erstaunliche ist, dass wir die gleiche Stimme bekommen wie alle anderen“, sagt Gans. „Für uns ist das ein Geschenk.“

Facebook will Libra in die Unabhängigkeit entlassen

Die Voraussetzungen für die Gründungsmitgliedschaft der Libra Association sind eine Mindestinvestition von 10 Mio. Dollar in Libra Investment Tokens und bestimmte Parameter, wie beispielsweise 1 Mrd. Dollar Marktwert oder eine Kundenreichweite von mindestens 20 Millionen Menschen. Im Gegenzug bietet der Einstieg die Möglichkeit, den Kurs des Verbunds, der noch keine Satzung hat, mitzugestalten. Außerdem gibt es verschiedene Anreize, um Verbraucher und Händler für Libra zu gewinnen.

Facebook verspricht, dass sich der Verbund im Laufe der Zeit unabhängig entwickeln könne – unabhängig nicht nur von dem Sozialen Netzwerk, sondern auch von den anderen Gründungsmitgliedern. Allerdings zeigt die von Libra veröffentlichte Dokumentation, dass Facebook „bis 2019 eine Führungsrolle einnehmen wird“, also behält es bis zum Start des Netzwerks im nächsten Jahr die Kontrolle.

Die Zahlungsdienstleister Visa und Mastercard gehörten zu den ersten Partnern, die angesprochen wurden, während andere wie etwa der Einzelhändler Farfetch oder Paypal, erst vor zwei Monaten hinzustießen. „Es ging schnell …. Diese Projekte erfordern, dass mehrere Personen gleichzeitig springen, was keine leichte Aufgabe ist“, sagt Farfetch Strategiechefin Stephanie Phair. „[Facebook] hat sich viele Gedanken darüber gemacht, wen sie mitnehmen wollen und wie sich die Plattform entwickeln soll.“