BankenskandalWie ein Milliardenbetrug in Malaysia Goldman Sachs erschüttert

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So dürfte er auch Low Taek Jho kennengelernt haben, allseits bekannt als Jho Low. Der rundliche Malaysier mit dem Kindergesicht, Jahrgang 1981, ist damals trotz seines jungen Alters schon ein wichtiger Strippenzieher. Als Teenager besuchte der Sohn einer chinesischstämmigen Familie die berühmte Harrow School in London. Dort hat er sich mit arabischen Adelskindern angefreundet – und einem gewissen Riza Aziz. „Die Zeit war sehr wichtig für mich“, sagt Low einmal. „Damals habe ich mein Fundament an Kontakten für die Zukunft gelegt.“ Riza Aziz’ Stiefvater Najib Razak etwa wird 2009 malaysischer Premier.

Low studiert und baut seine Beziehungen weiter aus. Bald gründet er seine erste Investmentgesellschaft – und gibt sich in New York als Partylöwe. Die Begleitung von It-Girls wie Paris Hilton oder Lindsay Lohan erkauft er sich mit Magnumflaschen Cristal-Champagner.

In der Heimat berät er bald den Investmentfonds des ölreichen Bundesstaats Terengganu. 2009 wird dieser der Zentralregierung unterstellt, die ihn in 1Malaysia Development Berhad umbenennt: 1MDB – den malaysischen Staatsfonds. Just in dem Jahr kommt Najib an die Macht. Ohne seine Unterschrift geht beim Fonds bald nichts mehr. Und auch nicht ohne Low, der – obwohl nie offiziell bei 1MDB angestellt – direkten Zugang zum Premier hat und alle wichtigen Deals einfädelt.

Bei einer Demonstration in Kuala Lumpur im März 2018 zeigen die Malaysier dem Schiffseigner Jho Low, was sie von ihm halten
Bei einer Demonstration in Kuala Lumpur im März 2018 zeigen die Malaysier dem Schiffseigner Jho Low, was sie von ihm halten (Foto: dpa)

Leissner ist zu dem Zeitpunkt bereits Partner von Goldman Sachs und in Malaysia ein bekannter Mann: 2006 hat er die größte Übernahme in der Geschichte des Landes begleitet. Mit einem weiteren Mitarbeiter konstruiert er nun die drei Anleihen für 1MDB, die erste davon eben jene „Magnolia“-Anleihe von 2012. Goldman Sachs bringt sie an den Markt und kassiert dafür erstaunliche 593 Mio. Dollar an Gebühren. 1MDB sammelt mit ihnen 6,5 Mrd. Dollar bei Investoren ein. Davon versickern laut der Anklageschrift allerdings unfassbare 2,7 Mrd. Dollar. Da der Fonds dem malaysischen Staat gehört, muss dieser bei Ausfällen geradestehen.

Die Interessenlage bei diesem Geschäft ist simpel: Low will möglichst viel Geld in den Fonds schaffen, um sich daraus bedienen zu können. Leissner will die hohen Gebühren, denn das ist gut für den Profit von Goldman Sachs, gut für seinen Ruf – und noch besser für seine Boni. Beide brauchen dafür bloß malaysische Staatsdiener wie den Premierminister, die die für den Staat miserablen Konditionen abnicken – und dafür die entsprechenden Schmiergelder kassieren.

Goldman Sachs wird später jegliche Mitwisserschaft abstreiten; Leissner habe die Compliance-Regeln umgangen. Die Gebühren nimmt die Bank trotzdem gern – und macht Leissner 2014 zum Südostasien-Chef. Er gilt jetzt als Rainmaker, als Zauberer, der Cash regnen lässt, und leistet sich ein Leben, das seinem Kontostand entspricht.

In der Businessclass eines Jets lernt er Kimora Lee Simmons kennen, Ex-Frau eines Rap-Produzenten, Skandalnudel. Sie heiraten 2013, und ihr erster Auftritt danach fällt standesgemäß aus: In der Karibik chartert Leissner eine 60-Meter-Yacht, die 325.000 Dollar pro Woche kostet.