FinanzevolutionWenn das Internet der Dinge automatisch bezahlt

Seite: 2 von 2

Ob für solche und industrielle IoT-Anwendungen die aktuellen Instrumente im Finanzwesen ausreichen und hinreichend kostengünstig sind, ist bisher nicht beantwortet. Natürlich kann man hinter einen Einkauf bei Amazon Go, eine Zahlung per Kreditkarte, Apple oder Google Pay oder Instant Payment setzen. Ich hatte aber in meiner Kolumne im September darauf hingewiesen, dass an einem Zahlungsprozess  wie Google oder Apple Pay mindestens acht (Finanz-)Dienstleister beteiligt sind. Hier muss mir noch einmal jemand erklären, warum das ein effizienter Prozess sein soll, wenn jedes beteiligte Unternehmen etwas verdienen will.

Kein Wunder also, dass die Industrie auch über andere Bezahlverfahren nachdenkt, insbesondere wenn es sich um Kleinstzahlungen (Micropayment genannt) handelt. Es haben sich mittlerweile einige Industriekonsortien gebildet, wie etwa das „Internet of Things Consortium“. Hier haben sich Gründer, Manager und globale Unternehmen zusammengeschlossen, um nach eigener Darstellung das Wachstum des IoT-Marktplatzes anzukurbeln. Dabei konzentriert man sich auf fünf Branchen: vernetzte Haushalte, Autos, Städte, Einzelhandel und Bekleidung. Mit Mastercard und der Bank of America sind hier zwei US-Finanzdienstleister dabei und mit Henkel und T-Mobile zumindest zwei deutsche Unternehmen. Auch in der Trusted IoT Allicance machen zwar mit Bosch und ebenfalls der Telekom zwei deutsche Unternehmen mit, daneben aber nur eine Bank aus den USA.

Das von der EU geförderte CityxChange-Projekt möchte herausfinden, „wie Städte in der Zukunft aussehen könnten, die auf intelligente und innovative Energieversorgung unter Einsatz moderner Technologie setzen. Mit Hilfe digitaler Dienste soll eine kostensparende und gleichzeitig nachhaltige Energieproduktion nah am Verbraucher ermöglicht werden. Wenn ernsthafte IoT-Anwendungen zu einem Austausch von Leistungen verschiedener Beteiligter führt, dann wird man stets auch darüber nachdenken, wie diese abgerechnet werden. Der IT- und Payment Fachmann Ralf Ohlhausen hält es für einen Fehler, wenn Gerätehersteller die Bezahlung erst im Nachhinein als Funktion draufsetzen. Sie müsse vielmehr von Anfang an in die Produktentwicklung einfließen, vor allem auch aus Sicherheitsgründen.

Beim CityxChange-Projekt wird überlegt, ob man künftig zum Bezahlen von Verkaufs- und Handelsdatenströmen IOTA einsetzt, das sind auf blockchainnaher Technologie basierende digitale Münzen (auch Token genannt). IOTA ist übrigens auch Partner der Trusted IoT Allicance. Der IOTA-Token (Internet of Things Applications) wurde mit dem Ziel entwickelt, autonomes Bezahlen zwischen miteinander kommunizierenden Maschinen zu ermöglichen. Nach der Vorstellung von Dominik Schiener, Co-Founder von IOTA, sind damit Micropayments möglich, eine Maschine kann also eine andere Maschine bezahlen. So bräuchte sich etwa ein großes Unternehmen keine Maschine mehr kaufen, sondern könne sie ausleihen und pro Verwendung (beispielsweise pro Sekunde) per Micropayment bezahlen.

Zukunft des Bezahlens

Volkswagen, Audi und Bosch befassen sich mit der Technologie, die sich freilich noch im Laborstadium befindet. So ist beispielsweise künftig denkbar, dass elektrische Fahrzeuge bei einem Ladevorgang direkt über eine sichere, drahtlose IoT-Verbindung mit der Ladesäule die Kosten via IOTA abrechnen. Auch wenn IOTA für autonome Micropayments  und auch andere Verfahren heute noch nicht frei von Mängeln und Kritik ist, so zeigen die Aktivitäten doch eine neue Zukunft des Bezahlens, die keine umfangreiche Zahlungsabwicklungsinfrastruktur benötigt.

Ich habe allerdings Zweifel, ob ein privates, dezentrales Zahlungsinstrument das breite Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern findet. Dazu kommt, dass wir uns hier noch in einer sehr frühen Phase befinden und verschiedene Lösungen um die Gunst der (Geschäfts-)Kunden buhlen. Die für eine breite Akzeptanz notwendigen Standards sind nicht erkennbar. Aber es ist gut möglich, dass wir bald einen durch eine Zentralbank gestützten Token sehen, mit dem man auch im Internet der Dinge bezahlen kann. Zumindest denkt die Schwedische Reichsbank über die Entwicklung einer E-Krona für die Bezahlung auch im Internet der Dinge nach. Erste Tests mit der E-Krona sollen in 2019 erfolgen. Bisher können sich aber nur zwei Länder Krypto-Cash, nämlich Schweden und Uruguay, als alternative Ergänzung zu Bargeld  vorstellen. Nach einer Untersuchung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich nähern sich die meisten Zentralbanken diesem Instrument nur sehr vorsichtig.

Das Bezahlen im Internet der Dinge befindet sich noch nicht auf der Überholspur. Vor allem große Industrieunternehmen zeigen sich jedoch experimentierfreudig. Die Finanzindustrie bringt ihre Kompetenzen bislang kaum ein und kann so kein Know-how bei finanzmarktnahen Services im Internet der Dinge aufbauen. Dabei sind ihre Kompetenzen hier gefragt und das Potential ist durchaus vorhanden. Insbesondere bei Themen wie Betrugsprävention, Geldwäsche und Identifizierung der Berechtigten und sicher auch bei der Setzung sicherer Standards. Daher müssen die Banken aufpassen, dass sie beim machine-to-machine-payment nicht ebenfalls in die Defensive geraten.