FinanzevolutionWas Open Banking für das klassische Bankgeschäft bedeutet

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Warum ist das so brisant für Banken?

Die Welt des Open Banking und der APIs ist heute längst nicht perfekt, weil es keine einheitlichen Standards gibt, wie Daten zwischen verschiedenen Unternehmen und Kunden übertragen werden. Dennoch zeichnet sich bereits ein klares Bild für die Zukunft ab. Immer mehr Finanzdienstleistungen werden miteinander und mit anderen Vertragsdienstleistungen verknüpft und der Datenaustausch immer weiter standardisiert. Finanzdienstleister, die sich nicht freiwillig öffnen, könnten früher oder später vom europäischen Gesetzgeber, z. B. durch eine PSD3 , dazu gezwungen werden.

Prinzipiell ist es möglich, dass Kunden ihre Finanz-, Versicherungs- und weitere Vertragsdienstleistungen auf Drittplattform konzentrieren und von dort aus auch Transaktionen auszulösen. Mit einem Log-in hätten sie Zugriff auf alle Verträge , die dabei nicht vom Plattformanbieter selbst verwaltet werden. Aber die Plattformbetreiber entwickeln sich gleichwohl zu einem Gateway. Insbesondere wenn es darum geht, neue Verträge abzuschließen, können sich Kunden wie in einem Baukasten die Leistungen von verschiedenen Anbietern zusammenstellen. Treten solche Plattformen auch als Identitätsanbieter auf, dann entfallen sogar aufwendige Identitätsprüfungen. Banken werden hier für branchenfremder Partner auf Zulieferer reduziert und führen im Hintergrund die Konten und erfüllen bankrechtlichen Anforderungen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte sieht in Open Banking eine signifikante Veränderung mit dem Umgang von Kundenzugang, (Transaktions-)Daten und den Schnittstellen und damit einen „fundamentalen Umbruch“, der etablierte Banking-Geschäftsmodelle infrage stellt. Die Technologieberatung Accenture befürchtet, dass Banken zum reinen Infrastrukturanbieter degradiert werden und den Kundenkontakt verlieren könnten, während Fintechs und Technologie-Giganten wie Apple oder Google den attraktiven Teil der Wertschöpfungskette übernehmen.


Dirk ElsnerDirk Elsner ist bei der DZ Bank Senior Manager Innovation und Digitalisierung. In dieser Kolumne äußert er seine private Meinung. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog BlickLog gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde. Hier finden Sie weitere Kolumnen aus der Reihe Finanzevolution