BankenskandalWie ein Milliardenbetrug in Malaysia Goldman Sachs erschüttert

Seite: 5 von 6

Direkt neben den Glastürmen des Singapurer Finanzdistrikts liegt das Fullerton. In dem mächtigen Gebäude mit den klassizistischen Säulen befand sich einst das Hauptpostamt, heute beherbergt es ein Fünfsternehotel. Hier findet im Januar 2015 die Übergabe statt. Während die Journalisten und der Whistleblower den Deal verhandeln, überprüfen im Nebenzimmer IT-Experten die Echtheit der Daten.

Strittig ist, wie die Transaktion ablaufen soll. Justo will weder wegen einer auffälligen Überweisung noch mit Taschen voll Bargeld erwischt werden. Tong bietet ihm Bilder aus seiner Kunstsammlung an, doch auch das lehnt Justo ab. Schließlich rückt er die Daten gegen das nackte Versprechen heraus, das Geld später zu bekommen – was aber, glaubt man Rewcastle Brown, nie geschieht.

Im Februar 2015 titelt Rewcastle Brown auf ihrem Blog: „Der Raub des Jahrhunderts“. Sie publiziert Auszüge aus den E-Mails und beschreibt genau, wie Low die Struktur mit Petro Saudi nutzte, um Unsummen abzuschöpfen.

Allein gegen die Finanzmafia: die britische Bloggerin Clare Rewcastle Brown
Allein gegen die Finanzmafia: die britische Bloggerin Clare Rewcastle Brown (Foto: Getty Images)

Nur wenige Monate später, Anfang Juli, folgt ihr zweiter Scoop. Ein Informant verspricht ihr den Beweis, dass Hunderte Millionen Dollar aus dem Fonds direkt auf Najibs Konten geflossen sind. Die Dokumente, darunter Kontoauszüge, kommen von malaysischen Ermittlern, die von höheren Stellen immer stärker bei ihrer Arbeit behindert werden. Anfang Juli 2015 erscheint die Story.

Die Enthüllungen zeigen beeindruckende Wirkung: Bis heute haben Behörden in zehn Ländern Ermittlungen aufgenommen. 2016 wirft das US-Justizministerium Najib vor, 681 Mio. Dollar auf eigene Konten umgeleitet zu haben. Der Premier wird nicht namentlich genannt, in den Dokumenten ist nur von „Malaysian Official 1“ die Rede. Doch jeder weiß, wer gemeint ist.

Einst als Reformer gelobt, herrscht Najib nun immer autoritärer, um den Skandal zu vertuschen. Das Geld auf seinem Konto, behauptet er allen Ernstes, sei ein Geschenk der saudischen Königsfamilie. Er lässt Zeitungen schließen, Ermittler werden verhört und suspendiert, der Generalstaatsanwalt wird gefeuert – offenbar, weil er einen Haftbefehl gegen Najib beantragen wollte.

Auch der Druck auf Rewcastle Brown steigt. Nach Malaysia darf sie nicht mehr einreisen, sie wird mit Klagen überzogen, vor ihrem Haus drücken sich verdächtige Gestalten herum. Als man ihr in einer anonymen E-Mail mitteilt, dass ein ukrainischer Auftragskiller auf sie angesetzt sei, geht sie zur Polizei. „Ich habe meinen Sohn auf die Wache mitgenommen“, sagt sie. „Er sollte bezeugen, dass ich nicht verrückt bin.“

Bis heute ist ihr nichts geschehen, sie hat Glück – im Gegensatz zu anderen. Justo schmort anderthalb Jahre in einem thailändischen Knast, weil er seinen Ex-Arbeitgeber erpresst haben soll. Die Leiche des malaysischen Ermittlers Kevin Anthony Morais wird im Herbst 2015 in einem mit Zement gefüllten Ölfass gefunden. Rewcastle Brown sagt, er sei eine ihrer Quellen gewesen. Bis heute ist sein Tod nicht aufgeklärt.