InterviewWie die Coronakrise Momox zum Rekordumsatz verhilft

Heiner Kroke ist seit 2013 CEO von MomoxMomox

Capital: Im Corona-Jahr 2020 ist der Jahresumsatz von Momox um ein Viertel auf 312 Mio. Euro gewachsen. Welche Rolle spielt die Pandemie bei diesem Wachstum?

HEINER KROKE: Natürlich hat die Corona-Krise viele Unternehmen negativ getroffen, für Momox ist das Gegenteil der Fall. Die Krise hat unser Geschäft auf unterschiedliche Weise positiv beeinflusst. Eine davon war der „Aufräum-Effekt“, weil viele Menschen mehr Zeit zu Hause verbracht haben und diese Zeit darauf verwendet haben, aufzuräumen. Bei mir war es der Keller, bei vielen anderen vermutlich der Dachboden, der Kleiderschrank oder das Bücherregal. So konnten wir in allen Kategorien wieder hervorragend wachsen: Bei Büchern und Medien 24 Prozent, bei Fashion 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es gibt aber auch noch andere Trends, die sich durch die Coronakrise verstärkt haben: Das zunehmende Interesse an Nachhaltigkeit und am Online-Shopping. Beide haben sich im letzten Jahr weiter etabliert und werden auch in der Zeit nach Corona bleiben.

Das heißt, was erwarten Sie für die Zeit, wenn der stationäre Handel wieder anrollt?

Ich glaube nicht, dass dann alles wieder zurück auf Null geht. Natürlich wird man merken, wenn die Läden wieder offen sind und dass es dann Kunden gibt, die wieder verstärkt offline shoppen. Aber viel stärker wird man merken, dass viel von dem, woran wir uns in der Pandemie gewöhnt haben, bleibt – und dass sich deshalb das Geschäft für Momox auf keinen Fall negativ, sondern – wie wir das bisher auch sehen – weiterhin positiv entwickelt.

Welche Artikel waren 2020 denn besonders beliebt? Gerade das Mode-Segment ist ja stark gewachsen.

Wir verkaufen immer Einzelstücke, deswegen kann ich keinen Bestseller nennen. Allerdings kann ich für die Rubriken sagen – und das ist wenig überraschend –, dass gerade Businessmode weniger nachgefragt war. Umgekehrt war Freizeitkleidung sehr beliebt. Wenn man durch die einzelnen Kategorien geht, waren entsprechende Artikel immer ganz oben gelistet. Bei den Marken lagen Esprit, Marc O’Polo und Tommy Hilfiger vorne.

Wie wird sich das Verhältnis von Mode und Medien weiterhin entwickeln? Könnte Mode die Mediensparte künftig sogar zurückdrängen?

Zurückgedrängt wird der Bereich Bücher und Medien nicht, weil wir auch dort um 24 Prozent gewachsen sind. Aber dadurch, dass das Wachstum für den Modebereich doppelt so groß ist, wird der Anteil natürlich immer größer. Für 2020 hat Mode einen Anteil von 15 Prozent am Jahresumsatz ausgemacht. Über die nächsten Jahre werden wir sicherlich ein Verhältnis von 50:50 bekommen.

Allgemein hat die Nachfrage an Secondhandmode zugenommen. Das macht sich auch an neuen Wettbewerbern wie Zalando oder H&M bemerkbar. Was heißt die neue Konkurrenz für Momox?

Das Tolle an dieser Entwicklung ist, dass es durch die großen Markennamen gelingt, das Geschäftsmodell bekannter zu machen. Das ist gut, denn wir sind bereits seit 2014 mit Secondhand Fashion am Markt und beherrschen die nötigen Prozesse. Daher werden wir uns am Ende des Tages – auch angesichts dieser großen Unternehmen – gut im Markt positionieren. Außerdem hatten wir schon mal eine ähnliche Situation im Buch- und Medienbereich mit Amazon. Nach wenigen Jahren ist Amazon aus dem Re-Commerce von Büchern aber wieder ausgestiegen. Meine Hypothese ist, dass sich das im Bekleidungsbereich ähnlich entwickeln wird. Denn das Re-Commerce-Geschäft ist etwas ganz anderes als Neuware zu verkaufen, weil die einzelnen Artikel eben nicht beliebig verfügbar sind. Das erfordert noch mal eine ganz andere Expertise.

Seit Ende Januar läuft die Modesparte unter einem neuen Namen. Warum das Rebranding?

Wir haben über die Zeit immer wieder unsere Kunden befragt und danach gefragt, wie sie Marken verstehen. Unsere alte Marke Ubup, eine Abkürzung von „used but precious“, hatte die Herausforderung, dass vor allem Neukunden Schwierigkeiten hatten, sie mit Momox in Verbindung zu bringen. Daher haben wir unsere Kunden aktiv in die Auswahl des Markennamen mit eingebunden, indem wir verschiedene Namen in Umfragen auf die Probe gestellt haben. Schließlich hat sich Momox Fashion herauskristallisiert, was sowohl zur Gesamtmarke passt und gleichzeitig gut beschreibt, was wir machen – nämlich Kleidung mit Nachhaltigkeitsaspekt verkaufen. Das Angebot und der Service sind dabei gleich geblieben.

Noch sieht es so aus, als ob die Pandemie uns noch ein Stück begleitet. Was sind Ihre Erwartungen für 2021?

Wir erwarten, dass sich 2021 wieder genauso erfolgreich darstellt, wie das letzte Jahr. Das ist abhängig von einigen Faktoren, darunter natürlich die Coronapandemie, die weiter das Geschäft beeinflusst. Dazu gehört aber auch unser eigenes Tun. Wir werden die Märkte weiter entwickeln und unsere Aktivitäten im Nachhaltigkeitsbereich ausbauen, um nicht nur ein Geschäft zu betreiben, was nachhaltig ist, sondern selber immer mehr ein nachhaltiges Unternehmen zu werden.

Um noch einmal auf den persönlichen Aufräum-Effekt zurückzukommen. Sie haben vorhin vom Keller-Aufräumen gesprochen. Ist etwas davon auch auf Momox gelandet?

Ja, ganz viel sogar! Ich bin ein sehr treuer und begeisterter Kunde unseres Unternehmens – eigentlich die ganze Familie – und verkaufe und kaufe gerne auf Momox. Diese Überschneidung von Käufer und Verkäufer ist eigentlich nicht zu 100 Prozent da. Wir gehören aber zu der Ausnahme. Ich stelle zum Beispiel auch immer wieder fest, dass, obwohl ich meine Kleidungsstücke auftrage, es hier oder da immer mal wieder einen Fehlkauf gibt. Da ist es dann besser, man gibt die Artikel in diesen Fällen weiter und jemand anderes freut sich darüber.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden