ThemaWas Google mit uns vorhat

Google hat wieder zugeschlagen: Der Internetkonzern hat den Drohnenhersteller Titan Aerospace übernommen. Deren unbemannte Flugzeuge sollen das Internet in die entlegensten Winkel der Erde bringen. Mit dem Projekt Loon verfolgt Google bereits ähnliche Pläne – allerdings geht es dort um Ballons, über die Internetverbindungen hergestellt werden sollen. Die solarangetriebenen Titan-Aerospace-Drohnen haben die Größe eines Mittelstreckenjets und sollen in 19 Kilometer Höhe fünf Jahre in der Luft bleiben können. Das klingt nach Science Fiction, doch angeblich sind die ersten Flugapparate schon im kommenden Jahr einsatzbereit.

Der Kauf erfüllt aber noch einen anderen Zweck, denn auch Konkurrent Facebook war an dem Unternehmen interessiert. Das soziale Netzwerk und der Suchmaschinengigant liefern sich seit Monaten einen Bieterwettstreit bei Übernahmen. Nicht alle Experten sind daher auch von Googles Zukäufen überzeugt. Sie sehen in der Einkaufstour, die von Robotertechnik über künstliche Intelligenz bis hin zu Thermostaten und Rauchmeldern reicht, nur spekulative Investments.

Larry Page und Sergey Brin
Google-Gründer Larry Page
© Inter Topics

Oder gibt es doch einen Masterplan? Wer sich mit der Geschichte der IT-Ikone beschäftigt, wird bald feststellen, dass diese Frage nach dem großen Plan Google nicht das erste Mal gestellt wird. „Mir ist lieber, die Leute sind verwirrt, als dass wir unseren Konkurrenten zeigen, was wir vorhaben“, hat Google-Gründer Larry Page schon vor acht Jahren gesagt.

Die Verrücktheit ist „im Grunde eine Art Wahnsinn mit Methode“, schreibt Steven Levy in seinem Buch „Google Inside“. Schon 2005 hätten Experten bemängelt, dass Google „außer Kontrolle sei und nur noch auf Glück Versuchsballons starte“ und „Projekte wie mit einem Schrotgewehr“ angehe.

Oft aber sind diese Kritiker später verstummt. Weil Google seiner Zeit voraus war. Weil Larry Page, sein Mitgründer Sergey Brin und viele Dutzend andere geniale Köpfe mit ihrem Wahnsinn Erfolg hatten.

Google steht glänzend da

Nicht immer, es gab viele Fehlschläge, Missmut, Streit mit Wettbewerbsbehörden und Angst von Nutzern. Aber nach 16 Jahren hat Google in vielen Bereichen eine schier uneinholbare Herrschaft erlangt: 70 Prozent aller Suchanfragen laufen weltweit über Google, in Deutschland­ beträgt der Marktanteil über 90 Prozent. Wie nur wenige Unternehmen hat Google unser Leben geprägt, durchdrungen und verändert. Für viele Menschen ist Google­ das Internet. Und wenn die Server ausfallen, ist man wie gelähmt: Irgendwie ist das Internet dann kaputt.

Auch finanziell ist die Rechnung mehr als aufgegangen: Google glänzt auch mit einem Jahresgewinn in Höhe von 12,9 Mrd. Dollar. Rund 85 Prozent des Umsatzes von fast 60 Mrd. Dollar erlöst das Unternehmen durch Werbung.

Seit geraumer Zeit nun stößt Google in neues Terrain vor. Im Kern geht es noch immer um das alte Geschäft: Daten. Und mit diesen ­Daten soll Geld verdient werden. Doch Google baut an einer neuen Dimension der Vernetzung immer neuer Geräte und Applikationen – an einer Art Betriebssystem unseres Lebens.