PodcastWerbeprofi Strerath: „Die SPD hat die mit Abstand beste Kampagne”

Welche Wahlkampagne hat die besseren Botschaften, wer die bessere Optik?
Welche Wahlkampagne hat die besseren Botschaften, wer die bessere Optik?IMAGO / Revierfoto

Ein schwarz-weißer Olaf Scholz auf einem roten Hintergrund, darauf kurze Botschaften: sichere Renten, Mindestlohn 12 Euro, bezahlbares Wohnen. Plus: Scholz packt das an. „Visuell eine sehr starke Kampagne“, findet Thomas Strerath. Im Podcast „Die Stunde Null“ analysiert der Werber und Geschäftsführer von MediaMonks die Kampagnen der Parteien – und für ihn ist klar: „Die SPD hat mit Abstand die beste Kampagne“. Die Begriffe seien „einfach verständlich verpackt“, es signalisiere einen starken Führungsanspruch und so gelinge es der SPD, eine klare Nachricht zu kommunizieren. „Und das verkörpert ja auch Scholz: Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.“

 Genau diese Fokussierung und Klarheit fehlen bei ihren zwei Hauptkonkurrenten, der CDU und den Grünen. Der CDU-Kampagne bescheinigt Strerath „mangelnde Fokussierung, Zuspitzung, Konkretheit“ vor: „Man versucht so sehr alles unterzubringen und am Ende gelingt dadurch nichts“, kritisiert der ehemalige Vorstand der Agentur von Jung von Matt.

„Man versucht keine Angriffsfläche zu bieten“, was keine negative Abgrenzung von den anderen Parteien ermöglicht, so Strerath, der 2017 einer der Köpfe hinter der CDU-Kampagne war („Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben“). Erstmals schildert er in dem Interview auch, wie es zu der Kampagne kam – und mit welchem Spruch er ursprünglich ins Rennen gegangen war.

Design „wie eine Wasserleiche“

Den Grünen gelingt die Abgrenzung indes noch schlechter, findet er. Zwischen Annalena Baerbock und Robert Habeck konnte sich die Partei nicht wirklich entscheiden, und daraus „entsteht überhaupt kein Führungsanspruch“. Das Design der Plakate sehe aus „wie eine Wasserleiche“ und zeige „wie blass der Auftritt ist“. Der Film, in dem die Grünen das Volkslied „Kein schöner Land“ neu vertont haben, würde alle alten Stereotypen über die Grünen bedienen. Der Urteil Streraths: „Der grüne Auftritt ist der schlechteste aller Auftritte.“

Auch die FDP-Kampagne, die 2017 noch Maßstäbe gesetzt habe und preisgekrönt war, sieht der Werber eher kritisch. Denn sie versuche, die Kampagne von vor vier Jahren zu wiederholen. Er findet sie „selbstverliebt“, zu sehr auf Christian Lindner fokussiert, sie zeige „wenig Diversität“ und „Gesellschaft“.

Überraschend gelungen findet Strerath hingegen die Kampagne der AfD. „Deutschland aber normal“ sei aus werblicher Sicht – wenn man die Meinung über diese Partei abstrahiert – überraschend und „hervorragend“, weil es „völlig aus der Zielgruppe kommt“.

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“:

  • Warum Plakate für die Parteien immer noch eine wesentliche Rolle spielen
  • Wie Kampagnen auf Social Media und Microtargeting funktionieren
  • Die Entstehungsgeschichte der 2017er-Kampagne „Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben“

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