BankenskandalWie ein Milliardenbetrug in Malaysia Goldman Sachs erschüttert

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Ermöglicht wird die Umweltzerstörung durch die in Malaysia grassierende Korruption. In Sarawak bedienen sich der Regierungschef des Bundesstaates und sein Clan an den Naturschätzen, als seien sie ihr Privateigentum. Rewcastle Browns Arbeit kommt einer Kriegserklärung gleich. Bald berichtet sie nicht nur über illegale Rodungen in Sarawak, sondern über Missstände im ganzen Land.

Von ihrer Küche in Westminster aus betrieben, werden der Blog und ein dazugehöriges Radio zu viel beachteten Nachrichtenquellen in Malaysia. Sie ist auch die erste, die auf Auffälligkeiten beim Projekt „Magnolia“ hinweist. So nennt Goldman Sachs intern die erste von drei Anleihe-Emissionen, die die Bank 2012 und 2013 für den malaysischen Staatsfonds 1MDB betreut.

Der Zweck des Fonds: Er soll strategische Entwicklungsprojekte finanzieren. Doch anders als etwa Norwegens Pensionsfonds, in den Geld aus der Ölförderung fließt, wird 1MDB nicht mit einem soliden Kapitalstock ausgestattet. Stattdessen muss der Fonds seine Investitionen in Energie, Tourismus oder Immobilien auf Pump finanzieren. Bis Mitte 2015 wird er 12 Mrd. Dollar Schulden anhäufen. 1,75 Mrd. davon stammen allein aus den „Magnolia“-Anleihen. Dafür kassiert Goldman Sachs eine Gebühr von 200 Mio. Dollar – ein Vielfaches des Üblichen. Wie, fragt sich Rewcastle Brown, hat die Bank bloß diese Konditionen durchgesetzt?

Die wollen nur spielen

Am 28. August 2018 um 10.30 Uhr erscheint ein schlaksiger, 48-jähriger Deutscher vor dem Bundesbezirksgericht in Brooklyn. Tim Leissner hat gleich drei Anwälte mitgebracht. Der frühere Südostasien-Chairman von Goldman Sachs ist unter dem US-Antikorruptionsgesetz angeklagt. Die Vorwürfe: Geldwäsche und Bestechung. Ihm droht lebenslänglich.

Leissner wird sich schuldig erklären und einwilligen, 43,7 Mio. Dollar seines Vermögens den Behörden zu übergeben; eine Strafe kommt obendrauf. Zuvor fragt ihn der Richter, ob er sich von seinem Rechtsbeistand gut beraten fühle. Das Protokoll notiert einen Moment des Schweigens. Schließlich bejaht Leissner. Und erklärt, weshalb er sich mit seiner Antwort Zeit gelassen hat: „Ich dachte, ich bringe sie ein wenig ins Schwitzen.“ Gemeint sind seine Anwälte. Es soll ein Witz sein. „Okay“, sagt der verdatterte Richter. „Sinn für Humor am heutigen Morgen. Okay.“

Der große Betrug: Der deutsche Goldman-Sachs-Banker Tim Leissner – hier 2014 mit Ehefrau Kimora Lee Leissner
Der große Betrug: Der deutsche Goldman-Sachs-Banker Tim Leissner – hier 2014 mit Ehefrau Kimora Lee Leissner

In seiner Lage verhält Leissner sich immer noch, als sei alles nur ein Spiel. Kann sein, dass es sich lange so angefühlt hat. Seine gesamte Karriere, von 1998 bis 2016, verbringt der Absolvent der Universität Siegen bei Goldman Sachs. 2002 schickt ihn die Bank nach Singapur. Die Asienkrise ist gerade erst vorbei, die Region gilt unter Investmentbankern als Hinterland, große Deals laufen anderswo.

Leissner ändert das. „Wichtige Leute machen gern Deals mit anderen wichtigen Leuten. Gehörst du dazu?“ So lautet eines der zehn Gebote von Goldman Sachs. Leissner erfüllt diesen Anspruch. Er gilt als charmant, als Meister im Knüpfen von Beziehungen. Dabei hilft ihm seine Fähigkeit, bis spätnachts zu bechern – und trotzdem tags darauf frisch zum Meeting zu erscheinen.