Davos 2019 Was unser Geldsystem mit Rambo zu hat 

Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar
Capital-Chefredakteur Horst von ButtlarGene Glover

Wenn ich an die Summen denke, die seit einer Dekade um unseren Erdball schwappen, fällt mir diese Szene aus Rambo III ein. Da steht John Rambo mit Colonel Trautmann in der Wüste Afghanistans, und vor ihnen Hunderte feindliche sowjetische Kämpfer, und der Colonel fragt: „Was machen wir jetzt?“ Und Rambo sagt: „Sie umzingeln läuft wohl nicht.“

Tja, wir kommen sie da wieder raus? Diese Frage stellen sich viele auch angesichts des vielen Geldes, dass die Notenbanken seit einer knappen Dekade 24/7 produzieren und in die Märkte pumpen. Es ist die Fragen aller Fragen unseres Finanzsystems, eine große, ungelöste und vor allem verdrängte Frage.

Die neue Capital erscheint am 24. Januar
Die neue Capital erscheint am 24. Januar

In einem Film wie Rambo gibt es natürlich eine Lösung: Da kommt den Elitesoldaten eine Truppe tapferer Mudschahidin zu Hilfe – abgesehen davon, dass Rambo wie zehn Mann kämpfen kann und er im Gegensatz zu Gott keine Gnade kennt. In der realen Welt aber gibt es keine tapferen Krieger, keine unverhoffte Rettung. Das Geld einfach verschwinden lassen, läuft wohl nicht.

Nun ist es natürlich so, dass der Ausstieg in einem Teil der Welt – in den USA – schon begonnen hat, dort baut die Notenbank Fed ihre Bilanzsumme bereits ab, reduziert die Staatsanleihen und hat die Zinsen erhöht. In Europa läuft der Exit  zaghafter, komplizierter: Die Zinsen sind noch bei Null, die EZB kauft keine neuen Anleihen mehr, ersetzt aber auslaufende. Insgesamt hat sie seit März 2015 Papiere für rund 2,5 Billionen Euro erworben.

Der Exit vom Exit?

Zu meinem Erstaunen sind die globalen Schulden in diesem Jahr auf dem Weltwirtschaftsforum eher am Rande ein Thema. Es geht hier erneut um die vierte Industrielle Revolution mit alle ihren thematischen Beibooten (Künstliche Intelligenz, Jobverluste, Transformation, Leadership) – und natürlich um das geopolitische Gebräu, das uns seit einiger Zeit beschäftigt.

Immerhin einige gewichtige Stimmen haben hier in Davos die Erwartung geäußert, dass die Normalisierung der Geldpolitik noch dauern wird: Axel Weber, Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS und einst Präsident der Bundesbank, glaubt an eine Atempause der Notenbanken. Die „Normalisierung der Zinsen“ werde es nicht vor 2020 geben, die EZB im Null-Territorium bleiben, das Ganze sei ein Thema „für den nächsten Wirtschaftszyklus“ – denn jetzt seien die Notenbanken im Grunde zu spät dran. Außerdem erwartet er, dass die aufgeblähten Bilanzen der Notenbanken nie mehr zur alten Größe zurückfinden würden. Auch Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Brigdewater, prognostiziert: „Die Finanz- und Geldpolitik wird wahrscheinlich noch lockerer werden müssen, als die Märkte jetzt denken.“ Weber machte allerdings auch Hoffnung: Die Stimmung, sagte er, sei ihm inzwischen etwas zu „gloomy“.