Digilab-StudieWelche Unternehmen die besten Innovationslabore haben

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Comdirect: Anleger werben

Banken haben hierzulande ein Problem: Die Deutschen sparen gern, haben aber großen Respekt davor, ihr Geld in Aktien zu investieren. Wenn die Zinsen niedrig sind, verdienen deshalb weder Sparer noch Finanz-institute viel Geld. Die Start-up Garage, das Innovationsteam der Commerzbank-Tochter Comdirect, hat aus dieser Erkenntnis ein Produkt entwickelt: Bonussparen. Das Prinzip: Wenn die Kunden online bei teilnehmenden Unternehmen einkaufen, sichern sie sich einen Bonus. Dieser Preisvorteil wird aber nicht ausgezahlt, sondern vom Institut in einem Indexfonds angelegt. So wird aus einem Online-Shopper im Handumdrehen ein Anleger. „Es ist ein niedrigschwelliger Einstieg in die Wertpapieranlage“, sagt Jana Koch von der Start-up Garage.

Die Zahl der Kunden bewegt sich laut Koch im sechsstelligen Bereich. Es sind Neukunden, die auf diesem Weg mit der Bank in Kontakt geraten, und solche Kontakte aufzubauen und zu halten ist eine der größten Herausforderungen, vor denen Banken derzeit stehen.

Das Bonussparen wurde in der Start-up Garage in Hamburg erfunden. Das ursprüngliche Konzept dieses Innovationslabors war es, den Markt nach interessanten Start-ups abzusuchen und diese ans Unternehmen zu binden. Koch erklärt, warum dieses Prinzip nach und nach einer etwas anderen Arbeitsweise wich. „Wir haben gesehen: So etwas richtig Revolutionäres, Neues gibt es eigentlich gar nicht“, sagt sie über die Szene der Fintechs, die den klassischen Banken Konkurrenz machen wollen. Seit 2017 hat sich ihr Labor deshalb zunehmend darauf verlegt, bankinterne Teams in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Die werden zwar ähnlich wie Start-ups behandelt, kommen aber aus dem eigenen Unternehmen.

B. Braun: iPad statt Ordner

„Wir haben schon vor langer Zeit verstanden, dass es nicht reicht, ein Stück Stahl zu verkaufen“, sagt Sören Lauinger. Das Innovationslabor, das Lauinger im baden-württembergischen Tuttlingen leitet, hat einen komplizierten Namen: Werk_39, powered by B. Braun. Komplex sind auch die Produkte des zugehörigen Unternehmens: B. Braun fertigt chirurgische Instrumente, Dialysemaschinen, Infusionsgeräte und anderes technisches Krankenhauszubehör.

Wer mit Krankenhäusern Geschäfte macht, weiß, dass dort zwar viele Daten anfallen, die aber entweder nie genutzt werden oder nach alter Tradition in Metern von Leitz-Ordnern verschwinden: Schichtpläne, Informationen über Geräte, die steril gehalten werden müssen, Pläne zur Medikamentenausgabe. Als das Digitallabor im April 2017 gegründet wurde, überlegte man dort, was sich daran ändern ließe. „Wir haben erkannt, dass für viele der Schritt vom Papier zu einer umfassenden Software ein Problem ist“, sagt Lauinger. „Es ging daher um eine Lösung mit niedriger Eintrittsschwelle.“ Ganz wie bei Comdirect.

Das Labor baute eine App auf, die sich auch per Tablet bedienen lässt. Die Daten aus den Papierordnern lässt das Team über die Amazon-Plattform Mechanical Turk einspeisen, die solche Aufgaben als Honorarjobs an Nutzer vergibt. Der Zuspruch für die App ist groß. Mit den Informationen, die so anfallen, will das Lab nun weiterarbeiten. „Plötzlich liegen objektivierte Daten vor“, sagt Lauinger. „Und wo Daten generiert werden, ergeben sich völlig neue Grundlagen für Geschäftsmodelle. Zum Beispiel können wir beraten, wie sich Schichtpläne optimieren lassen.“

Wie mit der Software selbst Geld verdient werden soll, ist noch nicht ausgemacht. Am Markt, so Lauinger, würden „noch unterschiedliche Erlösmodelle getestet“.