PandemieWie das Coronavirus in Asien erfolgreich bekämpft wird

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Achtungshinweise vor dem Virus auf Smartphones

Ein südkoreanisches Krankenhaus hat Coronavirus-Testeinrichtungen im Stil einer „Telefonzelle“ eingeführt, wo der direkte Kontakt des medizinischen Personals mit Patienten vermieden wird (Foto: Getty Images)

Noch allgegenwärtiger sind Warnungen, die auf den Bildschirmen von Smartphones aufpoppen, um die Öffentlichkeit über neue Infektionen in ihrer Umgebung zu informieren. Zweimal täglich werden Sendungen ausgestrahlt, in denen Gesundheitsbeamte die Maßnahmen zur Eindämmung aktualisieren. Der Schwerpunkt auf offener Kommunikation in Verbindung mit einem Online-System zur Nachverfolgung infizierter Personen war ein wichtiger Beitrag, die Verbreitung des Virus einzudämmen.

Und die Strategie scheint aufzugehen. Fassungslos reagierte Südkorea Ende Februar als eine Reihe von Fällen in Zusammenhang mit der Shincheonji-Kirchengemeinde, einer quasi christlichen Sekte, die Zahl der Infektionen innerhalb von zehn Tagen von unter 50 auf über 5000 ansteigen ließ. Inzwischen ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen – 270.000 Tests und unzählige Warnungen und Pressekonferenzen später – von mehr als 900 in der Spitze auf unter 100 zurückgegangen – wobei etwas mehr als 8200 Menschen als infiziert erfasst wurden.

Das heißt nicht, dass das Land über den Berg ist. Rund 100 Fälle, die in einem Callcenter in Seoul entdeckt wurden, lösten unter Beamten einen Streit über weitere Cluster aus. Doch der bisherige Erfolg zeigt, dass aus der Panik um eine kleinere Infektionswelle mit einem ähnlichen Virus 2015 (MERS) mit 185 Fällen und 38 Toten harte Lehren gezogen wurden. Zudem war Seoul damals Jahr von einem Sonderausschuss der WHO für eine Reihe kritischer Mängel gerügt worden, darunter ein mangelndes Bewusstsein für das Virus sowohl beim Gesundheitspersonal als auch in der Öffentlichkeit, schlechte Vorkehrungen zur Infektionskontrolle in den Krankenhäusern und fehlende Isolierung infizierter Patienten.

Seit 2015 hat Seoul die Infrastruktur aufgerüstet

Seither wurden viele Krankenhäuser mit Infektionskontrollgeräten und Unterdruckräumen zur Isolierung ausgestattet, sagt Jegal Dong-wook, Professor für Labormedizin an der Katholischen Universität St. Mary in Seoul. Südkorea hat seine Richtlinien für Infektionskrankheiten überarbeitet und rät Menschen mit Atemwegssymptomen nun, zunächst ein spezialisiertes Screening-Zentrum und nicht mehr die Krankenhäuser aufzusuchen.

Der MERS-Ausbruch warf auch ein Schlaglicht auf den Mangel an verfügbaren und geeigneten Test-Kits, was den Krankenhäusern eine große Zahl von Verdachtsfällen zuspülte. Auch hier wurden die Regeln geändert, erläutert Hong Ki-ho, ein Beamter der koreanischen Gesellschaft für Labormedizin. Die Genehmigungen für neu entwickelte Test-Kits dürfen beschleunigt werden, wenn die Nation mit Notsituationen wie hochansteckenden Krankheitsausbrüchen konfrontiert ist.

„Eine mir bekannte Firma benötigte etwa zwei Wochen von der Antragstellung bis zum Einsatz. Diese Entwicklung von Test-Kits und ihre Verwendung für das Coronavirus war dank der Einführung dieses neuen Zulassungssystems für den Notfall möglich“, sagt Hong.

Abgesehen von besagter Kirchengemeinde, die für mehr als die Hälfte aller Fälle in Südkorea verantwortlich ist, werden Schutzmaßnahmen in der Öffentlichkeit, die auf gesundem Menschenverstand beruhen – wie das Tragen von Masken, das Desinfizieren der Hände und die Einschränkung sozialer Kontakte – fast durchweg eingehalten. Bedarf für eine strikte Durchsetzung durch den Staat besteht daher kaum.

Japaner zeigen Selbstdisziplin und Gehorsam

Die Bereitschaft, sich an strenge Kontrollen zu halten, war auch für Japan der Schlüssel zur Eindämmung des Coronavirus. Kritik erntete die Regierung im Umgang mit der gescheiterten Quarantäne auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess und für ihre Politik, relativ wenige Menschen testen zu lassen. Experten sehen jedoch soziale und kulturelle Normen, offiziellen Richtlinien mit Selbstdisziplin und Gehorsam zu begegnen, als einen der Gründe dafür, warum Japan bisher die Zahl der Infektionen erfolgreich begrenzt hat.

„Es gibt eine soziale Norm, die besagt, dass man anderen Menschen keinen Ärger machen sollte“, sagt Kazuto Suzuki, Experte für  Internationale Politik an der Universität Hokkaido. „Wenn man sich nicht um sich selbst kümmert und krank wird, gilt man als Verursacher von Problemen für andere Menschen.“ Ratschläge zum Händewaschen und Desinfizieren werden rigoros eingehalten. Wenn jemand etwa im Zug keine Maske trägt, würde das sofort missbilligende Reaktionen auslösen.

Die regelrechte Besessenheit, Masken zu tragen, geht in Japan auf die Zeit vor Covid-19 zurück. Die Nachfrage explodierte 2009 während des Ausbruchs der H1N1-Schweinegrippe. Nach Erwartungen des Forschungsunternehmens Fuji Keizai wird mit den Masken für private Haushalte in diesem Jahr 35 Mrd. Yen (330 Mio. Dollar) umgesetzt – womit der Spitzenwert von 34 Mrd. Yen aus dem Jahr 2009 noch übertroffen wird.