Start-upsRelayr - eine Start-up-Erfolgsgeschichte aus Deutschland

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„Du musst dich entscheiden“

Schon Ende 2015 gibt es erste Kontakte zum Venture-Fonds von Hartford Steam Boiler (HSB), einem 1866 gegründeten Industrieversicherer, der seit 2009 zur Münchener Rück gehört. Als Relayr Ende 2016 das nächste Mal Geld einsammelt, führt HSB die 23-Mio.-Dollar-Runde an. Die Kooperation verschafft dem Start-up eine neue Seriosität im Umgang mit Firmenkunden: „HSB kann glaubwürdig vor jedem kleinen und mittleren Unternehmen stehen und sagen: Wir sind groß genug, um jeden Ausfall deiner Maschinen abzudecken“, sagt Bond. Je mehr Daten über IoT dafür verfügbar sind, desto genauer lassen sich Risiken kalkulieren – oder vorbeugen. Und desto besser lässt sich damit Geld verdienen.

Im Februar 2018 investiert mit der Telekom noch einmal ein anderer Dax-Konzern, Relayr bekommt 30 Mio. Dollar. Brunner deutet einen Börsengang noch 2020 an, doch im Hintergrund läuft schon alles auf eine noch engere Bindung an HSB hinaus. Bei Brunner gehen nun immer häufiger Übernahmeangebote ein, Tech-Konzerne sind darunter und Private-Equity-Firmen. Am Ende fällt die Entscheidung für HSB. „Das gibt uns Stabilität, eine tolle Marke und einen auf lange Sicht finanziell stabilen Partner für unsere Kunden“, sagt Brunner. Eine „einmalige Gelegenheit“, sagt Bond. „Wenn du dich in einem Markt befindest, der sich unglaublich schnell ändert, dann musst du dich entscheiden.“

War der Exit die beste aller Optionen? Die am Deal Beteiligten sagen dazu wenig Konkretes, verständlich. Zapp, der Gründer, verweist auf den inzwischen dicht bevölkerten IoT-Markt, auf die Vormachtstellung von Amazon und Microsoft bei Entwicklerplattformen. „Hätte man die Chance gehabt, mit den ganz Großen auf Augenhöhe in den Wettbewerb zu gehen? Da sage ich: Das wird halt eher schwierig.“ Wahrscheinlich ist das so. Vielleicht hätte aber auch alles einen anderen Weg gehen können, wenn Zapp nicht so früh das Geld ausgegangen wäre. Wenn man mehr Geduld gehabt hätte, weniger Druck, monetarisieren zu müssen.

Zapp hält das für ein strukturelles Problem. „Wir werden in Deutschland zur verlängerten Werkbank“, warnt er. „Die Chinesen kaufen uns die Mittelständler weg und die Amerikaner die guten Start-ups. Wo bleibt da der Wohlstand?“ Er selbst hat sich noch nicht von seiner Mission verabschiedet. 2016 hat er in Berlin einen eigenen Inkubator für IoT- und Blockchain-Unternehmen gestartet. Der Name der Firmenfabrik: Next Big Thing.