Capital erklärtWas Sie über die Elektroautos wissen müssen

Ladestation für Elektroautos: Der Ausbau der Infrastruktur ist eines der vielen Probleme bei der E-Mobilität
Ladestation für Elektroautos: Der Ausbau der Infrastruktur ist eines der vielen Probleme bei der E-MobilitätJann Höfer


Unsere Reihe Capital erklärt macht aktuelle Wirtschafts-Themen schnell verständlich. Diesmal: Die wichtigsten Fragen zur Elektromobilität – mit Redakteur Nils Kreimeier, der bei Capital für die Themen Automobilbranche und Digitalisierung zuständig ist.


Wie steht es um die Elektromobilität in Deutschland?

Ursprünglich war es das Ziel der Bundesregierung bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben. Davon sind wir weit entfernt. Erst 2022 soll dieses Ziel nun erreicht werden. Die Neuzulassungen steigen zwar jedes Jahr, was rein batteriebetriebene Elektroautos angeht, bewegen wir uns aber immer noch in einem Bereich von etwa einem Prozent. Auf der anderen Seite haben alle großen Hersteller mittlerweile eine Produktoffensive gestartet. Das heißt im Laufe dieses und des kommenden Jahres wird eine ganze Reihe neuer Elektroautomodelle auf den Markt kommen. Die Frage ist dann, wie gut das von den Kunden angenommen wird.

Warum kommt die E-Wende so schleppend voran?

Wenn man von einem Markt ausgeht, auf dem Nachfrage und Angebot die entscheidenden Kriterien sind, dann liegt das primär daran, dass es einfach kein besonders großes Kundeninteresse gibt. Das liegt sicherlich auch daran, dass es bis jetzt noch kein großes Produktangebot gegeben hat. Zudem sind die Autos für das, was sie leisten, sehr teuer. De facto ist es derzeit so, dass man bei einem Elektroauto für mehr Geld weniger Reichweite, weniger Komfort, einfach weniger Auto bekommt. Das lässt sich schwer verkaufen.

Welche Probleme haben Elektroautos?

Das Grundproblem sind die hohen Kosten. Sie haben zur Folge, dass die Leute, die sich Elektroautos leisten wollen, nicht nur ein ökologisches Bewusstsein, sondern auch einfach das Geld dafür haben müssen. An diesem Problem wird sich so schnell nichts ändern. Auch nicht durch die Ausweitung der Produktion im großen Stil wie sie Volkswagen nun anstrebt. Es gibt beim E-Auto einfach diesen großen Kostenblock Batterie. Für deren Produktion werden Rohstoffe wie Kobalt und Lithium gebraucht und deren Preise steigen im Moment. Um diesen Kostenblock kommt kein Hersteller herum. Die Batteriekosten machen ungefähr ein Drittel der Wertschöpfung beim E-Auto aus.

Wie umweltfreundlich sind Elektroautos dann wirklich?

Das hängt vor allem davon ab, welcher Strom bei der Produktion der Batterie und beim Betrieb des Elektroautos eingesetzt wird. Wenn man aktuell die CO2-Emissionen eines handelsüblichen Elektroautos mit einer Reichweite von 300 bis 400 Kilometern mit einem modernen Diesel vergleicht, steht der Diesel beim derzeitigen Strommix in Deutschland wahrscheinlich besser da. Wenn sich die Energiewende aber so weiterentwickelt wie geplant und wir uns einem 70 bis 80-prozentigen Anteil von erneuerbaren Energien nähern, dann kippt diese Bilanz und das Elektroauto wird tatsächlich ökologischer sein. Was allerdings bleibt, ist, dass die Batterien unter großen Emissionswerten produziert werden. Ein E-Auto startet mit einem Dreckrucksack, der größer ist als bei einem Diesel oder bei einem Benziner. Den muss es erst einmal abfahren, bevor es in den ökologischen Bereich kommt.

Was bringt die staatliche Förderung für ein Elektroauto? 

Wenn man sich das konkrete Fördermodell anschaut, die Elektroautoprämie, die sich momentan Staat und Hersteller teilen, um für die Kunden die Einstiegshürde zu senken, kann man sagen: Sie wird nicht besonders gut angenommen. Politik und Wirtschaft haben nun beschlossen, die Fördersumme zu erhöhen. An einem Land wie Norwegen kann man sehen, dass massive staatliche Subventionen tatsächlich ein anderes Käuferverhalten bewirken können. Elektroautos haben dort mittlerweile einen Marktanteil von über 50 Prozent. In Deutschland würden solche Subventionen aber wahrscheinlich schwer durchzusetzen sein. Denn dahinter steht doch auch eine ordnungspolitische Frage: Sind wir als Land bereit eine Technologie mit massiven Subventionen zu fördern, von der wir noch nicht so genau wissen, ob sie uns wirklich weiterhilft, ob sie so ökologisch ist wie wir im Moment glauben und ob es nicht vielleicht auch Technologien gibt, die uns viel mehr helfen würden?

Was kommt in Zukunft auf die deutschen Autokäufer zu?

Zunächst einmal werden eine ganze Reihe neuer Modelle auf den Markt kommen. Hersteller wie Volkswagen drängen zudem massiv darauf, dass die staatlichen Subventionen erstens erhöht und zweitens verlängert werden sollen – das heißt, dass der Staat deutlich länger Geld dazu schießen soll, um attraktive Preismodelle für die E-Autos zu finden. Es werden also viele E-Autos kommen und die werden im Vergleich zur Vergangenheit auch sehr aggressiv beworben werden und in den Markt gedrückt werden. Trotz allem bleibt natürlich die Frage, ob die Menschen sich darauf einlassen. Ob wir in den nächsten Jahren in Deutschland oder Europa tatsächlich Marktanteile von 25 Prozent sehen werden, bleibt abzuwarten. Das wird in China deutlich schneller gehen als bei uns.