Makler-KompassWelche Makler den besten Job machen

Schlüssel
Passt schon? Von wegen. Mehr als bisher müssen sich Makler um Kunden bemühen, um keine Provision zu verlieren
© Maxi Virgili und Max Miller

Der Beschluss des Bundesrats war noch keine drei Monate alt, da hatten Hanno Heintzenberg und Lukas Pieczonka ihre Idee längst umgesetzt: ein Internetportal, mit dem sie den Markt für Immobilienvermittlung aufmischen wollen. Ende März hatte die Länderkammer das „Bestellerprinzip“ durchgewunken. Danach zahlt derjenige für die Vermittlung einer Mietwohnung, der dem Makler den Auftrag erteilt hat, also in aller Regel der Vermieter. Zum 1. Juni trat die Novelle in Kraft – und am 14. Juni ging McMakler online.

Die neue Regel hat die Branche in Aufruhr versetzt: Schließlich ist kaum ein Vermieter bereit, die Courtage, die bislang zumeist der Mieter gezahlt hat, selbst zu übernehmen. Entweder kümmern sich die Besitzer selbst um die Vermietung – oder sie fordern vom Makler einen kräftigen Rabatt. Hunderte Millionen Euro Provision pro Jahr stehen auf dem Spiel. Und jetzt kommen auch noch die Angreifer aus dem Internet.

Mehr als 30 Neugründungen listet die Onlineplattform „Deutsche Start­ups“ auf, die mit Kampfpreisen in sämtliche Segmente des angestammten Maklergeschäfts vorstoßen. Manche wie Devepo, Domiando oder Moovin gleichen Bewerberprofile mit den Anforderungen des Vermieters ab. Andere wie Homelike oder Nestpick vermitteln möblierte Langzeitunterkünfte. Selbst die Makler von Eigentumsimmobilien, die vom Bestellerprinzip ausgenommen sind, geraten unter Zugzwang: Eine Handvoll Firmen bietet Hausbesitzern Wertgutachten und andere Dienste rund um den Hausverkauf an.

McMaklers meistverkauftes Produkt richtet sich an Vermieter: Für 498 Euro kümmern sich die Jungunternehmer Heintzenberg und Pieczonka um alle Schritte von der Erstellung des Exposés über die Kommunikation mit Bewerbern und die Besichtigung der Wohnung bis hin zur Schlüsselübergabe.

McMakler Gründer Heintzenberg (l.) und Pieczonka
McMakler Gründer Heintzenberg (l.) und Pieczonka: „Bis Ende 2016 wollen wir bundesweit an 30 Standorten vertreten sein“

Die Pläne des Duos sind ambitioniert. Bis zum Spätsommer hat es in den beiden Startmärkten Berlin und Leipzig zwar erst eine „mittlere zweistellige Zahl“ an Objekten vermittelt. Doch das sei erst der Beginn. Anfang September sind München, Hamburg und Köln hinzugekommen. „Bis Ende 2016 wollen wir bundesweit an 30 Standorten vertreten sein“, sagt Heintzenberg.

Das Tempo der Veränderung ist atemberaubend. Gerade einmal vier Wochen benötigten die beiden 27-Jährigen, um McMakler an den Start zu bringen – mit finanzieller Unterstützung von fünf Wagniskapitalgebern. 14 Mitarbeiter teilen sich die Etage eines Büro­gebäudes in Berlin-Mitte mit einer Sprachenschule.

Heintzenberg und Pieczonka hatten mit Immobilien bislang nicht viel am Hut, wohl aber mit schlanken Prozessen: Heintzenberg beriet zuletzt für die Boston Consulting Group (BCG) Stahlhersteller in Vertriebsfragen, sein Schulfreund Pieczonka gehörte zum Führungszirkel des Möbel-Shoppingportals Home24, eines Ablegers der Firmenfabrik Rocket Internet. „Uns war klar, dass der Beschluss die Spielregeln grundlegend ändert“, sagt Heintzenberg, „so ähnlich wie die Zulassung von Fernbussen vor drei Jahren.“ Allein im vorigen Jahr kosteten die neuen Konkurrenten die Deutsche Bahn 120 Mio. Euro Umsatz.

Axel E. Kloth ist persönlich haftender Gesellschafter der J.L. Völckers & Sohn KG. Seit 1853 vermittelt das Hamburger Maklerunternehmen Häuser und Wohnungen in der Hansestadt. Die Firma hat Kriege und Krisen überlebt. Das Bestellerprinzip, so wie es die Politik beschlossen hat, nennt der Kaufmann jedoch „eine Katastrophe“. „Unser Vermietgeschäft haben wir fast völlig eingestellt“, sagt Kloth. Was die Vermieter jetzt noch zahlen wollten, reiche nicht, um die Kosten zu decken. Der Makler konzentriert sich seither auf die Vermittlung von Eigentum – seit jeher der Schwerpunkt der Firma und das lukrativere Geschäft.