ZahlungsverkehrWestern Union - das alte Geldreich

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Ersek ist schon seit 1999 bei Western Union. Zuvor war er Außendienstler bei Mastercard und bei GE Capital. Bei Western Union hat er zunächst in verschiedenen Positionen in Europa gearbeitet, zuletzt in Wien, der Heimatstadt seiner Mutter. „Früher habe ich fast jeden Tag ein neues Land eröffnet. Morgens saß ich im Büro und hab mich gefragt, wo wir mittags hinfliegen.“

Heute ist Western Union schon überall. Und muss sich neben den neuen Konkurrenten auch mit einem alten Vorwurf auseinandersetzen: dass die Geldtransfers zur Geldwäsche, Terror- und Verbrechensfinanzierung genutzt werden. Entsprechend hoch sind mittlerweile die Auflagen – und auch sie machen das Geschäft teurer. Bei jedem Geldtransfer überprüft Western Union etwa die Identität von Auftraggeber und Adressat, lässt sie durch Terrordateien und Sanktionslisten laufen.

Trotzdem musste Western Union im Januar eine Rekordstrafe von 586 Mio. Dollar zahlen. Das US-Justizministerium wirft dem Konzern vor, nicht genug gegen Geldwäsche und Betrug vorgegangen zu sein. Unter anderem sei von 2004 bis 2012 Geld aus illegalem Glücksspiel und Menschenschmuggel über Western Union verschickt und gewaschen worden. Vertriebspartner von Western Union wie Kioske oder Einzelhändler hatten als Komplizen agiert. Das Unternehmen selbst habe davon gewusst, aber nicht genug dagegen unternommen. Es ist nicht das erste Verfahren dieser Art. Schon 2010 musste Western Union 94 Mio. Dollar Strafe zahlen. Man steht unter verstärkter Beobachtung. In drei Jahren muss das Unternehmen nachweisen, dass es im Kampf gegen Geldwäsche und Missbrauch Verbesserungen durchgesetzt hat.

Gegen Geldwäsche

Ersek hat das Compliance-Team vervierfacht. Auch das eine Investition, die die Aktionäre erst verärgert habe, sich jetzt aber lohne, sagt er. Vier Prozent des Umsatzes fließen in Systeme zur Vermeidung von Geldwäsche, 25 Prozent der Mitarbeiter arbeiten daran – vor allem an der Technik: Algorithmen prüfen die Eckdaten der Transaktion auf Verdachtsmomente. Western Union hat viel Geld in Software für das Management großer Datenmengen und in künstliche Intelligenz gesteckt. Wenn Computer einen Verdachtsfall nicht aufklären können, prüfen Mitarbeiter in Litauen oder Costa Rica die Überweisungen. „Es steckt ein Riesensystem dahinter“, sagt Ersek.

Früher hat Western Union die Prüfung der Kunden an die Filialbetreiber ausgelagert. Inzwischen nimmt die Bankenregulierung den Konzern selbst in die Pflicht. Es macht die Geschäfte teurer, könne aber dafür sorgen, glaubt Ersek, dass Kunden einem großen Unternehmen wie seinem stärker vertrauen als einem Start-up, das nicht einfach 2400 Menschen für die Compliance-Abteilung anheuern kann. „Wir haben die DNA, um das zu lösen“, sagt er. „Kurzfristig ist das schmerzhaft, langfristig aber ein Wettbewerbsvorteil.“

Andere Ideen, das Geschäft zu regulieren, bereiten ihm mehr Sorge: vor allem Pläne, die Heimatüberweisungen von Migranten zu besteuern. Donald Trump hat laut darüber nachgedacht, auch in Ländern wie Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien gibt es entsprechende Diskussionen. Ersek glaubt allerdings nicht, dass Steuern und Kontrollen die Menschen davon abhalten werden, Geld in die Heimat zu schicken. Höchstens würde es die Transaktionen auf einen Schwarzmarkt verdrängen. „Sie können keine Mauer bauen“, sagte er, „die hoch genug ist, um die Globalisierung zu stoppen.“

Die Geschichte ist erstmals in der Capital Print-Ausgabe 02/2018 erschienen.