PodcastWerner Conrad: „Multi-Channel hat mein Großvater schon gemacht“

Werner Conrad ist Vorsitzender des Verwaltungsrats von Conrad Electronic
Werner Conrad ist Vorsitzender des Verwaltungsrats von Conrad ElectronicPR/Conrad Electronic

Beim Namen Conrad Electronic fallen vielen Kunden zuallererst Elektronikartikel ein. Unter den anderen Händlern in seiner Branche gilt das Familienunternehmen allerdings als Versandkönig. Erst mit dem eigenen Bestellkatalog, dann ab 1997 mit einem eigenen Online-Shop setzte das Unternehmen früher als viele andere neben dem stationären Handel auf das Liefer-Geschäft. „Das, was heute Multi-Channel-Strategie heißt, hat mein Großvater schon gemacht“, sagt Firmenchef Werner Conrad im Podcast „Alles Neu…? Aus dem Maschinenraum“.

Seit einigen Jahren befindet sich das Unternehmen allerdings im Wandel – und das nicht nur im Versandhandel. „Man muss heute viel mehr Instrumente beherrschen als früher“, sagt Conrad. Das habe sein Unternehmen zum Beispiel bei der Produktpalette gemerkt. „Die letzten 15 Jahre waren davon geprägt, dem Kunden alles zu zeigen, was es gibt“, erzählt Conrad. „Wir stellen aber fest, dass die Leute von dem überbordenden Angebot überfordert sind.“ Mittlerweile setze man deshalb auf kuratierte Angebote für die einen und ein breites Sortiment für die anderen.

„Bei uns gibt es noch Menschen“

Auch den Vertrieb hat Conrad Electronic in den vergangenen Jahren um zwei Plattformen ausgeweitet: Die erste namens „Conrad Sourcing Platform“ dient als Marktplatz für Firmenkunden, die zweite namens „Conrad Connect“ soll Kunden den Zugang zu Geräten für das Internet of Things erleichtern. Trotz digitaler Angebote, bleibe der Kundenkontakt aber wichtig. „Bei uns gibt es noch Menschen, da gibt es nicht nur Algorithmen“, betont Conrad. „Das was wir in unserer Geschichte gelernt haben ist zuzuhören.“

Trotz der Veränderungen habe sich die Strategie des Unternehmens, sich als Elektronikhändler möglichst breit aufzustellen, aber nie radikal gewandelt. „Wir haben eigentlich über die Jahrzehnte hinweg versucht, die Balance zu halten, weil uns die fianzielle Unabhängigkeit so wichtig ist und wir nicht alles auf eine Karte setzen wollten.“ Gleichzeitig brauchten Veränderungen auch immer ihre Zeit, denn um sich erfolgreich zu wandeln, müsse man auch die Mitarbeiter ins Boot holen und einbeziehen, sagt Conrad. „Und die Mitarbeiter wissen auch sofort, ob man es ernst meint oder nicht.“ Die Geschäftsführung habe bei Veränderungen deshalb immer eine Vorbildfunktion, so der Unternehmenschef. „Wenn du an der Spitze einer der langsamsten bist, brauchst du dich nicht wundern, wenn dein Unternehmen genauso ist.“

Warum er Amazon-Gründer Jeff Bezos gerne Regensburg zeigen würde und wieso er eine 26-jährige Unternehmerin in den Verwaltungsrat des Unternehmens holte, erzählt Werner Conrad im Gespräch mit Tobias Rappers, Managing Director von Maschinenraum, und Nils Kreimeier, leitender Redakteur beim Wirtschaftsmagazin Capital. Alle Folgen von „Alles Neu…? Aus dem Maschinenraum“ finden Sie bei Audio Now, Apple Podcasts, Deezer, Soundcloud und Spotify.