Makler-KompassWelche Makler den besten Job machen

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Kein Segment ist mehr sicher

Kloth kommt mit den neuen Rahmenbedingungen klar. Als Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD) hat er jedoch die ganze Branche im Blick – und da gebe es manchen Makler, den die neuen Regeln die Existenz kosten könnten: „Ich rechne mit einer Konsolidierung des Markts“, sagt der Lobbyist.

In Hotspots wie Hamburg, wo Mieter früher bis zu drei Monatsmieten Courtage zahlen mussten, ließen sich nun nicht einmal mehr zwei Monatsmieten durchsetzen. Wer nicht vom Mietgeschäft lassen mag, muss den Kunden entgegenkommen: Manche Makler bieten Besitzern mehrerer Wohnungen Paketpreise, andere offerieren einzeln buchbare Teilleistungen von der Bewerbersichtung bis zum Vertragsabschluss. „Ohne neue Geschäftsmodelle wird es kaum gehen“, sagt Kloth.

Top Ten der Maklerbranche

Zumal Firmen wie McMakler jetzt sogar in die Vermittlung von Kaufimmobilien vordringen. Auf diesem Terrain wähnten sich die Makler bislang sicher, weil hier der Käufer zumeist wenigstens einen Teil der Courtage von bis zu sechs Prozent der Kaufsumme übernimmt. Zum Festpreis von knapp 3000 Euro erledigt McMakler neuerdings alle Schritte von der Immobilienbewertung über die Gestaltung von Exposés und die Vermarktung bis hin zum Vertragsabschluss.

„Die Marktwirtschaft hat begonnen“, sagt Peter Hettenbach, Leiter des iib Dr. Hettenbach Instituts, das gemeinsam mit dem Analysehaus Feri Eurorating Services für Capital die Qualität von Maklern in 50 Städten getestet hat. Bislang hätten sich viele Unternehmen kaum Gedanken über die Effizienz ihrer Prozesse gemacht. „In der neuen Welt ist die Professionalisierung des Geschäfts überlebenswichtig“, so Hettenbach. Standardabläufe müssten gestrafft, der Service geschärft werden.

Wie weit die Automatisierung reichen kann, zeigt Immomio. Das Hamburger Start-up steuert den Auswahlprozess von Bewerbern für eine Mietwohnung per Algorithmus. „Immobilienportale haben den Markt in den letzten 15 Jahren transparent gemacht“, sagt Geschäftsführer Nicolas Jacobi. „Nach dem Erstkontakt zwischen Mieter und Vermieter läuft aber alles fast genauso wie früher.“

Bereits vor drei Jahren hatte der 28-jährige Betriebswirt mit einem Kommilitonen darüber gegrübelt, wie Vermieter einfacher als bisher ihren Wunschmieter finden. Die Idee verschwand damals in der Schublade, weil es an einem finanziellen Anreiz für den Wohnungsbesitzer fehlte. Mit der Einführung des Bestellerprinzips änderte sich das. Jacobi und sein Mitstreiter legten den Hebel um und brachten ihre Firma mit einer „ordentlich sechsstelligen Summe“ (Jacobi) mehrerer Family-Offices an den Start.

Kampf oder Kooperation?

Beim Paket „Mieter-Matching Plus“ (Einführungspreis: 49 Euro) bucht der Vermieter eine Anzeige auf 18 Immobilienportalen und gibt in einem Onlinefragebogen an, wie wichtig ihm etwa Einkommen, Haushaltsgröße und Beschäftigungsart des künftigen Mieters sind. Meldet sich ein Interessent auf eine Annonce hin, landet seine Anfrage bei Immomio, wo er sein Profil elektronisch hinterlegen kann. Immomio errechnet den Grad der Übereinstimmung zwischen den potenziellen Partnern. Seine Favoriten kann der Wohnungsbesitzer mittels eines Terminplaners zu Besichtigungsterminen einladen.

Angriff auf Makler? Abjagen von Geschäft? Jacobi, der neben seinem Job regelmäßig als Torhüter der Hockey-Nationalmannschaft aufläuft, wehrt ab. Er sehe sich nicht als Gegner der Vermittler, sondern als Partner: Zahlt der Wohnungsbesitzer einen Aufpreis, nimmt ein professioneller Immobilienvermittler aus dem Immomio-Netzwerk den Bewerber in Empfang und führt ihn durch das Objekt. Künftig will das Unternehmen seine Software auch Maklern direkt anbieten, damit diese ihre Abläufe verschlanken können.