Digilab-StudieWelche Unternehmen die besten Innovationslabore haben

Seite: 4 von 5

Signal Iduna: sicher rollern

Wenn Johannes Rath durch seine Berliner Büroräume führt, erlebt man erst einmal so etwas wie eine kleine Weltausstellung. Der Chief Digital Officer der Versicherungsgruppe Signal Iduna zeigt am Eingang der Signals Open Studios eine Ecke mit Produkten anderer Unternehmen, die sein Team inspirieren sollen. Ein Fairphone ist dabei, also ein Handy, das möglichst ressourcenschonend hergestellt wird, oder ein Reisekoffer mit eingebauter Powerbank für den Laptop.

Rath ist ein hoch aufgeschossener Blondschopf, der selbst aus dem Konzern kommt, kein Quereinsteiger. Sein Job: Er soll dem Unternehmen digitale Wendigkeit beibringen. Drei Instrumente stehen ihm dafür zur Verfügung: ein Innovationsteam, ein sogenannter Company-Builder und ein Fonds für Wagniskapital, in dem 100 Mio. Euro stecken.

Im Idealfall greifen diese Instrumente ineinander. So kaufte sich der Fonds beim Start-up Flash ein, das auf deutschen Straßen Elektro-Tretroller verleihen will. Später brachte dieses Investment das Lab-Team auf die Idee, eine passende Versicherung zu entwickeln. „Was genau nötig sein würde, war zu Beginn gar nicht klar“, erinnert sich Rath. Erst als die Sicherheitsdebatte um die Tretroller hochkochte, konkretisierte sich die Idee eines Versicherungskonzepts. Bei Signals hoffen sie, dass sich daraus vielleicht sogar ein neues Geschäftskonzept entwickeln lässt, etwa für ein Abrechnungsmodell, das sich an der Nutzung orientiert, wie es in anderen Ländern schon praktiziert wird.

Aus Raths Sicht ist das auch ein Vorzeigefall für die eigenen Kollegen: „Ich freue mich auf den Tag, an dem die Flash-Scooter bei uns vor der Hauptverwaltung stehen und die Leute sagen: Hey, es kann cool sein, bei einer Versicherung zu arbeiten.“

Die Beispiele zeigen: In den Laboren wird inzwischen oft sehr zielgerichtet entwickelt. Es entstehen Produkte, die im Konzern nicht mehr als Hirngespinste belächelt werden, weil sie erkennbar den Umsatz steigern können – sofern das Unternehmen bereit ist, die Ideen auch wirklich groß zu machen. „Nicht clever kleckern, sondern intelligent klotzen“, nennt das Infront-Partner Sindemann. Das aber fällt umso leichter, je enger sich ein Projekt am Geschäft des Unternehmens orientiert. „Man kann das aus Manager-Sicht durchaus nachvollziehen“, sagt Sindemann. „Die Labs werden schneller relevant, wenn sie beim Kernprodukt mitspielen.“