Smarte ProblemlöserWie Enpact Start-ups in Entwicklungsländern unterstützt

enpact_Berlin


Klimawandel, Armut, Flüchtlingskrisen: Die Welt ist voller Probleme. In einer Serie präsentiert Capital Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit – von smarten Köpfen und innovativen Unternehmungen. Diesmal: enpact


Das Problem:

Einem OECD-Bericht von 2018 zufolge leiden knapp 400 Millionen Menschen in Afrika unter extremer Armut. „Die einzige nachhaltige Form der Entwicklungshilfe ist die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort“, so Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, in einem dpa-Interview. Ein integratives Wachstum könnte die Entwicklung afrikanischer Staaten vorantreiben. Doch der zweitgrößte Kontinent der Erde verlangt nach kontextbasierten Lösungsstrategien. Während in Ostafrika die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und Bildungsprogramme auf der Entwicklungsagenda stehen, wird der Fokus in Westafrika vor allem auf inländische und grenzüberschreitende Infrastruktur sowie den Ausbau des Privatsektors gelegt.

Ebenso wie in Afrika mangelt es auch in Lateinamerika selten an Ideen, sondern vielmehr am Zugang zu Netzwerken und Geldgebern. Der limitierte Zugang zu Finanzmitteln steht vielen Start-ups dabei im Weg, ihr Potenzial zu entfalten und unabhängig zu agieren. Ein im Juli 2019 veröffentlichter Bericht der Bundesbank zeigt, dass zumindest aus Deutschland nur ein geringer Anteil an Direktinvestitionen in den letzten Jahren nach Afrika geflossen ist. Der Großteil der Investitionen beschränkt sich auf Südafrika. Auch mangelndes Wissen darüber, wie man langfristig ein Unternehmen führt, blockiert das Wachstum von Start-ups in Entwicklungs- und Schwellenregionen.

Die Lösung:

Enpact will Entwicklungshilfe neu denken. Die Non-Profit-Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, die Start-up-Szene in Entwicklungs- und Schwellenländern zu unterstützen. Durch die Entwicklung lokaler unternehmerischer Ökosysteme will Enpact eine nachhaltige Arbeitswelt schaffen, um den gesellschaftlichen Fortschritt voranzutreiben.Die Bandbreite der Start-ups reicht von Social Business über Logistik-Unternehmen bis hinzu E-Commerce. Mit einem Start-up-Mentoring-Programm bringt die Organisation Visionäre und erfahrene Unternehmer in Start-up-Camps, Workshops und Videokonferenzen zusammen. Ehemalige Mentees können später selbst zu Mentoren werden, so entsteht ein langlebiges Netzwerk für alle Mitglieder.

„Jemand, der schon einmal gegründet hat, verfügt über Expertise und wertvolle Kontakte und kann auch eigene Erkenntnisse und Fehler mit dem Mentee teilen. Diese praktischen Ratschläge sind besser als ein MBA an einer Business School“, sagt Gründer Matthias Treutwein. Die gemeinnützige Organisation aus Berlin vernetzt Start-ups aus den Gründungszentren in Europa, Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Mittleren Osten, organisiert weltweite Delegationsreisen für Unternehmer und schafft Arbeitsräume für lokale Gründungsaktivitäten und Kooperationen. Der direkte Wissensaustausch von Entrepreneur zu Entrepreneur soll langfristig die internationale Zusammenarbeit fördern. Nach Angaben von Enpact können im Jahr mehr als vier neue Arbeitsplätze pro Start-up geschaffen werden.

Aber auch die Mentoren profitieren von einem sozialen Mehrwert und Insider-Wissen. „Viele können sich nicht vorstellen wie die Bedingungen in Entwicklungsregionen aussehen. Zum Beispiel wie es ist, wenn es dauerhaft keinen Zugang zu Strom und Internet gibt. Schwierige Rahmenbedingungen erfordern mehr Kreativität bei der Problemlösung, was wiederum große Innovationen hervorbringen kann“, so Treutwein.

Um eine fundamentale Forschungslücke zu füllen, hat die Organisation das interaktive Start-up-Meter entwickelt. Hier können potentielle Investoren erfahren, wie Start-up-freundlich ein lokales Ökosystem ist und wo Stärken und Potenziale einer Region liegen. Nach Angaben von Enpact soll das Start-up-Meter als analytische Grundlage für die Entwicklung geeigneter politischer und wirtschaftlicher Maßnahmen für lokale Ökosysteme fungieren.

Der Kopf dahinter:

2013 gründeten Matthias Treutwein und Sebastian Rubatscher die gemeinnützige Organisation Enpact. Seitdem hat das mittlerweile 25-köpfige Team ein internationales Netzwerk mit 600 Start-ups, 200 Mentoren und Experten sowie über 50 Partnerorganisation aufgebaut. Während sich Enpact zu Beginn hauptsächlich auf die MENA-Region und Europa fokussierte, sind sie mittlerweile nun auch in Ost- und Westafrika sowie Südamerika und Südostasien tätig.