WirecardWie die Oldenburgische Landesbank eine Wette auf Markus Braun einging

„Omas liebste Bank“: Die Oldenburgische Landesbank hat ein eher biederes Imageimago images / Schöning

Nur wenige Wochen vor dem Zusammenbruch von Wirecard hat eine kleine deutsche Bank eine große Wette auf Markus Braun abgeschlossen. Während die Investoren immer noch von den Ergebnissen einer Sonderprüfung der Wirecard-Bilanz erschüttert waren, löste die Oldenburgische Landesbank (OLB) die Deutsche Bank als Hauptkreditgeber für den damaligen Vorstandsvorsitzenden des Zahlungsdienstleisters Braun ab. Braun war Wirecards öffentliches Gesicht und größter Einzelaktionär.

Die Entscheidung der OLB aus der verschlafenen Universitätsstadt Oldenburg ist symptomatisch für ihren Wandel nach ihrer Übernahme im Jahr 2017 durch ein Konsortium, zu dem auch das US-Private-Equity-Unternehmen Apollo gehört. Für 300 Mio. Euro hatten die Investoren die OLB von ihrem langjährigen Eigentümer, dem Versicherungsriesen Allianz, erworben.

Das einst wegen seines konservativen Ansatzes als „Omas liebste Bank“ belächelte Institut, begann mit den neuen Eigentümern eine Reihe von Fusionen, die aus dem regionalen Kreditgeber eine Institution mit nationalen Ambitionen und größerem Risikoappetit machte.

Mitte Mai, als die Wirecard-Aktien bereits unter Druck standen, unterzeichneten die OLB und Braun einen Kreditvertrag über 120 Mio. Euro, wie aus einem Dokument hervorgeht, das der Financial Times vorliegt. Diese Summe war höher als der Nettogewinn der OLB für 2019 und entsprach einem Zehntel ihres Kernkapitals.

„Die OLB hat heutzutage ein Geschäftsmodell, das auf einem hohen Risikoappetit beruht“, sagt Gunter Dunkel, ein Finanzexperte mit jahrzehntelanger Erfahrung in Norddeutschland und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der NordLB.

Die Deutsche Bank stieg als Kreditgeber aus

In den vergangenen drei Jahren ist die Bilanzsumme der OLB um mehr als ein Drittel gewachsen, während sich der Nettogewinn vervierfacht hat. Obwohl das Privatkundengeschäft der Bank mit 126 Filialen immer noch die Hälfte der Erträge erwirtschaftet, stammen inzwischen 20 Prozent aus Spezialfinanzierungen wie der Finanzierung von Übernahmen, gewerblichen Immobilien und der Schifffahrt. Der Rest kommt aus dem traditionellen Bankgeschäft mit Firmenkunden.

Die Eigenkapitalrendite der OLB hat sich im vergangenen Jahr auf 10,4 Prozent verfünffacht. Sie ist damit eine der wenigen deutschen Banken, die ihre Kapitalkosten verdienen, die Analysten auf rund 10 Prozent schätzen. Apollo lehnte einen Kommentar dazu ab.

 


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Mit der Kreditvergabe an Braun trat die OLB in die Fußstapfen der Deutschen Bank, des größten deutschen Kreditgebers. Die Deutsche hatte dem österreichischen Vorstandschef Ende 2017 150 Mio. Euro geliehen und dafür die Hälfte seiner siebenprozentigen Beteiligung an Wirecard als Sicherheit akzeptiert.

Doch nachdem Whistleblower wiederholt Vorwürfe wegen Bilanzbetrugs erhoben und die Financial Times darüber berichtet hatte, wurde die Deutsche Bank zunehmend nervös wegen des Kredits. Das Bankhaus beschloss, ihn nicht zu verlängern, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab.