KolumneWenn der Rotor ruht

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Rückgang der Volllaststunden

Und erkennbar ist auch, dass die durchschnittliche Auslastung der Windanlagen an Land schon seit einiger Zeit rückläufig ist. Setzt man ihren Output ins Verhältnis zur installierten Kapazität, dann haben sie im Jahr 2014 insgesamt so viel Strom erzeugt, als sei jede von ihnen 1485 Stunden unter Volllast gelaufen (und die übrigen 7275 Stunden, respektive gut 303 Tage, gar nicht).

Das ist nicht nur der zweitniedrigste Wert seit mehr als zehn Jahren. Sondern es ist auch schon der dritte Rückgang der sogenannten Volllaststunden in Folge. Eine bemerkenswerte Entwicklung, selbst wenn sich die Daten für 2014 noch verbessern können.

In den vergangenen fünf Jahren ist gut ein Fünftel der neuen Onshore-Anlagen an Standorten errichtet worden, die nach der Klassifikation des Deutschen Instituts für Bautechnik zur „Schwachwindzone“ gehören. Fast der komplette Süden der Republik fällt in diese Kategorie. Wenn dann dort noch ein außergewöhnlich ruhiges Wetter hinzukommt, ist ein Rückgang der Volllaststunden nur logisch. Nur durch ständig bessere Technik lässt sich eine Produktivitätsverschlechterung verhindern.

Grundproblem der Windkraft bleibt bestehen

Das „Jahr der Rekorde“, das der Regierung gemeldet wird, fällt bei näherer Betrachtung also ziemlich zwiespältig aus: 2014 war zweifellos ein einzigartiges Boomjahr für alle, die neue Windparks planen, bauen oder durch Verpachtung von Flächen möglich machen. Für viele, die am tatsächlich erzeugten Windstrom verdienen wollten, dürfte es aber eher mau gelaufen sein. Das ist eine schlechte Nachricht nicht nur für private Anleger. Sondern auch für manche Kommunen und ihre Bürger, die das Stadtwerk in Wind-Investments gedrängt haben. Schon in der Vergangenheit gab es da ein paar bittere Enttäuschungen.

Das ganze Muster erinnert schon ein wenig an die klassischen Geschichten aus dem großen Goldrausch: Reich wurden die Ausrüster – nicht die euphorisierten Schürfer.

Das bekannte Grundproblem der Technik bleibt dabei trotz des Ausbau-Booms natürlich bestehen: Windstrom fließt dann und dort reichlich – aber nicht immer dann und dort, wo man ihn braucht. Mehr als ein Sechstel der Jahreserzeugung 2014 entstand allein im stürmischen Dezember. Der hoch industrialisierte, aber chronisch windschwache Süden muss mit der Küste erst noch richtig vernetzt werden. Wenn auch im Süden mehr Windparks aufgestellt werden sollen, bleiben dafür vor allem die bewaldeten Höhenzüge.

Aber das muss Sigmar Gabriel ja inzwischen niemand mehr erzählen.